Von Severin Weiland und Anna Korolewicz
Berlin - Am Leipziger Platz gibt es eine Atempause. Eigentlich hätten hier, auf einer der letzten großen Brachen an der Schnittstelle zwischen Ost und West, schon im Sommer die Bagger anrollen sollen. Doch das Einkaufszentrum mitsamt Wohnungen und Büros, das der Investor Harald Huth hier für 470 Millionen Euro errichten will, muss warten.
Es gibt Einsprüche von Anwohnern, die sich durch den künftigen Versorgungsverkehr gestört fühlen. Solange keine Klärung herbeigeführt ist, bleibt eine Leerstelle von 22.000 Quadratmetern.
Das ist anregend für Touristen und Einheimische, die vom nahe gelegenen Potsdamer Platz auf die Brache blicken. Die staubige Fläche lässt noch einmal erahnen, wie es einst an vielen Stellen der Stadt aussah, als die Grenzanlagen verschwanden und sich zwischen Ost- und Westhälfte die große Leere auftat.
Vor genau 20 Jahren begann in Berlin ein einmaliges Experiment. Als am 31. August 1990 der Einheitsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR unterschrieben wurde - der Berlin als Hauptstadt festlegte - konnte endlich geplant werden auf sicherem Grund. Investoren kamen in den Jahren darauf, verbuddelten Milliarden im märkischen Sand. Der Bund folgte als Investor, nachdem 1991 der Bundestag für die weitestgehende Verlagerung von Exekutive und Legislative von Bonn nach Berlin gestimmt hatte.
Für Architekten, für Stadtplaner war es ein Experiment mit völlig offenem Ausgang: Ließen sich die Wunden heilen, die Krieg und Nachkriegszeit in Berlins Mitte geschlagen hatten? Würde es gelingen, die beiden Teile der Stadt auch baulich wieder zu verbinden?
Es ist - überwiegend - geglückt.
Viele Lücken sind geschlossen, wie die Luftaufnahmen vom Brandenburger Tor oder Reichstag und Regierungsviertel zeigen. Andere harren noch ihrer Vollendung - so die gewaltigen Areale des erst 2006 eingeweihten Berliner Hauptbahnhofs. Hier allein wird sich in den nächsten Jahren die Stadt neu definieren - sofern Investoren bereit sind, Milliarden in neue Projekte zu pumpen.
Kein Architekt kommt an Berlin vorbei
Berlin wurde in den neunziger Jahren zum Mekka der Architekten: Günter Behnisch, Hans Kollhoff, Paul Josef Kleihues, Renzo Piano, I. M. Pei, Daniel Libeskind, Norman Foster, Meinhard von Gerkan, Axel Schultes und viele mehr. Wer etwas auf sich hielt, der kam hierher, der nahm an Wettbewerben teil. Es ging darum, sich zu verewigen - auch wenn ein kämpferischer Mann wie der damalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann harte Vorgaben machte und architektonischen Wildwuchs zu begrenzen suchte.
Mit der Neuschaffung weiter Teile ging auch die Frage einher, wie jene Sünden zu vermeiden seien, die aus Berlin durch die Auflockerung der fünfziger Jahre eine poröse Stadtlandschaft gemacht hatten. Verdichtung war nun wieder das Ziel, möglichst einheitliche Fassaden. Für manche Kritiker wurde damit Eintönigkeit geschaffen, für andere der von Zerstörungen heimgesuchten Stadt wieder ein kompakteres Bild gegeben.
Denn auch das machte Berlin aus (wie viele Städte der Republik): In den fünfziger und sechziger Jahren wurde oftmals rücksichtslos in alte Gefüge eingebrochen, wurden Plätze und Straßenzüge bis zur Unkenntlichkeit verändert oder gleich ganz beseitigt.
