Berlin - Das Leben des Norbert Röttgen zeigt vornehmlich gerade Linien. Die gehen so: Jurastudium, erstes Staatsexamen, zweites Staatsexamen, Promotion. Oder so: Landesvorsitzender der Jungen Union, Einzug in den Bundestag, Geschäftsführer der Fraktion, Umweltminister.
Der praktizierende Katholik und dreifache Familienvater Norbert Röttgen ist alles andere als ein Spieler.
Und doch geht der 45-jährige Rheinländer jetzt volles Risiko. Alles oder Nichts. Es geht um den CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen. Kein Landesverband ist mächtiger, keiner hat mehr Mitglieder. Allein ein Drittel aller Delegierten auf CDU-Bundesparteitagen stammen aus NRW. Wird Röttgen hier Chef, dann kann er in seiner politischen Karriere alles erreichen.
Sogar das Kanzleramt.
Der Haken: Der Mann kann eine Menge bei dieser Kandidatur verlieren. Denn er hat nur Außenseiterchancen.
Die christdemokratische Nomenklatura im deutschen Westen steht eher gegen ihn, von den acht mächtigen CDU-Bezirkschefs zwischen Rhein und Weser sind wohl nur zwei auf seiner Seite - einer davon ist Norbert Röttgen selbst. Auch auf die nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten kann der Minister nicht komplett zählen. Einflussreiche Nordrhein-Westfalen wie Kanzleramtsminister Ronald Pofalla oder NRW-Landesgruppenchef Peter Hintze werden zum Laschet-Lager gerechnet.
Gegenkandidaten im politischen Gleichschritt
Und Angela Merkel? Traditionell halten sich Bundesparteichefs offiziell aus der Kandidatenkür in den Ländern heraus. Zwar förderte die Kanzlerin Röttgen, den sie in Berlin "Muttis Klügsten" nennen, seit Jahren, doch spürt sie seit einiger Zeit auch die Emanzipation ihres Schützlings.
Röttgen hat nur eine Chance im Kampf um die Macht in der NRW-CDU: deren Mitglieder. Da sich mit ihm und dem früheren Landesintegrationsminister Armin Laschet nun zwei Kandidaten um das Spitzenamt bewerben, soll die Basis auf Regionalkonferenzen informiert und schließlich befragt werden. So hat man es im Parteivorstand festgelegt. Röttgen vertraut auf sein Redetalent, auf seine Überzeugungskraft.
Politische Unterschiede allerdings wird die Basis zwischen Laschet und Röttgen kaum ausmachen können. Beide wurden 1994 erstmals in den Bundestag gewählt, gehörten der schwarz-grünen Pizza-Connection in Bonn an. Beide arbeiten an der Modernisierung der CDU, gelten als Vertreter der eher städtischen Union. Während Laschet als erster deutscher Integrationsminister in Düsseldorf Neuland für die Union betrat, verkörpert Röttgen in Berlin eine Umweltpolitik, die die Grünen wohl ähnlich betreiben würden.
Nur: Der 49-jährige Laschet machte sich auf diesem Weg deutlich weniger Feinde als Röttgen.
Beispiel Energie. Durch seine Forderungen nach einer nur moderaten Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke hat sich Röttgen ohne Not und frühzeitig in die Schusslinie atomfreundlicher Parteifreunde gebracht. Er provozierte, die Union müsse sich gut überlegen, ob sie gerade die Atomenergie zu einem ihrer "Alleinstellungsmerkmale" machen wolle. Das blieb nicht ohne Wirkung. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus etwa hat ihm bereits den Rücktritt nahegelegt. Im Herbst soll das neue Energiekonzept der Bundesregierung präsentiert werden - und statt den Moderator zu geben, hat sich Röttgen zu einem Teil des Konflikts gemacht.
Hinzu kommt, dass der blitzgescheite Röttgen vielen Parteifreunden als arrogant und zu selbstbewusst gilt. Klar ist: Röttgen sucht jetzt die Entscheidung in Nordrhein-Westfalen. Immer wieder signalisierte er in den vergangenen Wochen, dass er sich nicht von einer Kandidatur abbringen lassen werde. Er sieht es als seine Chance für den Durchbruch in der CDU. Nur als NRW-Landeschef - und damit einhergehend als Stellvertreter Merkels im Vorsitz der Bundespartei - stünde er eigenständig und unabhängig neben Merkel. Aus eigener Kraft.
Seine Gegner in Nordrhein-Westfalen sind gut organisiert. Schon vor Wochen haben sie sich verbündet. Anfang August tritt in Düsseldorf ein Unionstrio vor die Kameras und verkündet den Machtanspruch. Röttgen ist nicht dabei. Andreas Krautscheid, der Generalsekretär der NRW-CDU, Fraktionschef Karl-Josef Laumann und Armin Laschet haben sich abgesprochen: Sie bevorzugen eine "Landeslösung" für den Vorsitz. Und Laschet soll's machen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" wird hernach schreiben, der Umweltminister sei nicht am Tisch platziert gewesen, aber dafür auf der Speisekarte.
