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09.08.2010
 

Gefährliche Straftäter

Unionspolitiker blitzen mit Pranger-Vorstoß ab

Minister de Maizière und Leutheusser-Schnarrenberger: "Kein gangbarer Weg"Zur Großansicht
DDP

Minister de Maizière und Leutheusser-Schnarrenberger: "Kein gangbarer Weg"

Wegsperren, überwachen oder gar an den Pranger stellen? Der Umgang mit entlassenen Schwerverbrechern sorgt in der Regierung für Streit. Unionspolitiker wollen im Internet mit Fotos und Anschrift vor Sexualtätern warnen. Doch Justiz- und Innenministerium wehren ab.

Berlin - Dieser Vorschlag sorgt für neuen Zündstoff in der Regierungskoalition: Unionspolitiker haben für entlassene Schwerverbrecher eine Art Internet-Pranger gefordert. Bürger sollen so die Aufenthaltsorte von bestimmten Sexualstraftätern herausfinden können. Doch das FDP-geführte Justizministerium wies den Vorschlag umgehend zurück.

Seit Monaten streiten FDP und Union über die Neuregelung der Sicherungsverwahrung. Der Vorschlag der Veröffentlichung von Daten im Internet war bereits vor drei Jahren nach dem Mord an dem neunjährigen Mitja aus Leipzig im Gespräch. Nun hat der CDU-Innenexperte Reinhard Grindel erneut einen Vorstoß unternommen. Er will Sexualstraftäter mit Namen, Anschrift und Foto ins Netz stellen. Es müsse rechtlich geprüft werden, ob diese Daten auf Polizei-Web-Seiten veröffentlicht werden könnten, sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Auch der CSU-Politiker Norbert Geis machte einen ähnlichen Vorschlag. Zusätzlich zur Sicherungsverwahrung müsse darüber nachgedacht werden, die Bevölkerung besser zu schützen, sagte Geis der "Bild"-Zeitung. "Dazu kann auch ein Hinweis im Internet über den Wohnort von gefährlichen und noch immer frei herumlaufenden Sexverbrechern zählen."

Die Regierung jedoch erteilte solchen Forderungen umgehend eine Absage. "Aus unserer Sicht ist das kein gangbarer Weg", sagte ein Sprecher von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am Montag. Es gehe darum, vernünftige Lösungen zu finden und nicht die Ängste der Bürger zu schüren.

Nach einer ersten Einschätzung des Ministeriums wäre ein solcher Internet-Pranger für Triebtäter auch verfassungsrechtlich problematisch. Das Ressort von CDU-Innenminister Thomas de Maizière lehnte den Vorschlag ebenfalls ab.

Datenschützer nennt Vorschlag "nicht zu Ende gedacht"

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar wertete die Idee als unausgegoren. "Das ist nicht zu Ende gedacht", sagte eine Sprecherin. "Es widerspricht erstens dem Resozialisierungsgedanken, zweitens wirft es die Frage nach dem Schutz der im Internet veröffentlichten Straftäter auf."

Ein Internet-Pranger sei rechtswidrig, meinte auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg. Die Polizei würde dadurch zudem vor unlösbare Aufgaben gestellt, da sie dann auch noch entlassene Straftäter vor "unabsehbaren Reaktionen aus der Bevölkerung" schützen müsse. Womöglich bekomme man es noch mit Lynchjustiz zu tun.

Die Linken-Abgeordnete Petra Pau nannte die Forderung der Unionspolitiker "rechtswidrig". "Der Pranger stammt aus dem Mittelalter, der aktuelle Unionsvorschlag auch", sagte sie.

Fußfessel-Vorschlag sorgt für Streit

Etwa 80 Schwerkriminelle müssen demnächst aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) das nachträgliche Wegsperren als Verlängerung ihrer Haftstrafe bewertet hatte.

Die Frage nach Umgang mit Schwerverbrechern, die auch nach ihrer Entlassung als gefährlich gelten, sorgt deshalb für Zoff in der Koalition. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger plädierte für elektronische Fußfesseln zur Überwachung, weil sie eine nachträglich angeordnete Sicherungsverwahrung ablehnt.

Eine solche Fußfessel erstelle nur "ein reines Bewegungsprofil", kritisierte CDU-Politiker Grindel. Bund und Länder müssten aber eine einheitliche Linie verfolgen, "sonst ziehen die Leute einfach um".

mmq/dpa/apn/AFP

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insgesamt 39 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.08.2010 von rabenkrähe: Nur Politiker

...... Ich finde, es reicht völlig, wenn schlechte Politiker, die deswegen ja gemeingefährlich sind, im INett angeprangert werden. rabenkrähe mehr...

13.08.2010 von melamber: geschichtlich

Bei allem Verständnis für dieses schwierige Thema fällt es mir doch schwer mittlerweile bei den Äußerungen ruhig zu bleiben. Ich möchte freundlicherweise die Leserschaft mal daran erinnern, das wir so was wie den Pranger schon [...] mehr...

11.08.2010 von husker: The trend is your friend (?)

Menschenrechte scheinen anscheinend out zu sein, Lynchjustiz ist wieder in. Wer ein bisschen rumkommt, und hier und dort in Firmen und auf Baustellen Mäuschen spielt und mithört, was die Leute gerne mit den Schwerverbrechern [...] mehr...

11.08.2010 von Musstika: Was sind Gefährliche Straftäter ?! Definiere....

Als erstes muss man erstaml definieren was genau ein "Gefährlicher Straftäter " ist.Mit Sicherheit kann man da wohl Personen die Straftaten gegen die Sexuelle Selbstbestimmung begehen zählen.Aber da kommt schon die erste [...] mehr...

10.08.2010 von Caroline: Menschenwürde

Ich bitte um Verzeihung, daß ich mich falsch ausgedrückt habe. Das ist ganz selbstverständlich - ich habe mich doch gerade für die Menschenwürde Kranker eingesetzt, wie nachzulesen ist. Mit "jeder andere, gesunde" habe [...] mehr...

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Nachträgliche Sicherungsverwahrung

Bei der Sicherungsverwahrung wird ein Straftäter über das Ende seiner Strafhaft hinaus, aufgrund entsprechender Anordnung im Urteil, wegen seiner besonderen Gefährlichkeit in Haft gehalten. Bei der nachträglichen Sicherungsverwahrung stellt sich die besondere Gefährlichkeit erst während der Haft heraus. Dann soll die Sicherungsverwahrung aufgrund qualifizierter Prognoseentscheidungen auch noch im Nachhinein angeordnet werden können. Die nachträgliche Sicherungsverwahrung wurde 2004 zunächst für nach Erwachsenenstrafrecht verurteilte Täter, seit 2008 auch für Jugendliche und nach Jugendstrafrecht verurteilte Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) eingeführt.

Streitpunkte von Schwarz-Gelb

Sparpaket

dpa
Bis 2014 wollen Union und FDP im Bundeshaushalt 81,6 Milliarden Euro einsparen, vor allem bei Arbeitslosen, Familien und im Öffentlichen Dienst. Auch die Wirtschaft soll zur Kasse gebeten werden. Aus der Union gibt es aber Forderungen, Spitzenverdiener stärker zu belasten, weil das Paket zu unsozial sei.

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