In seinem wegweisenden Buch "Die gemordete Stadt" hat der Berliner Intellektuelle Wolf Jobst Siedler 1964 den Zerstörungswahn als einer der ersten dokumentiert - und damit späteren Generationen den Blick geöffnet für das, was ihnen verloren gegangen war. Siedler von der konservativ-liberalen Seite und die späteren Hausbesetzer im links-alternativen Milieu - sie ergänzten sich, ohne es zu wissen oder zu wollen und können sich anrechnen lassen, das Thema einer wohnlichen Stadt wieder ins Bewusstsein gerückt zu haben.
Abriss als Stadtsanierung?
Auch das ist wahr: Das neue Berlin hat in den vergangenen 20 Jahren an manchen Stellen der Stadt nicht gezögert, die Abrissbirne zu schwingen. Im Westen am und rund um den Ku'damm mussten wichtige Bauten weichen, und dasselbe gilt für wesentliche Gebäude der früheren "Hauptstadt der DDR". Mancher Abriss war überflüssig, anderer notwendig - um gröbste Bausünden der jüngeren Vergangenheit zu beseitigen.
Abgetragen wurde nicht nur das abweisende DDR-Außenministerium, sondern gleich gegenüber auch der Palast der Republik - Zeichen verfehlter Stadtpolitik. Wo der Palast stand, wartet Berlin nun mit einer Rasenfläche auf. Der Wiederaufbau des Stadtschlosses wurde verschoben - Sparbeschluss der Bundesregierung. Bis mindestens 2013 wird sich dort nichts tun. Vielleicht bleibt die Brache auch noch Jahrzehnte.
Im finanziell klammen Berlin weiß man das nie. Der Wiederaufbau von Schinkels Bauakademie - die die DDR nach dem Krieg fast wiederhergestellt und dann doch dem Außenministerium geopfert hatte - ist noch immer nicht erfolgt. Obwohl die Kosten nur 25 Millionen Euro betragen - ein Schnäppchen im Vergleich mit manchen anderen Großprojekten.
Das Experiment des Wandels geht weiter. Für Freunde der Architektur - ob sie nun zu den Anhängern oder Kritikern des neuen Berlins gehören - ist eine Reise in die Hauptstadt immer wieder aufs Neue lohnenswert. Berlin ist nicht, es wird - so geht das seit den Anfängen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Der Schriftsteller Alfred Döblin schrieb einst ironisch: "Und so langsam bauen sich auch die Städte um, vielleicht in 50 bis 100 Jahren wird man Berlin sehen können, natürlich - das von heute."
Ein Satz, verfasst vor 82 Jahren. Zeitlos gültig. Zumindest, was die deutsche Hauptstadt angeht.
Technische Grafik: Anna Korolewicz und Christopher Kurt
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Aber nicht unsinniger als die Behauptung, Berlinfreunde würden das immer machen. Der Status der Stadt wird dann in Frage gestellt, wenn sie in einem Bereich, in dem sie tatsächlich absolute Spitze ist, nicht als solche anerkannt [...] mehr...
Verzeihen Sie mir, aber Schlemmerinfo.de ist in etwa so aussagekräftig wie das Prommi Dinner auf Vox ;-) Sicherlich hat Berlin eine wunderbar vielfälltige Gastro-Szene, die ursprüngliche Aussage, auf die ich mich bezogen habe, [...] mehr...
Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins. Marie von Ebner-Eschenbach Sie haben durchaus Recht und ich beobachte es auch oft an mir. Aber das liegt an meinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, dass ich [...] mehr...
Ich habe nur was von 2008 auf die schnelle gefunden, da waren es 7,91 Millionen Hotelgäste mit 17,77 Millionen Übernachtungen. Tendenz 2009 rasant steigend.... 2006 war aber sicher auch ein sehr starkes Jahr, Dank dem [...] mehr...
Na aber nicht dieses Wochenende, da werden die Mainzer Jungs mal bissl Karneval in Hamburgs Abwehr veranstalten ;-) Aber ist natürlich traurig, als Hauptstadt keinen Club in der 1. Liga der zu haben....leider hat bei Hertha [...] mehr...
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