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12.08.2010
 

Videobotschaft

Deutscher Dschihadist meldet sich aus Waziristan

Von Yassin Musharbash

Terrorpropaganda: Erbauungsrede an die Neuzugänge
Fotos

Der Bonner Extremist Mounir C. hat für die militante Islamische Bewegung Usbekistans ein neues Propagandavideo aufgenommen. Darin brüstet er sich damit, dass neue Rekruten aus Deutschland im Kampfgebiet angekommen seien. Tatsächlich ist die IBU in Schwierigkeiten.

Berlin - Die militante Islamische Bewegung Usbekistans (IBU) behauptet in einem aktuellen Propagandavideo, dass neue Rekruten aus Deutschland bei ihr im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet eingetroffen seien. Belege dafür werden in dem 39 Minuten langen Video allerdings nicht geliefert.

Das Video, das am späten Mittwochabend auf der Website der IBU veröffentlicht wurde und das SPIEGEL ONLINE vorliegt, besteht im Wesentlichen aus einer "Willkommensrede" des Bonner Dschihadisten Mounir C. alias "Abu Adam" an die angeblichen Neuzugänge. Nur kurz sind neben ihm selbst drei weitere - zum Teil unkenntliche - Personen zu sehen. Ob sie aus Deutschland stammen und wer sie sind, wird nicht preisgegeben. Das Band wird im Abspann auf Juni 2010 datiert.

"Es freut mich, unter euch neue Gesichter zu sehen", erklärt Mounir C. in dem Video. "Herzlich Willkommen auf dem Boden der Ehre." In der folgenden Erbauungsrede spricht der Rheinländer vor allem über die Erschwernisse der Reise in das Kampfgebiet und den mutmaßlichen Lohn dafür: Der militante Kampf sei eine "Abkürzung ins Paradies". Deshalb hätten sie alle das Leben in Deutschland aufgegeben, wo "täglich unsere Herzen befleckt" worden seien.

In seiner Rede greift C. eine ganze Reihe typisch dschihadistischer Propaganda-Elemente auf, als Ziel benennt er etwa die Befreiung Jerusalems und die Errichtung eines "islamischen Staates". Die Ansprache fügt sich somit in sattsam bekannte Muster von Reden, deren Sinn vor allem darin besteht, weitere Nachahmer zu rekrutieren.

IBU in Bedrängnis

Die Authentizität des Videos konnte nicht unmittelbar unabhängig bestätigt werden - alle äußeren Anzeichen sprechen aber dafür: so etwa der Fundort, der Inhalt, die Stimme des Sprechers und sein Aussehen. Mounir C. ist bereits in mehreren Propagandavideos der IBU aufgetreten.

Die IBU ist eine ursprünglich usbekische Organisation, die aber ihr Operationsgebiet schon vor Jahren ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet verlegt hat. Ihre Kämpfer werden insgesamt auf mehrere hundert bis tausend geschätzt. Sicher ist, dass sie an verschiedenen Fronten kämpfen. So haben IBU-Kämpfer sich Gefechte mit pakistanischen Soldaten geliefert, aber auch Nato-Konvois attackiert. Auch bei einem Anschlag auf Bundeswehrsoldaten in Nordafghanistan hat die IBU mutmaßlich mitgewirkt.

Die IBU kooperiert dabei mit verschiedenen einflussreichen lokalen Netzwerken. Im Laufe des vergangenen Jahres ist sie allerdings immer wieder in Bedrängnis geraten, zum Beispiel bei Operationen der pakistanischen Armee oder durch den Beschuss ihrer Lager mit CIA-Drohnen.

Seit Monaten wird darüber spekuliert, dass der Anführer der IBU, der Usbeke Tahir Joldaschew, bei einem solchen Luftschlag getötet wurde. Die IBU dementiert dies und veröffentlicht regelmäßig Propagandavideos, in denen der untersetzte bärtige Mann auftritt und Reden hält oder Kämpfer züchtigt. Allerdings sind diese Aufnahmen nicht zu datieren.

Rückkehrgedanken unter deutschen Rekruten?

Bei der IBU halten sich unterdessen auch mehrere Rekruten aus Deutschland auf. Neben Mounir C. unter anderem sein Bruder Yassin. Ein weiterer aus Deutschland angereister IBU-Kämpfer, der sich "Abu Safiyya" nannte, kam bei einem Gefecht mit der pakistanischen Armee im vergangenen Herbst ums Leben. Einige der deutschen IBU-Kader verkehrten mutmaßlich in der kürzlich geschlossenen Taiba-Moschee in Hamburg.

Insgesamt gehen deutsche Sicherheitsbehörden davon aus, dass sich derzeit Dutzende deutscher Dschihadisten bei verschiedenen extremistischen und militanten Gruppierungen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhalten. Unter anderem finden sie sich bei der Islamischen Dschihad Union (IJU), bei al-Qaida und bei den "Deutschen Taliban Mudschahidin", einer IJU-Abspaltung, die nach eigenen Angaben unter dem Kommando der afghanischen Taliban operiert.

Allerdings scheinen nicht alle dieser deutschen Kämpfer mit ihrer Lage zufrieden zu sein. Es mehren sich Hinweise, dass einige Rückkehrgedanken haben.

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12.08.2010 von seine_unermesslichkeit: ...

Stimmt! Und Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist ein Fachmann auf dem Gebiet: http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland-sagen-sie-mal-irenaeus-eibl-eibesfeldt---_aid_158854.html mehr...

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Terrorpropaganda gegen Deutschland

Al-Qaida

Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.

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