Von Sebastian Fischer, Dominik Peters, Anna Reimann, Friederike Schröter und Hendrik Ternieden
Hans-Christian Ströbele, geboren 1939, Grünen-Bundestagsabgeordneter
"Ich gehörte zu einem der ersten Jahrgänge, die nach der Wiederbewaffnung eingezogen wurden und war 1959 ein Jahr bei der Bundeswehr, in Aurich in Ostfriesland bei der Luftwaffe.
Unter der Grundausbildung habe ich erheblich gelitten - ich empfand es als zutiefst verstörend, wie wir bei der Formalausbildung darauf trainiert wurden, auf Befehle automatisch zu reagieren, und wie uns abgewöhnt werden sollte nachzudenken. Wir wurden hart geschliffen. Die Schikanen waren mir zuwider. Etwa, dass man zwanzigmal um den Platz laufen oder durch Pfützen robben musste. Es ging oft nur darum, Leute fertigzumachen. Ich habe versucht, mich dem zu entziehen.
Wegen einer Ungerechtigkeit, an die ich mich heute nicht mehr erinnere, habe ich dann auch die Beförderung zum Gefreiten abgelehnt, so dass ich bis heute keinen Dienstgrad habe. Das brachte durchaus Nachteile, denn so musste ich auf 15 Mark zusätzlichen Wehrsold verzichten.
Danach wurde ich zum Vertrauensmann des Bataillons gewählt. Als Abiturient und Einziger in der Kaserne, der einen Ordner mit den Wehrgesetzen im Spind stehen hatte, wurde ich zur Anlaufstelle für alle, die Ärger hatten. Ich habe für sie Beschwerden geschrieben - manchmal auch Liebesbriefe.
Damals hat sich keiner groß darüber aufgeregt, aber fast alle Ausbilder, Unteroffiziere und der Feldwebel kamen aus der alten Wehrmacht. Sie hatten noch die gleiche Einstellung zum Soldatentum und zur Ausbildung wie zur Nazi-Zeit. Sie schwärmten uns von ihren Heldentaten vor. Diese personelle und inhaltliche Kontinuität zur NS-Zeit war unübersehbar und unüberhörbar. Sie brachten uns auch Lieder aus der Wehrmacht bei.
Aus meiner Bundeswehrzeit habe ich positiv den Zusammenhalt mit Kameraden in Erinnerung, von dem ja viele ehemalige Wehrdienstleistende erzählen. Sonst nicht viel.
Ich war damals nicht politisch links. Mein Wissen bezog ich aus der Zeitung "Die Welt". In den Köpfen von uns Abiturienten war nicht drin, dass wir den Wehrdienst verweigern könnten. Ich habe damals nicht begriffen, was es bedeutet, dass wir faktisch mit dem Ziel ausgebildet wurden, Feinde möglichst effektiv zu vernichten, also Menschen zu töten. Das kam erst im Nachhinein. Wir haben damals auf Pappschilder geschossen, auf denen Stahlhelme abgebildet waren, die aussahen wie die von Ostblocksoldaten.
Eine lustige Anekdote: Ich musste mich eines Tages beim Hauptmann melden, weil ich beim Marschieren zur Unordnung beigetragen haben sollte, indem ich beim Singen nicht den richtigen Ton traf und grottenfalsch, aber laut sang. Ich musste ihm vorsingen. Es dauerte nicht lange, bis er mich unterbrach. Es muss sich also wirklich schrecklich angehört haben. Fortan war ich vom gemeinsamen Singen befreit. So habe ich mir Freiräume geschaffen."
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Über das Herauslesen merkwürdiger Botschaften aus gegensätzlich artikulierten Aussagen hatten wir ja schon gesprochen. Der Offizier ist genauso wenig einfach schuldig wie er einfach unschuldig ist. Das gilt auch für die Politik [...] mehr...
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*spon berichtet:* Wenn sich die Meldung bewahrheitet und sich nachweisen lässt, dass es sich um Deutsche Staatsbürger gehandelt hat, die *auf Verdacht außerhalb eines Krieges getötet wurden*, müsste eine deutsche [...] mehr...
---Zitat--- *Dieser respektlose Umgang mit Andersdenkenden gehört neben dem Militarismus zu den Geiseln der Menschheit. Und er ist ebenso gefährlich wie abscheulich. * ---Zitatende--- Ich vermute, dass dem und dem [...] mehr...
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