Von Sebastian Fischer und Philipp Wittrock
Berlin - Koch weg. Rüttgers weg. Beust weg. Oettinger in Brüssel. Wulff im goldenen Käfig. Es ist einsam geworden um Angela Merkel an der Spitze der CDU. Selbst in den eigenen Reihen ist von einem Erosionsprozess die Rede, auch wenn die Chefin davon nichts wissen will. Genügend "gute Leute" sieht sie in die Lücken vorstoßen.
Tatsächlich?
Es sind zwei Namen, die Merkel zuletzt immer wieder zu ihrer Entlastung vorbringt, wenn sie nach der Zukunft der Christdemokratie gefragt wird: Stefan Mappus und David McAllister. Der eine, sagt die Kanzlerin, sei als Ministerpräsident von Baden-Württemberg "per se wirtschaftskompetent". Der andere "mit Sicherheit ein großes Talent".
Mappus und McAllister - sind sie die neuen starken Männer hinter Angela Merkel? Haben sie überhaupt das Zeug dazu?
Klar ist: Beide wollen. Beide ringen um Aufmerksamkeit und Einfluss. "Mac'n'Map" bringen sich in Position, suchen ihre Rolle auf dem verwaisten Spielfeld der CDU.
Mappus, 44, versucht es mit einer bundespolitischen Attacke - ausgerechnet gegen Merkels Umweltminister. Seit Wochen nimmt er Norbert Röttgens Skepsis gegenüber deutlich längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke aufs Korn. Eine "grandiose Fehlleistung" nennt er den Kurs der Bundesregierung - und dafür sei eben vor allem Röttgen verantwortlich. Mappus fordert "15 Jahre plus x" und strotzt bei Parteifreunden vor Selbstbewusstsein: "Gehen Sie mal davon aus, dass es eine klare Absprache zwischen dem Kanzleramt, dem Fraktionsvorsitz und mir gibt."
"Muttis Liebling"
Der norddeutsche Amtskollege gibt sich bisher zahmer, outet sich in Interviews gar als Merkel-Fan und kokettiert mit der Nähe zur Kanzlerin, die ihn schon für den Posten des Generalsekretärs der Bundes-CDU im Auge hatte. "Wir tauschen oft SMS aus, aber das landet dann nicht in der Presse", rühmt sich McAllister, 39. "Wird dieser Schwarzfuß Muttis Liebling?", fragte die "Bild"-Zeitung neben einem großen Foto, das ihn mit hochgekrempelter Jeans und von einer Wattwanderung geschwärzten Füßen am Nordseestrand zeigt. Britische Medien sehen in dem Sohn eines Schotten und einer Deutschen schon den künftigen Bundeskanzler.
Die beiden jüngsten Ministerpräsidenten Deutschlands haben die CDU-Ochsentour von der lokalen Jungen Union bis an die Spitze der Landespolitik in rasantem Tempo hinter sich gebracht. Und plötzlich sind beide die größten Profiteure von Merkels Männerschwund.
Seit Februar regiert Stefan Mappus Baden-Württemberg. Der Südwesten ist die ewige Machtbastion der CDU. Nur an der Durchschlagskraft in Berlin mangelte es in den vergangenen Jahren. Egal ob Erwin Teufel oder Günther Oettinger - gemessen an der wirtschaftlichen Bedeutung ihres Bundeslands bewegten die Ministerpräsidenten aus dem Ländle nur wenig in der nationalen Politik.
Anders die Niedersachsen: Der Einfluss von Ex-Ministerpräsident Christian Wulff in der Bundespolitik war unbestritten. Merkel sah in ihm immer einen Rivalen. Übernimmt McAllister auch dieses Erbe? Wulff hat ihn über Jahre aufgebaut, die politischen Rollen waren klar verteilt. Hier der sanfte Landesvater, dort der forsche Kronprinz. McAllister ist für seine rhetorischen Qualitäten bekannt.
"Lieber der Terrier von Wulff als der Mops von Schröder", fertigte er als Fraktionsvorsitzender im Landtag einst den damaligen Oppositionschef Sigmar Gabriel ab.
Den ruppigen Ton hat er als Ministerpräsident schnell gedämpft, auch wenn der Ruf vom smarten Raufbold sein Profil schärfte. Nun versucht er es mit Bodenständigkeit: Mit seinen beiden vier- und sechsjährigen Töchtern auf dem Schoß ließ er sich im Landtag fotografieren, kein Porträt, in dem nicht ausführlich sein kleiner Heimatort ausführlich gewürdigt wird. In Bad Bederkesa war McAllister einst Bürgermeister und Schützenkönig in Personalunion.
