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30.07.2010
 

Rücktrittsforderungen

Genossen schießen gegen Linken-Chef Ernst

Linken-Vorsitzender Ernst: Gegenwind aus Kreisverbänden in baden-WürttembergZur Großansicht
dpa

Linken-Vorsitzender Ernst: Gegenwind aus Kreisverbänden in baden-Württemberg

Klaus Ernst sieht sich heftiger Kritik aus den eigenen Reihen ausgesetzt: Zwei Kreisverbände fordern den Rücktritt des Linken-Chefs. Zudem soll die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen der unrechtmäßigen Abrechnung von Reisekosten ausgeweitet haben.

Berlin - Angesichts der Reisekosten-Vorwürfe gegen Linken-Parteichef Klaus Ernst sind Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei laut geworden. Dem am Samstag tagenden Landesausschuss der Linken in Baden-Württemberg liegt ein entsprechender Antrag vor. Dem Antrag werden aber von der Landespartei nur wenig Chancen eingeräumt.

Die Zeitung "Die Welt" hatte vorab von dem Antrag berichtet. Dieser wurde von Vertretern der Kreisverbände Ravensburg und Sigmaringen gestellt. Darin wird verlangt, Ernst zum sofortigen Rücktritt vom Parteivorsitz aufzufordern. Zur Begründung heißt es dem Bericht zufolge in dem Antrag, die jüngst "bekannt gewordenen und eingeräumten Verhaltensweisen des Genossen Klaus Ernst" seien eine Belastung für die Partei. Im Vorfeld des schwierigen Landtagswahlkampfs im kommenden Frühjahr liefere nun ausgerechnet der Vorsitzende "die Munition für die 'Sturmgeschütze' unserer Gegner".

Der Landesausschuss ist das höchste Gremium zwischen zwei Parteitagen. Ein Sprecher des Landesverbands wies den Antrag als "Einzelmeinung" zurück. Er habe "überhaupt keine Chance" durchzukommen.

Unterdessen weitete der "Welt" zufolge die Berliner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Ernst aus. Inzwischen würden fünf Flugreisen des Bundestagsabgeordneten zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen daraufhin überprüft, ob deren Kosten unrechtmäßig beim Bundestag abgerechnet worden seien, hieß es. Bisher bestand gegen Ernst bei Abrechnungen von drei Reisen ein Anfangsverdacht auf Untreue und Betrug. Ernst hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Ein Bericht des SPIEGEL hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Interne Unterlagen und Aussagen von Insidern hatten darauf hingedeutet, dass Ernst in zahlreichen Fällen seine Flüge als Gewerkschaftsmann oder Aufsichtsrat dem Steuerzahler in Rechnung gestellt haben könnte.

Der SPIEGEL hatte folgende Fälle genannt:

  • 13. Dezember 2007: Am Nachmittag des 12. Dezember hatte Ernst im Bundestag gegen die Managergehälter gepoltert. Am Morgen darauf ließ er sich von der Fahrbereitschaft des Bundestags zum Flughafen Tegel bringen. Abflug um 8.40 Uhr nach Frankfurt am Main. Um 10.15 Uhr begann die Aufsichtsratssitzung der SKF GmbH im Raum "Rom" im Airportclub des Airport Conference Center. Am Nachmittag ging es mit dem Flieger zurück nach Berlin.
  • 17. März 2009: Ernst musste auch an diesem Tag von Berlin nach Frankfurt am Main. Im dritten Stock der IG-Metall-Zentrale trafen sich Gewerkschaftsfunktionäre, Ernst war offenbar dabei, als die "gewerkschaftliche Situation" debattiert wurde. Am Abend ging es zurück in die Hauptstadt. Dort stand wichtige Parteiarbeit an: Parteichef Lothar Bisky hatte zu einer vertraulichen Runde ins Lokal "Habel Weinkultur" gebeten.
  • 8. September 2009: Ernst trat im Wahlkampf in Niedersachsen auf, er übernachtete danach in Hamburg. Am nächsten Morgen musste er früh raus, um 8.25 Uhr flog er mit Intersky nach Friedrichshafen. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum kam der Aufsichtsrat der Sachs AG zusammen, Ernst flog gegen 18 Uhr wieder Richtung Berlin. Dort war ein Termin, zu dem sich der Bayer angemeldet hatte: die Eröffnung des Oktoberfestes vor dem Roten Rathaus mit allerlei Prominenz.

wit/AFP

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insgesamt 8 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.08.2010 von Rainer Daeschler: Alles im Dienst des Volkes

Könnte aber auch ein Parlaments-Kollege egal welcher Partei sein, der das genau so sieht, nur in dieser Hinsicht noch nicht aufgefallen ist. Da sitzen weit aus mehr Abgeordnete, welche die Ansicht vertreten, als Abgeordneter [...] mehr...

01.08.2010 von Tobermory: Maßstäbe.

Stimmt ja alles. Wollen wir wetten? Gleich taucht einer der Apologeten von "Ernst" auf und erklärt uns wortreich, dass das alles im Vergleich zu Pfandbons und Afghanistan eine Petitesse ist. mehr...

01.08.2010 von Klapperschlange: 16.000

Die sollten ihn belassen. Ich freue mich immer wieder, wenn er bei Talk-Shows dünnlippig immer die gleichen Sprüche losläßt. Die Fragen werden meist nicht beantwortet, dafür die Forderungen nach Enteignung von Banken, Erhöhung [...] mehr...

31.07.2010 von unente: Schuldig bei Verdacht!

Noch so ein Fall, wo die Staatsanwaltschaft noch während der eigenen Untersuchungen für Vorverurteilung in den Medien sorgt. Wenn sich später alles als rechtmäßig herausstellen sollte, ist der angerichtete Schaden nicht mehr [...] mehr...

31.07.2010 von Rainer Daeschler: Grandios dämlich

---Zitat--- Ernst hatte gegenüber dem SPIEGEL (21/2010) die Abrechnung solcher Flüge beim Bundestag ausdrücklich gerechtfertigt. In den genannten Gremien wirke er "nicht nur als Gewerkschafter, sondern ebenfalls als [...] mehr...

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