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28.07.2010
 

Regierungssprecher Wilhelm

Merkels bester Mann

Von Sebastian Fischer

Foto: dpa

Er war der Erklärer der Kanzlerin - jetzt verabschiedete sich Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nach München. Er wird Intendant des Bayerischen Rundfunks. Bis zuletzt zeigte er, was ihn so wertvoll machte: Auch das neue Umfragedesaster für Schwarzgelb deutete er flugs ins Positive um.

Berlin - Es ist ein Sinnbild. Die Unionsparteien sacken in einer Umfrage auf 29 Prozent ab. Es ist ihr schlechtester Wert seit der CDU-Spendenaffäre vor zehn Jahren. Und der beste Mann der Kanzlerin hört auf. Ausgerechnet an diesem Tag.

Verlässt er ein sinkendes Schiff?

Ulrich Wilhelm war vier Jahre und neun Monate der Regierungssprecher, in einem halben Jahr tritt er sein Amt als Intendant des Bayerischen Rundfunks an. Für ihn übernimmt der bisherige ZDF-Moderator Steffen Seibert in Berlin. Wilhelm diente Angela Merkel und ihren beiden Koalitionen als Chefverkäufer. Der CSU-Mann war erst beliebt bei den Sozialdemokraten, dann bei den Liberalen und immer bei den Journalisten.

Für die schwarz-gelbe Tristesse kann er am wenigsten.

Und doch muss er sie umdeuten. Von wegen sinkendes Schiff. "Diesen Eindruck habe ich nicht", sagt der 49-jährige Münchner. Umfragen seien flüchtig - und hinkten ohnehin immer der Entwicklung hinterher. In Wilhelms Welt sind solche Entwicklungen natürlich positiv. Also deutlich über 30 Prozent. Den schwarz -gelben Zoff deutet er zur "Binnendiskussion" um, die den Eindruck entstehen lasse, "man sei nicht so einig wie man tatsächlich ist". Lächeln im Robert-Redford-Gesicht.

Kein kühl kalkulierender Schönredner

Das ist ein hübscher Satz über die Wunschwirklichkeit. Und er sagt viel über den Mann Ulrich Wilhelm aus, der an diesem 29-Prozent-Mittwoch seinen letzten Auftritt vor der Bundespressekonferenz hat, dem Verein der Hauptstadtkorrespondenten. Regierungssprecher können kühl kalkulierende Schönredner sein. Wilhelm aber wirkte im Amt meist wie ein naiv-jungenhafter Daueroptimist - dem man das sogar abnahm.

Sein Abgang dürfte für Angela Merkel eine größere Lücke reißen als all ihre Verluste starker Männer zuvor: Roland Koch, der Hardliner; Christian Wulff, der Wohlfühlkonservative; Jürgen Rüttgers, der Soziale. Jeder von ihnen bediente einen Teil der Volkspartei Union. Wilhelm aber war Merkels Schattenmann fürs große Ganze. Nach innen war er einer ihrer wichtigsten Diskussionspartner, nach außen mehr geduldiger Regierungserklärer als Regierungssprecher. Eine Journalisten-SMS an Wilhelm - und er rief zurück. Darauf war immer Verlass.

Schon einmal hat ein Spitzenpolitiker die Sprecherdienste Wilhelms verloren. Das war Edmund Stoiber im Jahr 2002. Der bedächtige Wilhelm wich damals einer Rangelei mit seinem Sprecherkollegen Martin Neumeyer aus, der sich mehr und mehr zum Stoiber-Flüsterer entwickelt hatte. Wo Wilhelm seinen Chef auch mal bremste und erdete, da stachelte ihn Neumeyer an. Am Ende hatte Stoiber zwar die Zwei-Drittel-Mehrheit in Bayern gewonnen, aber den Kontakt zur Basis verloren. Und musste gehen.

Beinahe Minister?

Merkel wusste, dass sie Wilhelm irgendwann verliert. Er hatte ihr zugesichert, bis zur Bundestagswahl weiterzumachen und ein bisschen darüber hinaus. Aber dass er dann zurück wollte nach München, zu Frau, Tochter und Sohn - das war immer klar. Er hätte auch schon eher gehen können. Es bestand die Chance auf ein Ministeramt. Bayerns Kurzzeit-Ministerpräsident Günther Beckstein soll versucht haben, Wilhelm zu gewinnen: als Wissenschafts- oder Inneminister vielleicht, als Chef der Staatskanzlei. "Kein anderer Bayer steht so im Zentrum der Macht - keiner ist so sympathisch wie er", schrieb damals die Münchner "Abendzeitung". Doch Wilhelm, von dem viele in der CSU sagen, er hätte auch einen gescheiten Ministerpräsidenten abgeben können, blieb bei Merkel.

Bis jetzt.

Bei diesem letzten Auftritt vor der Bundespressekonferenz - es ist Nummer 328 für ihn - geht es noch einmal rund. Die Veröffentlichung Zehntausender US-Kriegsdokumente zu Afghanistan durch die Internet-Plattform WikiLeaks sorgt seit Tagen für Wirbel. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums wird immer wieder zum gezielten Töten von Top-Taliban durch amerikanische Spezialkräfte befragt. Zu den sogenannten Target-Listen, auf denen jene stehen, die gefangen genommen oder eben getötet werden sollen. Welche Rolle spielt dabei die Bundeswehr? Der Marineoffizier, Kapitän zur See, betont immer wieder die "Selbstbeschränkung" der Bundeswehr in dieser Sache, man habe die Gefangennahme, nicht aber die Tötung zum Ziel. Der Mann von der Marine ist genervt, mokiert sich über das "spezielle Interesse" eines Journalisten in der Sache.

Irgendwann greift Ulrich Wilhelm ein - mit der zurückhaltenden Einleitung, dass dies ja nicht sein Fachgebiet sei. Aber dann trägt er entscheidend zur Aufklärung bei. Der Kapitän und der an der Deutschen Journalistenschule ausgebildete Jurist - es sind zwei sehr verschiedene Sprechertypen, die da auf dem Podium nebeneinander sitzen.

Ein kritisches Urteil fürchte er nicht, nur ein oberflächliches, sagt Regierungserklärer Wilhelm.

Die Hauptstadtjournalisten schenken ihm zum Abschied ein hundert Jahre altes Fernrohr für die Neugier. Und der bedächtige Wilhelm kontert mit Blick auf all die Fotografen vor ihm: Wenn er nun ins Rohr schaue, dann begleite ihn dieses Motiv ewig. "Ich ringe noch mit mir, ob ich das tun soll", sagt er. "Der Kanzlerin würde ich raten: 'Tun Sie es nicht'". Auch Wilhelm tut es schließlich nicht - und sagt, dass man das Fernrohr eigentlich umdrehen und dann hineinschauen müsse. Um als Beteiligter mehr Distanz zum Geschehen zu bekommen.

Es ist diese uneitle Erdung, die den Mann auszeichnet.

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Also, ich muss schon sagen Morotti, ich bin ja schon wegen eines fehlenden b's hier kürzlich "gemobt" worden, aber ihr Satzbau ist auch abenteuerlich. Abgesehen davon gab es Flaschenpfand auch schon vor der Ära Merkel [...] mehr...

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