Von Maximilian Popp
Der Wirt im "Stadtbeisl" in Passau tritt hinter dem Zapfhahn hervor. "Des is doch? Frankenberger! Raus!" Die Männer am Tisch setzen ihre Bierkrüge ab. Es wird still. Sie brüllen: "Frankenberger, du Schwein, dich bringen wir um!" Sebastian Frankenberger, 28, hebt die Brauen. Der Wirt geht auf ihn zu. "Von dir lass i mir meine Wirtschaft ned kaputt machen." Er schlägt die Tür ins Schloss.
"Nein, mit so viel Ärger habe ich nicht gerechnet", sagt Frankenberger. Seit Anfang August müssen Bayerns Raucher vor die Kneipentür. Seit Anfang August kann sich Frankenberger in keine dieser Kneipen mehr trauen. Frankenberger ist Passauer Stadtrat und hat den Nichtraucher-Volksentscheid im Freistaat initiiert. Er hat ihn gewonnen. Er ist Bayerns Ober-Nichtraucher.
"Versuchen wir es im Irish Pub", sagt er. Vor der Bar stehen Studenten im Nieselregen und rauchen. Sie kippen Asche auf den Boden. "Nichtraucher-Nazi! Verzieh dich!" Der Kellner packt Frankenberger am Arm: "Wegen dir kehre ich hier jeden Tag Kippen. Hau ab!"
Frankenberger ist verfemt in Bayerns Gaststätten - in Passaus Kneipen hat er Hausverbot. 17.000 Mitglieder haben sich in der Facebook-Gruppe "Lokalverbot für Frankenberger" angemeldet. Sie schreiben: "Wenn's dir nicht passt, dass ich rauche, vergas ich dich." Und: "Ihr Ökofaschisten mit langen Haaren. Ihr gehört daran aufgehängt."
Nur mit Pfefferspray vor die Tür
Frankenberger läuft durch die leere Passauer Fußgängerzone. Auf einer Bank sitzen Jugendliche und trinken Bier. Am Boden liegen zertretene Dosen. "Frankenberger, du Missgeburt!", rufen die Teenager. Zwei Frauen wechseln die Straßenseite, als sie ihn sehen. Frankenberger wird gejagt wie eine Hexe. Er erhält Morddrohungen. Seine Gegner beschreiben, wie sie ihn verbrennen möchten. Sie drohen, ihn zu erschießen. In Passau kleben Plakate an den Hauswänden: "Tötet Frankenberger". Der Politiker geht nicht mehr ohne Pfefferspray vor die Tür.
Sebastian Frankenberger hat eine Kampagne gewonnen, aber er hat ein Stück von seinem Zuhause verloren. Freunde raten, er solle sich zurückziehen. Doch Frankenberger zieht sich nicht zurück. Er diskutiert in der TV-Sendung "Friedman" mit Tabaklobbyisten und lädt Fernsehteams ein, ihm in Bierzelte zu folgen. "Ich muss da jetzt durch. In ein paar Wochen beruhigt sich das wieder."
Am Morgen steht Frankenberger am Donaukai in Linz, Oberösterreich. Er sagt, er "verwandle sich mal eben kurz". Er schließt sich in einer Toilette ein, und als er wieder ins Freie tritt, trägt er einen Mantel, weiße Handschuhe und einen Dreispitz mit Feder. "Gott zum Gruß, werte Damen, edle Herren!", ruft er. Die Touristen klatschen. Frankenberger arbeitet als Fremdenführer in Linz. "Folgen Sie dem Grafen!" - "Herrlich!", brüllen die Touristen.
"Ich spiele den Menschen gerne etwas vor", sagt Frankenberger - und lacht. Er hatte schon viele Auftritte: Er war Ministrant, Organist und Lektor in der Pfarrei St. Josef in Passau. Er hat Mathe, Physik und Theologie studiert und abgebrochen. Er hat die CSU verlassen und sich für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) an Bäume gekettet. In Rom führt er als Feldherr Ministranten durchs Forum Romanum. Nach einer verlorenen Wette lief er nackt über eine Brücke. Doch erst mit dem Volksentscheid zum Nichtraucherschutz ist Sebastian Frankenberger wirklich in der Öffentlichkeit angekommen.
"Raucher-Fuzzi, schleich di'"
Frankenberger zieht sich erneut um, diesmal tauscht er seinen Fremdenführer-Mantel gegen ein weißes Hemd. Ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks begleitet ihn aufs Volksfest in Deggendorf, Niederbayern. Er soll sich für die Zuschauer vergewissern, ob sich die Menschen auch an das Rauchverbot halten. Frankenberger scannt die Nachrichten auf seinem iPhone, während er seinen Toyota über Bayerns Straßen lenkt. "Ich nehme mit, was geht", sagt er. Sein Auto hat das Kennzeichen O 2020 - für Oberbürgermeister 2020.
Frankenberger will sich jetzt auch außerhalb Bayerns für ein uneingeschränktes Rauchverbot einsetzen. In Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen gibt es erste Initiativen. Weitere Länder sollen folgen. Und auch seine Partei, die ÖDP, will er verändern: Jünger soll sie werden - und bei der nächsten Landtagswahl erstmals ins bayerische Parlament.
Die Gäste des Deggendorfer Volksfests klatschen und kippen Bier in ihre roten Köpfe hinein. "Oans, zwoa, gsuffa!", ruft der Kapellmeister. Sebastian Frankenberger steigt in eine Lederhose und folgt dem Reporter des Bayerischen Rundfunks. Vor dem Festzelt "Zum Ochsenknecht" versperren ihm Kellnerinnen im Dirndl den Weg. "Raucher-Fuzzi, schleich di'!", rufen sie. Eine rundliche Frau mit kurzen, grauen Haaren und fleischigen Armen geht mit einem Besen auf ihn los. "I hau die zam!" Frankenberger wendet sich zur Kamera. "Habt ihr das?"
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Bin ich nicht. Ich habe bewußt Gastronomie von Sisha getrennt. Und Sisha ohne Gastronomie geht weiterhin. Aber dafür gibt es wohl derzeit kein Geschäftsmodell... Wenn ich ein RV will, dann muss ich eben auch ein RV in Sisha [...] mehr...
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LOL! Was meinen Sie wohl warum die Dame wahrscheinlich einen Sauerstoffschlauch in der Nase trägt? Na? mehr...
Nicht jeder AN und darüber hinaus auch nicht jeder AG wünscht sich staatliche Fürsorge für alles und jedes, sondern möchte im Rahmen der allgemein akzeptierten Vorgaben (natürlich mit einer seinem Aufwand und Engagement [...] mehr...
In diesem Punkt haben sie recht. Nach dem gelungenen Volksbegehren, wo eine enorme Hürde (Quorum mit 25% der Wahlberechtigten) übersprungen werden musste, war dar Ausgang des Volksentscheids klar vorhersehbar. Es genügte die [...] mehr...
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