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12.08.2010
 

Rente mit 67

IG Metall setzt SPD unter Druck

Rentner: Grüne warnen vor "Verlängerung der Lebensarbeitslosigkeit"Zur Großansicht
dpa

Rentner: Grüne warnen vor "Verlängerung der Lebensarbeitslosigkeit"

Opposition und Gewerkschaften fordern ein klares Nein zur Rente mit 67. Die IG Metall erhöhte den Druck auf die SPD: Die Sozialdemokraten müssten sich definitiv von diesem Modell verabschieden, das sie noch als Regierungspartei beschlossen hatte. Die Arbeitgeber warnen dagegen vor einer Rücknahme.

Berlin - Die IG Metall fordert die SPD auf, sich endgültig von der Rente mit 67 zu verabschieden. "Es ist gut, wenn es Bewegung in der Debatte gibt, wir brauchen aber keine Scheinlösungen, sondern ohne Wenn und Aber ein Nein zur Rente mit 67", sagte Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, der "Welt". Er forderte die Bundesregierung auf, die im Gesetz vorgesehene Überprüfung der Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitnehmer ernst zu nehmen. Noch seien die Beschäftigungsquoten Älterer "miserabel".

Nach geltender Rechtslage wird das Rentenalter zwischen 2012 und 2029 in monatlichen Schritten von derzeit 65 auf 67 Jahre angehoben. Die SPD-Spitze hat sich dafür ausgesprochen, die Einführung der Rente mit 67 vorübergehend auszusetzen. Sie solle erst dann kommen, wenn deutlich mehr ältere Arbeitnehmer als heute in Beschäftigung sind. Grundsätzlich befürwortet die SPD aber nach wie vor die schrittweise Anhebung der Altersgrenze, die sie in der Großen Koalition mitbeschlossen hatte.

Auch die Grünen-Spitze zweifelt an der Rente mit 67. Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin forderte im "Tagesspiegel" eine "Garantierente für alle, die dem Arbeitsmarkt 33 Jahre zur Verfügung gestanden haben". Grund für seinen Vorstoß sei, dass "die Beschäftigung der Älteren nicht in dem Maß zunimmt, wie es als Voraussetzung der Rente mit 67 vorgesehen war". Wenn die Zusage, mehr Ältere in Beschäftigung zu bringen, nicht erfüllt werden könne, laufe die Rente mit 67 "bloß auf eine Verlängerung der Lebensarbeitslosigkeit raus".

Die Rente mit 67 sei grundsätzlich falsch, sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, weil sie für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Rentenkürzung bedeute. Die von der SPD vorgeschlagene Aussetzung der Rente mit 67 "ist zwar richtig, aber reicht nicht aus".

Alles zur Rente ab 67

So steigt das Rentenalter

Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.

Das sind die Ausnahmen

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Gysi forderte SPD und Grüne zu Gesprächen über die Sozial- und Rentenpolitik auf. "Wir sollten anfangen, über diese Dinge gemeinsam nachzudenken", sagte Gysi der "Saarbrücker Zeitung". "Nicht im Sinne von Koalitionsgesprächen, darum geht es jetzt nicht. Es geht darum, Alternativen zur herrschenden Politik zu formulieren."

Gysi sprach sich für das Konzept einer Bürgerversicherung aus, bei der Einkommen aus Vermögen oder Mieteinnahmen einbezogen werden sollen, ebenso selbständige Einnahmen. Zudem solle die Beitragsbemessungsgrenze schrittweise aufgehoben werden. Auf diese Weise lasse sich auch weiterhin eine Rente ab 65 Jahren finanzieren.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte dagegen eindringlich vor einer Rücknahme der Rente mit 67. Die Überlegungen verfolge er "mit großer Sorge", sagte Hundt dem "Hamburger Abendblatt". "Es führt kein Weg daran vorbei, bei steigender Lebenserwartung das Renteneintrittsalter nach oben zu verändern." Wenn die Rente mit 67 gekippt werde, "sind gewaltige Beitragserhöhungen zu erwarten - mit schweren Belastungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung".

Hundt verwies auf die seiner Meinung nach wachsenden Berufschancen älterer Arbeitnehmer. "Für Ältere gibt es immer mehr Jobs." Im Jahr 2000 seien von den 55- bis 64-Jährigen 37 Prozent beschäftigt gewesen, heute seien es 57 Prozent. "Wir sind in Zukunft auf die Mitarbeit, die Erfahrung und die Qualifikation Älterer sehr angewiesen."