Wende im Südwesten
Imagewechsel auch bei Stefan Mappus: In seinen Zeiten als Landtagsfraktionschef inszenierte er sich als Anti-Oettinger. Wo der Ministerpräsident liberal auftrat, gab sich Mappus betont konservativ - etwa als Oettinger einen verkaufsoffenen Advent wollte. Wo Oettinger noch eine schwarz-grüne Koalition sondierte, erteilte Mappus dieser Variante schon eine entschiedene Absage. In Franz Josef Strauß sah er immer ein Vorbild. Mit CSU-Mann Markus Söder und JU-Chef Philipp Mißfelder forderte er 2007 per Grundsatzpapier die Renaissance des Konservativismus. Und den Christopher Street Day geißelte er als "abstoßend".
Dann die Wende: Seit Regierungsantritt erlebt das Land einen anderen Stefan Mappus. "Ich bitte darum, ein paar Schemata über meine Person zu relativieren", sagt der Neue. Immer wieder betont er nun neben der konservativen auch die liberale und soziale Wurzel der Union.
Ähnlich sieht es bei McAllister aus: Als konservativ, "aber sehr angegrünt" hat sich McAllister selbst einmal beschrieben. Das sagt viel aus. Im Streit um die Atompolitik liegt der Niedersachse auf einer Linie mit Mappus-Feind Röttgen, die Integrationspolitik steht ganz oben auf seiner persönlichen Agenda, und in der Schulpolitik ist er für Experimente aufgeschlossen.
Konservative Hoffnungsträger
Die vermeintlichen Hoffnungsträger des CDU-Traditionsflügels, die mitten in der modernisierten Merkel-CDU die klassischen Werte der Partei hochhalten, sind also nicht so schwarz, wie sich das mancher vorstellt oder wünscht. Sie sind vor allem eines: flexibel. "Ich suche immer nach pragmatischen Lösungen", sagt McAllister gern - und klingt fast wie Angela Merkel.
Für Mappus könnten sich Offenheit und Pragmatismus bald als überlebenswichtig erweisen. Im März hat er Landtagswahlen zu bestehen. Schwarz-Gelb aber schwächelt in den Umfragen, die Grünen sind stark wie nie. Nicht ausgeschlossen, dass Mappus die Ökopartei statt der FDP als Koalitionspartner braucht. Das Image vom Grünen-Fresser hat er schon längst abgestreift und einen guten Draht zum grünen Spitzenpersonal etabliert.
Daran hindert ihn auch sein scharfer Atomkurs nicht. Denn: Das leidige Laufzeiten-Thema will die Bundesregierung im Herbst endgültig geregelt haben. Damit ist es aus dem Weg, wenn es ein paar Monate später um die Macht im Südwesten geht. Den Druck einer bevorstehenden Wahl hat McAllister derweil noch nicht. In Niedersachsen steht der nächste Urnengang erst Ende 2012 an.
Für beide aber gilt: Sie haben ihre Ämter nur geerbt, schneller als gedacht. Beide brauchen noch die Legitimation vom Wähler. Glückt dies, können sie das nächste Erbe in den Blick nehmen: jenes von Angela Merkel.
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Fein aufgesagt! Das Jobwunder, das keines ist: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725853,00.html Die Abstände zwischen den Jubelmeldungen werden immer kürzer. Wie schlimm muss es da um die Regierung stehen! [...] mehr...
Also, ich muss schon sagen Morotti, ich bin ja schon wegen eines fehlenden b's hier kürzlich "gemobt" worden, aber ihr Satzbau ist auch abenteuerlich. Abgesehen davon gab es Flaschenpfand auch schon vor der Ära Merkel [...] mehr...
Da kann man nichts mehr ändern, die haben jetzt langsam alles versiebt. Man kann nur hoffen, dass ein konstruktives Misstrauensvotum dem Trauerspiel ein Ende setzt oder dass sich die Koalition bis zu den nächsten Wahlen nicht [...] mehr...
Der "Wüstenfuchs" ist tot. Hören Sie doch endlich auf, dem Einsatz im Irak hinterher zu trauern. mehr...
...und das ist gut so. Denn dort wo es den Mindestlohn gibt, ist die wirtschaftliche Erholung noch weit zurück und einzig die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau. Vor allem die Jungen leiden unter Drittweltarbeitslosigkeit - [...] mehr...
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