Röttgens postalischer Paukenschlag
Das Anti-Röttgen-Bündnis setzt zu diesem Zeitpunkt wohl noch darauf, dass der Minister aus Berlin nicht antritt. Wie soll das auch aussehen: Einer gegen alle? Der Berliner gegen die Düsseldorfer? Laschet sagt, der neue Chef müsse tagtäglich vor Ort sein, "auch personell als Alternative zu Regierungschefin Hannelore Kraft sichtbar" werden.
Röttgen wartet ab. Urlaubt in Kärnten. Telefoniert mit Verbündeten. Erst an diesem Dienstag dann der Konter. Er ist von einer Schärfe, die illustriert, worum es bei diesem nur scheinbar regionalen Konflikt geht: um Macht und Einfluss in der deutschen Regierungspartei. Und um die Zeit nach Angela Merkel.
Röttgens Kampfansage kommt per Brief an die Funktionäre der NRW-Union. Er ist an die "lieben Parteifreundinnen und -freunde" adressiert. Und beginnt mit einem Paukenschlag. Er äußere sich erst jetzt, schreibt Röttgen, weil er "eine Erörterung von Personalfragen mitten in der Sommerpause für nicht hilfreich" halte. Das zielt gegen Laschets Überraschungscoup: "Ich wollte darum auch keinen Beitrag zum Sommertheater leisten."
Der vom Düsseldorfer Trio proklamierten "Landeslösung" hält Röttgen die "NRW-Lösung" entgegen: "Wir brauchen jeden und alle - die Landtagsabgeordneten, die Bundestagsabgeordneten, die Europaabgeordneten, die kommunalen Verantwortungsträger und die vielen Ehrenamtlichen." Der NRW-Ministerpräsident sei "immer Landes- und Bundespolitiker zugleich".
Wer bis hierhin noch nicht bemerkt hat, dass da einer alles auf eine Karte setzt, dem schreibt Röttgen: "Dass ich als Landesvorsitzender an der Stelle kandidieren und arbeiten würde, an der die Partei mich haben will, ist für mich so selbstverständlich wie die Bereitschaft, die CDU als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl zu führen." Das heißt, Röttgen würde im Falle eines Wahlsiegs unter seiner Verantwortung nicht nur von Berlin in die Düsseldorfer Staatskanzlei wechseln, sondern würde im Falle einer Niederlage auch - falls die Partei dies wünscht - als Oppositionsführer im Landtag Platz nehmen.
Das dürfte ihn für die Funktionäre glaubwürdiger machen. Laschet teilte nur mit, er wünsche sich "eine Mitgliederbefragung und einen fairen Wettbewerb".
Was, wenn Röttgen scheitert? Dann ist seine Karriere erst mal gestoppt, dann gibt es nicht mehr nur gerade Linien in seinem Leben. Aber er mag an die Großen der Union denken, die einst scheiterten, um dann aufzusteigen: Franz Josef Strauß steckte eine Niederlage im Kampf um den Vorsitz ein, Helmut Kohl unterlag Rainer Barzel.
Und zuletzt war es Horst Seehofer, der keine Chance gegen Erwin Huber hatte, weil die CSU-Nomenklatura gegen ihn war. Nur ein Jahr danach rief die Partei dann nach Seehofer. In höchster Not.
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____________________________________________________________ wieso bezeichnen sie mich als fremdenfeindlich und rechtsradikal? ich arbeite mit vielen ausländischen kollegen zusammen. ich meinte nur dass einige cdu-wähler eben [...] mehr...
Das was Herr Gutknecht uns schreibt, trifft für beide zu: profil- und konturlos. Die Typen hätten auch bei Herrn Schröder ins Kabinett gepasst oder könnten mit herrn Gabriel antreten. Zum Glück tragen beide keinerlei [...] mehr...
Die konservativen Wähler wurden jahrelang von Rüttgers vergrault, der sich als "Arbeiterführer" aufspielte und nach Werksschließung weinende Gering- bis Gar-Nicht-Qualifizierte in den Arm nahm, bevor die örtlichen [...] mehr...
Röttgen oder Laschet - beide sind so konturlos wie Gabriel von der SPD (der war glaub ich Oppositionsführer - wo ist der Mann eigentlich?). Aber mal als kleine Randbemerkung: Ich habe in der SpOn-Kurzvita keinen Hinweis auf so [...] mehr...
Da passt kein Blatt Papier zwischen die drei. Somit befindet sich rechts von der SPD keine Partei mehr, sondern nur Splittergruppen. Oder ist das wachsende Heer der Nichtwähler dort anzusiedeln? Wie wärs denn gleich mit ner [...] mehr...
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