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01.08.2010
 

Love-Parade-Tragödie

Wulff legt Duisburger OB Rücktritt nahe

Love-Parade-Tragödie: Trauer im Ruhrgebiet
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DDP

Der Druck auf den Duisburger Oberbürgermeister wächst: Bundespräsident Wulff erinnerte Adolf Sauerland an die politische Verantwortung für die Love-Parade-Katastrophe - der CDU-Politiker müsse "genau abwägen".

Hamburg - "Steht endlich alle zu dem was ihr unterlassen habt und erspart den Angehörigen diese Farce" - so ist es auf einem Plakat vor dem Duisburger Rathaus zu lesen, und nach der Love-Parade-Katastrophe mit 21 Toten ahnt in der Stadt wohl jeder, wem diese Worte vor allem gelten: Adolf Sauerland, dem Duisburger Oberbürgermeister.

Selbst Parteifreunde aus der CDU haben Sauerland zum Rücktritt aufgefordert, aber der Oberbürgermeister hat einen entsprechenden Schritt mehrfach abgelehnt. Er wolle sich nach der Katastrophe an der Aufklärungsarbeit beteiligen, sagte er jüngst dem TV-Sender N24. "Und das kann ich nur, wenn ich im Amt bleibe." Gäbe er auf, dann wären alle Akten für ihn geschlossen. "Ich will Antworten haben, und werde dann auch Konsequenzen für mich und mein Handeln ziehen".

Mit Solidaritätsadressen kann Sauerland kaum rechnen. Im Gegenteil, eher wächst der Druck auf den 55-Jährigen, politische Konsequenzen zu ziehen. Jetzt hat sich auch Bundespräsident Christian Wulff zu dem Fall geäußert - und Wulffs Worte lesen sich wie eine indirekte Rücktrittsforderung: "Zwar hat jeder als unschuldig zu gelten, dessen Schuld nicht erwiesen ist. Doch unabhängig von konkreter persönlicher Schuld gibt es auch eine politische Verantwortung. Das alles wird der Oberbürgermeister genau abwägen müssen", sagte Wulff über Sauerland in einem "Bild am Sonntag"-Interview. Auf die Frage, ob er einen Rat für Sauerland habe, antwortete Wulff: "Den würde ich ihm nur geben, wenn er mich darum bitten würde - und dann unter vier Augen."

Sauerland wird vorgeworfen, Warnungen von Polizei und Feuerwehr ignoriert zu haben. Sauerland bestreitet dies. In Berichten hieß es zuletzt, Sauerland sei zum Rückzug bereit: Er wolle aber keinen schnellen Rücktritt, sondern wolle sich in einem geordneten Verfahren gemäß der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung abwählen lassen - dies wäre für Sauerland mit finanziellen Vorteilen gegenüber einem schnellen Rücktritt verbunden.

Wulff sagte in dem Interview, dass er seiner 16-jährigen Tochter Annalena sofort eine SMS geschickt habe, als er von dem Unglück in Duisburg erfuhr - um zu erfahren, ob sie möglicherweise auch zur Love-Parade gefahren sei. Sie war aber zu Hause geblieben. Er habe später erfahren, "dass ein guter Freund meines Neffen unter den Toten ist", sagte Wulff. "Alle jungen Leute werden noch lange brauchen, das Geschehene zu verarbeiten", sagte Wulff. Auch für deren Eltern bestünde "die Gefahr traumatischer Erinnerungen und Erfahrungen".

Der Bundespräsident regte zur Aufarbeitung der Love-Parade-Katastrophe die Einsetzung eines Ombudsmanns und die Einrichtung eines Hilfsfonds an. Wulff verwies auf seine Erfahrungen im Umgang mit Katastrophen während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident: "Am Tag des Transrapid-Unglücks haben wir in Niedersachsen einen Hilfsfonds eingerichtet und zu Spenden aufgerufen. 750.000 Euro kamen zusammen, mit denen schnell und unbürokratisch auch in solchen Fällen geholfen wurde, wo Versicherungen und andere nicht helfen können", sagte er. Ein Ombudsmann habe damals die Interessen der Hinterbliebenen gegenüber Versicherungen, Amts-Dienststellen und Anwälten vertreten.

"Über beides könnte man auch für die Opfer der Love-Parade-Katastrophe nachdenken", sagte der Bundespräsident. Er forderte dazu auf, "organisatorische Konsequenzen" aus der Katastrophe zu ziehen: "In Zukunft muss sichergestellt sein, dass Kinder und Jugendliche bedenkenlos zu Großveranstaltungen fahren können." Wulff fügte hinzu: "Dazu gehört, dass die Verantwortlichen insbesondere das Internet als Frühwarnsystem nutzen. In Internetforen wurde schon früh vor einer Katastrophe mit Toten gewarnt."

In Duisburg hatten am Samstag Angehörige, Rettungskräfte und Spitzenpolitiker der 21 Todesopfer der Love Parade gedacht. An der Trauerfeier nahmen neben Wulff auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) teil.

hen/dpa/Reuters

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Die neuesten Beiträge:
13.09.2010 von turo:

Ich stimme Ihnen zu. Bei einer gut geplanten Veranstaltung haben die Verantwortlichen dem besonderen Verhalten dieses Klientel Rechnung zu tragen. Sie haben leider versagt. Aber das wollen die "Polizeihasser" in [...] mehr...

13.09.2010 von Skepticmind:

Sie haben leider immer noch nicht begriffen (oder wollen es nicht) wie und wodurch GENAU es zu den 21 Toten und über 500 Verletzten kam. mehr...

13.09.2010 von olfma: ...

Die jetzige Politiker-Generation ist da völlig schmerzfrei. Es gilt, heute die Interessen der eigenen Klientel auf Kosten der Allgemeinheit durchzusetzen. Sollte man dann doch mal unerwartet vom Wähler abgestraft werden oder [...] mehr...

13.09.2010 von Indigo76: Mir ziehts die Schuhe aus

Wenn ich ehrlich schreiben würde, was ich von diesem Schwachsinn halte, würde der Kommentar bestimmt nicht zugelassen werden. Merkst du noch, was du schreibst? Da ist es nur noch ein winziger Schritt hin zu: Warum ziehen Frauen [...] mehr...

13.09.2010 von achmed1: Man darf nur hoffern...

dass solchen Politiker, ähnlich wie Rüttgers im Mai diueses Jahres, eine deutliche Abfuhr erteilt wird. Wie seit Jahren schon interessiert die politische Clique, besonders die der CDU, nur noch das mitzunehmende Geld. Über [...] mehr...

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Die Love Parade

Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

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