Garmisch-Partenkirchen/München - Mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich die bayerische Landesregierung vehementer in den Olympia-Konflikt eingeschaltet, doch die Grundstücksbesitzer von Garmisch-Partenkirchen bleiben hart. Im Streit um die dringend benötigten Flächen für die olympischen Winterspiele 2018 weigert sich der Großteil der insgesamt 78 Landwirte weiterhin, seine Grundstücke für die Veranstaltung herzugeben.
Dies könnte die Bewerbung für die Winterspiele in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau/Königssee zum Scheitern bringen, denn vor allem für die Alpin-Rennen gibt es deutschlandweit keine Alternative zu Garmisch.
Seehofer hatte die Angelegenheit zur Chefsache erklärt, nachdem eine Einigung in immer weitere Ferne rückte. Bei einer Sondersitzung seines Kabinetts in Garmisch bemühte er sich um einen positiven Ton. Das "Allerwichtigste" sei, den Grundstückseigentümern Respekt entgegenzubringen und sie nicht wie Schachfiguren zu behandeln, sagte er.
Die bayerische Staatsregierung sichert den Landwirten nun sogar eine gesetzlich verankerte Garantie zu. "Wir haben eine Garantie für die Grundstücksbesitzer beschlossen, dass wir alle Grundstücke, die wir temporär nutzen, wieder so herrichten, wie wir sie vorgefunden haben", sagte Staatskanzleichef Siegfried Schneider in der "Münchner Runde" im Bayerischen Fernsehen. Diesen Beschluss wolle man im Rahmen des Olympiagesetzes auch so über den Landtag formulieren.
Bis Ende August kündigte die Staatskanzlei zudem an, "eine überarbeitete und von den Betroffenen mitgetragene und sportpolitisch aussichtsreiche Konzeption für das Snow-Village und das Mediendorf vorzulegen".
Die betroffenen Landwirte zeigen sich wenig beeindruckt von den Bemühungen aus der Landesspitze. Seehofer könnte "bei jedem persönlich klingeln, auch das würde nichts nützen", sagte Anna-Maria Reindl, die selbst ein Grundstück abgeben soll, der "Süddeutschen Zeitung". Auch Josef Glatz, Landwirt und Vorsitzender der Garmischer Weidegemeinschaft, sieht keine Chance auf einen Durchbruch in den Gesprächen. "Wir sind jahrelang nicht ernst genommen worden, und jetzt sollen wir unseren Grund hergeben. So wird des nix", sagte er der "Münchner Abendzeitung". Ein anderer Landwirt nennt in einem Interview mit der Zeitung "tz" Olympia gar den "Todesstoß für die Landwirtschaft".
can/sid
Auf anderen Social Networks posten:
In der Tat wurden für den Flughafen Grundstücksbesitzer enteignet. Dies ist in diesem Land für öffentliche Projekte in Staatsinteresse möglich, allerdings nur mit angemessener Entschädigung. Die Ölympischen Spiele kann man damit [...] mehr...
Bayern vs. sture Bauern. Scheitert Olympia am Milchpreis? Herrlich, eine Provinzposse nach CSU-Art auf internationaler Ebene ... mehr...
ja, und wir zahlen die zeche unserer eltern, großeltern, urgroßeltern, ururgroßeltern und so fort. es geht uns dabei aber allemal besser als unseren vorfahren. also eigentlich kein grund zu meckern, oder? mehr...
na, das votum des VEs, haben wir doch gerade erst gesehen. viele wirte sind eigentümer ihrer gastronomischen betriebe. mehr...
die kommen erst wieder mit einem VE aus den löchern, wenn sie soviel morgenluft gewittert haben, daß sie den leuten das rauchen in ihren wohnungen verbieten lassen wollen. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Olympische Winterspiele 2018 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH