Von Katharina Peters und Anna Reimann
Hamburg/Berlin - Wenn die Krankheiten sich ausbreiten, wenn es an Wasser und Essen fehlt, trifft es als erstes die Kinder. Fünf Minderjährige verhungerten im Nordwesten Pakistans, das ist die traurige Nachricht. Hilfsorganisationen befürchten, dass noch viel mehr Kinder sterben könnten in der Flutkatastrophe, die Menschen bräuchten dringend sauberes Trinkwasser, Medikamente, Vitamine.
Er habe schon viele Naturkatastrophen in der ganzen Welt gesehen, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bei seinem Besuch in Pakistan, "aber nichts ist wie das hier". 20 Millionen Menschen sind in Not, bis zu 1600 Menschen Menschen kamen in der Flut ums Leben. Ban flehte geradezu, die Welt müsse ihre Hilfe für das Land aufstocken. Mehrere Milliarden Dollar sind den Vereinten Nationen zufolge nötig, um das Land wieder aufzubauen.
Doch in Deutschland spenden die Bürger bislang vergleichsweise wenig. Die Sender ARD und ZDF wollen nach SPIEGEL-Informationen zudem auf eine Spendengala verzichten. Organisationen wie die Welthungerhilfe und Unicef berichten, dass sie nur zögerlich Gelder von Privatpersonen erhielten. "Die Menschen vor Ort haben das Gefühl, dass sie bisher im Stich gelassen worden sind", berichtet die Welthungerhilfe.
Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Diekmann, erklärt die geringe Spendenbereitschaft damit, dass Pakistan für die Deutschen noch immer ein "fremdes Land" sei. Man plane dort keinen Urlaub. Pakistan stehe für "ein Terroristenrückzugsgebiet, ein fast mittelalterliches Feudalsystem mit Grundherren auf der einen und Armut auf der anderen Seite - und Atomwaffen", sagte sie SPIEGEL ONLINE.
"Es geht nicht darum, die pakistanische Regierung zu sponsoren"
Nur ein bis zwei Millionen Euro sind von privaten Konten eingegangen, schätzt das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen. Im Vergleich zum Erdbeben in Haiti ist das wenig, damals spendeten die Deutschen insgesamt 200 Millionen Euro. "Je mehr Menschen über das Ausmaß der Katastrophe in Pakistan erfahren und sehen, wie viele Kinder betroffen sind, umso mehr werden sie helfen", hofft Unicef-Sprecherin Helga Kuhn.
Natürlich habe Pakistan nicht nur ein "unverdientes Imageproblem" - aber von den Millionen Menschen, die dort von der Flut betroffen seien, würden die meisten selbst unter Extremisten leiden und wollten nichts als Frieden. Der pakistanischen Regierung war vorgeworfen worden, Terroristen im eigenen Land zu tolerieren.
"Ohne große internationale Anstrengungen geht es nicht", sagt Polenz. ZDF und ARD sollten ihre Entscheidung, keine Spendengala zu veranstalten, überdenken - denn auch mit den Mitteln des Fernsehens könnten die Bedenken in Bezug auf Pakistan thematisiert werden und über professionelle Ansprechpartner sowie Hilfsorganisationen aufgeklärt werden. "Es geht ja nicht darum, die pakistanische Regierung zu sponsoren", so Polenz.
Während Millionen Menschen auf Spenden aus dem Ausland hoffen, gibt es erneut schwere Vorwürfe gegen die pakistanische Regierung. Die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" hatte berichtet, dass nach dem schweren Erdbeben vor fünf Jahren im Nordwesten Pakistans umgerechnet 367 Millionen Euro an Hilfsgeldern veruntreut worden seien. Das Blatt berief sich auf "ranghohe Vertreter" der Regierung. Demnach habe Präsident Asif Ali Zardari, der seit September 2008 an der Staatsspitze steht, die Summe in andere Kassen umgeleitet.
Zu wenig Empathie für Pakistan
Doch hier geht es nicht um eine korrupte Staatsführung, "es geht um Menschenleben", sagt die FDP-Politikerin Elke Hoff. Sie ruft die Deutschen "eindringlich zu Spenden für Pakistan auf". Not und Elend sollten kein Anlass dafür sein, um daraus Politik zu machen. "Die pakistanische Bevölkerung kann nichts dafür, dass Extremisten versuchen, die Lage in der Region zu destabilisieren. Eine große Spendenbereitschaft könnte außerdem dafür sorgen, dass das Ansehen des Westens bei der pakistanischen Bevölkerung steigt", so Hoff zu SPIEGEL ONLINE. Die Entscheidung von ARD und ZDF, keine Spendengala zu veranstalten, nennt die FDP-Frau sehr bedauerlich. "Menschliches Leid ist nicht teilbar."
Als "eine humanitäre Katastrophe ohne Gleichen", bezeichnet der Grünen-Politiker Omid Nouripour die Lage in Pakistan. Es sei deshalb längst überfällig, die Aufmerksamkeit dorthin zu lenken. "Das haben Politiker aber auch einige NGOs bisher versäumt. Wir brauchen jeden Cent, es geht darum, dass in Pakistan Kinder verhungern", so Nouripour.
"Man kann die Bevölkerung nicht dafür bestrafen, dass es in Pakistan radikale Organisationen gibt - es geht darum, den Menschen ihre Existenz zu sichern", so der SPD-Mann Sebastian Edathy. Bislang gebe es für Pakistan anscheinend zu wenig Empathie, so Edathy zu SPIEGEL ONLINE.
Die Appelle sind eindringlich - die Hilfe der deutschen Regierung kommt schleppend in Gang. Bereits seit Wochen regnet es in Pakistan, die Pegel der Flüsse schwellen dramatisch an. Eine ausführliche Stellungnahme kam aber erst am Montag von dem neuen Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert: In der Bundespressekonferenz war Pakistan das erste Thema. Die Kanzlerin sei sehr besorgt über die Lage in dem Land, so Seibert. Er kündigte eine Aufstockung der Hilfe auf 15 Millionen Euro an.
Frankreichs Präsident Sarkozy forderte eine umfassende europäische Unterstützung für die Opfer - er schlug eine Eingreifmission der EU vor. Zudem versprach Sarkozy eine bessere logistische Unterstützung durch Schiffe und Flugzeuge, um Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete zu schaffen.
Die Weltbank will einen Millionenkredit bereitstellen. Sie komme der Bitte der pakistanischen Regierung nach einem Darlehen über 900 Millionen Dollar nach, teilte die Institution am Montag in Washington mit.
Die USA hatten bereits vergangene Woche angekündigt, ihre Hilfe auszuweiten. So wurden Hubschrauber geschickt, um Einsätze von Regierung und Militär stärker zu unterstützen, außerdem Schlauchboote, Wassertanks, Behelfsbrücken, Mahlzeiten. Washington will mit dem umfassenden Programm auch die islamistischen Organisationen verdrängen - denn diese versuchen, von der schleppenden Hilfe aus dem Ausland zu profitieren.
Mitarbeit: Simone Utler
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Sorry für die späte Stellungnahme, aber man sollte auch nicht kurz vor einem Urlaub in ein Internetforum posten. Die Carepakete hatten ihren Ursprung sicher in der Nächstenliebe, da gebe ich Ihnen recht. Die wurden aus dem [...] mehr...
Die Waffenkomponente des Landes zusammen mit der ja schon mal erfolgten Veruntreuung von 350 Mio. westlichen Spendeneuros (in so einem Land jederzeit wiederholbar) und den islamistischen Ablehnungen und gar Drohungen gegen [...] mehr...
Erstens ich habe nicht behauptet, dass sie kein Gutmensch sind, nur dass sie hier keine menschenfreundliche Haltung einnehmen (wie soll man es sonst nennen, wenn man andere nicht hilft). Zweitens dass der breite Teil der [...] mehr...
unbedingt Atomwaffen besitzen zu müssen, sollte es auch mit einer solchen Katastrophe klarkommen. mehr...
Sie wissen schon dass die meisten Muslime in Armut leben. Dass sie da nix spenden können ist ja vorstellbar. Dass die reichen Muslime in den Golfstaaten wenig spenden, das finde ich auch verurteilenswert. Das der Westen die [...] mehr...
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