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14.08.2010
 

SPD

Altkanzler Schröder für Rente mit 67

Altkanzler Schröder: "Arbeite ungeheuer privilegiert"Zur Großansicht
AP

Altkanzler Schröder: "Arbeite ungeheuer privilegiert"

In der SPD wird heftig um die Rente mit 67 gerungen: Die Genossen wollen den Beschluss am liebsten rückgängig machen. Nun meldet sich der Ex-Parteichef und Ex-Kanzler Gerhard Schröder zu Wort - und warnt vor einer Rolle rückwärts.

Berlin - Er habe es sich abgewöhnt, Tagespolitik zu kommentieren, sagte der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder der "Welt am Sonntag". Und dann tut er es doch. Im Interview mit dem Blatt warnt er seine Partei, die SPD, vor einer Abkehr von der Rente mit 67.

Die Rente mit 67 wurde 2006 von der Großen Koalition unter Mitwirkung von Schröders Weggefährten Franz Müntefering beschlossen. "Und wenn ich gedacht hätte, dass ich falsch liege, hätte ich es nicht gemacht", sagte er der Zeitung. Einschränkend fügte Schröder hinzu, zur Rentendiskussion könne er sich allerdings "eigentlich nicht melden, weil ich natürlich ungeheuer privilegiert arbeite". Schröder, der von 1998 bis 2005 Bundeskanzler war, arbeitet heute in der Privatwirtschaft. Trotzdem, so verriet der Sozialdemokrat der Zeitung, singe er im Urlaub mit seiner Familie im Auto gerne Arbeiterlieder.

Auch die Arbeitgeber warnen die Sozialdemokraten davor, die Reform aufweichen zu wollen. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte der "Welt", die SPD sollte nicht von ihrem eigenen Beschluss abrücken. "Die Fakten, die 2006 für die Rente mit 67 sprachen, haben sich nicht geändert."

Er kritisierte, dass SPD und Gewerkschaften über die geringe Beschäftigung älterer Menschen klagten. "In den vergangenen Jahren wurden ältere Beschäftigte bewusst aus den Betrieben geschickt. Politik und Gewerkschaften haben das lange gefordert Stichwort Rente mit 60. Da kann man sich jetzt schwer hinstellen und beklagen, dass diese Jahrgänge weniger in Beschäftigung sind."

SPD weiter uneins in der Renten-Debatte

Der Berliner Regierungschef Klaus Wowereit sprach sich indes für ein schnelles Abrücken der SPD von der Rente mit 67 aus. Er sagte der "Süddeutschen Zeitung", die pauschale Anhebung des Renteneintrittsalters sei "mathematisch nicht richtig und emotional ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die es schon gesundheitlich nicht bis 67 packen". Weil heute kaum jemand bis 65 Jahre arbeite, sei die Diskussion über die Rente mit 67 eine "Phantomdebatte".

So viel Rente gibt es im Schnitt (in Euro)
Bundesland Männer Frauen
Baden-Württemberg 1055,39 516,05
Bayern 983,41 496,12
Berlin 1039,27 684,06
Brandenburg 1035,67 677,38
Bremen 1044,16 507,53
Hamburg 1069,70 596,02
Hessen 1051,61 493,95
Mecklenburg-Vorpommern 1000,65 652,84
Niedersachsen 1024,05 459,31
Nordrhein-Westfalen 1118,28 457,83
Rheinland-Pfalz 1013,52 429,57
Saarland 1119,18 390,32
Sachsen 1059,04 682,58
Sachsen-Anhalt 1031,79 649,76
Schleswig-Holstein 1017,89 482,99
Thüringen 1030,28 669,74
Bundesdurchschnitt 1049,27 528,23
Quelle: Deutsche Rentenversicherung. Angaben für gesetzl. Altersrenten, Stand: 31.12.2008
Die SPD ringt seit Wochen um einen einheitlichen Kurs in der Rentenfrage, der aber noch nicht erkennbar ist. Nachdem sich Parteichef Sigmar Gabriel für eine Aussetzung starkgemacht hat und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit für eine Rückkehr zur bisherigen Regelung plädiert, schlägt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier einen dritten Weg vor. Eine "denkbare Möglichkeit" sei, den geplanten Beginn der schrittweisen Anhebung des Rentenalters zu verschieben, aber das Enddatum 2029 zu halten. Steinmeier sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei angesichts der demografischen Entwicklung notwendig. Doch dürfe man den Beginn der Einführung der Rente mit 67 nicht losgelöst von der Arbeitsmarktlage betrachten.

In der Union gibt es unterdessen Überlegungen, die Reform zu ändern. Fraktionsvizechefin Ingrid Fischbach sprach sich in der "Passauer Neuen Presse" für flexible Übergänge in den Ruhestand ohne Abschläge aus. "Nicht in allen Branchen werden die Arbeitnehmer bis zum 67. Geburtstag arbeiten können. Wo die körperliche Belastung zu hoch ist, muss es andere Wege geben, um ohne Abschläge in Rente gehen zu können." Nötig seien flexible Lösungen, die aber nicht auf Kosten der Rentenkassen gehen dürften. Der Vorschlag, in guten Zeiten Lohnerhöhungen auf einem Konto anzusparen, um einen früheren Rentenbeginn zu finanzieren, sei nachdenkenswert, wurde Fischbach zitiert.

yas/AP/ddp

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Rentengarantie

ddp
Die Rentengarantie wurde 2009 von der Großen Koalition beschlossen. Die Schutzklausel sieht vor, dass Rentenkürzungen in wirtschaftlich schwachen Zeiten ausgeschlossen sind. Mit der gesetzlichen Garantie wird sichergestellt, dass die Renten in Deutschland auch dann stabil bleiben, wenn die Löhne sinken sollten. Rentner werden somit vor sinkenden Altersbezügen geschützt.

Die damalige Bundesregierung hatte für 2010 und die Folgejahre keine Lohnsenkungen erwartet. Die Rentengarantie war daher eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das Gesetz war eine Reaktion auf eine Debatte über mögliche Rentenkürzungen im Jahr 2010.


Die Berechnung der Rentensteigerung

Lohn der Arbeitnehmer

Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.

Riester-Faktor

Nachhaltigkeitsfaktor

Rentengarantie

Die Säulen des Sozialsystems

Arbeitslosenversicherung

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.

Krankenversicherung

Rentenversicherung

Pflegeversicherung


Alles zur Rente ab 67

So steigt das Rentenalter

Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.

Das sind die Ausnahmen

So viele Abschläge zahlen Sie

Das ändert sich bei der Witwenrente

So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag

Das ändert sich für Schwerbehinderte

Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten





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