Wirtschaftsexperten fordern Rente mit 70

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Rente mit 67 als "fatale Fehlentscheidung" und rief die Bundesregierung zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme bei der Beschäftigungssituation von Älteren auf. Bei der fälligen Überprüfung der Rentenregelung bis Jahresende dürfe sich die Regierung nicht nur auf einige symbolische Zahlen stützen, die ihr gerade ins Kalkül passten, sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in der "Braunschweiger Zeitung".

Mehrere Wirtschaftsexperten fordern indessen erneut die Rente mit 70. "Wenn der Beitragssatz annähernd auf dem aktuellen Niveau gehalten werden soll, führt kein Weg an einer Anhebung des Renteneintrittsalters langfristig bis auf 70 Jahre vorbei", sagte Rentenexperte Alfred Boss vom Kieler Institut für Weltwirtschaft der "Bild"-Zeitung. Professor Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnte: "Das System droht zu kippen. Wenn die Rentenbeiträge nicht steigen und die Renten nicht gekürzt werden sollen, müssen wir bis mindestens 70 arbeiten. Ansonsten kann der Staat nur noch eine kleine Standardrente finanzieren." Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, betonte: "Der zunehmende Fachkräftemangel macht die Verlängerung der Lebensarbeitszeit notwendig. Gerade in Zeiten, in denen es immer weniger junge Erwerbstätige geben wird, können wir in den Betrieben nicht auf die Erfahrung und das Wissen der Älteren verzichten."

Tatsächlich schaffe es noch immer nur jeder Zehnte, aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in die Rente mit 65 zu gehen. Wer genau hinsehe, "kommt notwendigerweise zu der politischen Schlussfolgerung, dass die Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters nicht vertretbar ist". Buntenbach mahnte, Arbeitsministerium und Parlament stünden jetzt in der Verantwortung: "Am Ende müssen sie entscheiden, ob so viele Menschen mit massiven Rentenkürzungen für diese falsche Politik bezahlen müssen."

als/ddp/AFP/Reuters/dpa

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18.05.2011 von karl-felix: In dieser Frage tendiere ich

dazu XM Recht zu geben. Ich erinnere mich an ein Gespräch zwischen Helmut Schmidt und Frau Maischberger in dem Herr Schmidt sinngemäß sagte: Was heißt Pressefreiheit? Pressefreiheit ist das Recht von 100 Leuten auf dieser Welt [...] mehr...

17.05.2011 von Berg:

Also, für die "vielen", die "gar nicht können", ist doch das ALG und Hartz4 eingerichtet worden. *Ohne* ALG und Hartz4 wären diese Leute tatsächlich arm. mehr...

17.05.2011 von Epoporp: Quelle der Weisheit

Wenn sie mit der Bewusstseinindustrie u.a. den SPIEGEL meinen, dann haben Sie teilweise Recht. Da steht zwar nicht, dass die Alten die Jungen ausnutzen, aber dass das System so nicht mehr funktioniert. Wenn Sie natürlich meinen, [...] mehr...

17.05.2011 von Madir: ...

Doch sie hatten da so einige Beispiele bei den vielen neuen Berufsfeldern die man mit Mitte 50++ anstreben kann. Fakt ist aber das es diese ganzen offenen Stellen nicht gibt und viele das gar nicht können werden. Klar kann [...] mehr...

17.05.2011 von matthias schwalbe:

Und immer wieder falsch Berg: "Muss es lassen!" Sie lernen ja noch nicht mal im hohem Alter dazu... mehr...

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Rentengarantie

ddp
Die Rentengarantie wurde 2009 von der Großen Koalition beschlossen. Die Schutzklausel sieht vor, dass Rentenkürzungen in wirtschaftlich schwachen Zeiten ausgeschlossen sind. Mit der gesetzlichen Garantie wird sichergestellt, dass die Renten in Deutschland auch dann stabil bleiben, wenn die Löhne sinken sollten. Rentner werden somit vor sinkenden Altersbezügen geschützt.

Die damalige Bundesregierung hatte für 2010 und die Folgejahre keine Lohnsenkungen erwartet. Die Rentengarantie war daher eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das Gesetz war eine Reaktion auf eine Debatte über mögliche Rentenkürzungen im Jahr 2010.

Die Berechnung der Rentensteigerung

Lohn der Arbeitnehmer

Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.

Riester-Faktor

Nachhaltigkeitsfaktor

Rentengarantie


Die Säulen des Sozialsystems

Arbeitslosenversicherung

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.

Krankenversicherung

Rentenversicherung

Pflegeversicherung

Alles zur Rente ab 67

So steigt das Rentenalter

Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.

Das sind die Ausnahmen

So viele Abschläge zahlen Sie

Das ändert sich bei der Witwenrente

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Das ändert sich für Schwerbehinderte

Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten





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