ThemaEnergiewirtschaftRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.08.2010
 

Energiekonzept

Röttgen plant AKW-Schutz vor Flugzeugabstürzen

Atomkraftwerk in Lingen: Verstärken statt vernebelnZur Großansicht
Getty Images

Atomkraftwerk in Lingen: Verstärken statt vernebeln

Die Arbeiten am Energiekonzept der Koalition sind weiter fortgeschritten als bisher bekannt: Umweltminister Röttgen will nach SPIEGEL-Informationen alle Atomkraftwerke gegen Flugzeugabstürze schützen lassen, zudem einigte er sich mit Wirtschaftsminister Brüderle auf Klimaschutzmaßnahmen.

Hamburg/Berlin - Die Bundesregierung macht bei ihrem geplanten Energiekonzept Tempo: So will Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nach SPIEGEL-Informationen vorschreiben, dass alle deutschen Atomkraftwerke baulich gegen Flugzeugabstürze geschützt werden. AKW sollen grundsätzlich gegen den Crash eines Passagierflugzeugs der Größe vom Typ A320 geschützt sein, das Terroristen in einen Meiler lenken könnten.

Bisher hatten die Konzerne darauf gesetzt, im Fall einer Terrorattacke die Meiler zu vernebeln, bis die Bundeswehr Angreifer abschießen kann. Solche Abschüsse, argumentiert Röttgens Ministerium, habe aber das Bundesverfassungsgericht verboten. Deshalb sollen Meiler nun baulich nachgerüstet werden. Eine ganze Reihe von ihnen bräuchte eine komplett neue Schutzhülle aus Beton. Das könnte gerade bei den ältesten Anlagen einen Weiterbetrieb unrentabel machen.

Außerdem hat Röttgen nun erstmals präzisiert, wie stark die CO2-Emissionen nach 2020 fallen sollen: Um 55 Prozent gegenüber 1990 bis zum Jahr 2030, um 70 Prozent bis 2040. Auf Basis des federführend vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln (EWI) und der Prognos AG erarbeiteten Gutachtens will die Regierung bis Ende September ihr Konzept zum künftigen Energiemix vorlegen. Kritisiert wird, dass das EWI acht Millionen Euro an Förderung von den Stromkonzernen RWE und E.on erhält.

Bereits geeinigt haben sich Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Röttgen nach SPIEGEL-Informationen auf eine Reihe von Maßnahmen zum Klimaschutz. Geplant sind etwa eine weitere Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsprozesse für Stromleitungen und für Wasserkraftwerke. Staatliche Bürgschaften solle es geben, um Investitionen in Offshore-Windparks abzusichern. Und Hausbesitzer sollen stärker gefördert werden, wenn sie ihre Ölheizungen durch umweltfreundliche Heizungen ersetzen. Zusätzlich rund drei Milliarden Euro veranschlagt die Regierung pro Jahr, um die Energieziele von Staats wegen durchzusetzen.

Merkel will Deutschland nicht zum Stromimport-Land machen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am vergangenen Donnerstagabend das geplante Energiekonzept in einer vertraulichen Runde mit Röttgen, Brüderle und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beraten. Für Unruhe in der Regierung sorgt eine Warnung der Gutachter, die am vergangenen Freitag "Energieszenarien" vorgelegt haben. Statt wie heute Strom im Überschuss zu produzieren, werde Deutschland bis 2050 demnach sukzessive zum Strom-Importland, weil die grüne Energieversorgung den absehbaren Bedarf nicht umfänglich decken kann. Eine solche Entwicklung will Merkel unbedingt vermeiden.

Das von der Regierung in Auftrag gegebene Gutachten zur künftigen Energieversorgung kommt laut mehrerer Medienberichte zu dem Schluss, dass eine Verlängerung der Atomlaufzeiten um 12 bis 20 Jahre am sinnvollsten sei. So seien die besten Effekte für den Klimaschutz und für die Volkswirtschaft zu erreichen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Nach dem bislang geltenden Atomausstiegsbeschluss von Rot-Grün würde das letzte Atomkraftwerk etwa 2025 vom Netz gehen. Jetzt wird über Laufzeiten über das Jahr 2040 hinaus nachgedacht.

Das Energiekonzept der Regierung

Die Idee

In Deutschland gibt es bisher keinen offiziellen Plan für die Energieversorgung der Zukunft. Braucht das Land längere Atomlaufzeiten? Soll mehr Gas importiert werden? Wie lassen sich die internationalen Klimaschutzziele erreichen? Und wann müssen die Verkehrsteilnehmer auf Elektroautos umsteigen?

Auf alle diese Fragen hat die Regierung keine Antworten. Wirtschafts- und Umweltministerium sind sich uneins, Atomkonzerne und Ökolobbyisten beharken sich gegenseitig.

Aus diesem Grund hat die schwarz-gelbe Koalition ein umfangreiches Energiegutachten in Auftrag gegeben. Es ist das zentrale Papier, auf dessen Basis die Regierung ihr eigenes Energiekonzept beschließen will. Dabei geht es auch um die Frage, wie lange Deutschlands Atomkraftwerke laufen sollen.

Das Gutachten

Die Studienautoren

Die Szenarien

Die Kritik

Verglichen mit einer Laufzeitverlängerung um vier Jahre würde bei einem Plus von zwölf Jahren die Kohlendioxidemissionen um zehn Prozent geringer ausfallen, berichtet die "FAZ". Der Börsenstrompreis werde dank des billigen Atomstroms um 20 Prozent, der für Haushaltskunden um vier Prozent sinken. Eine Verlängerung um zwölf Jahre könnte demnach 43.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozent steigern.

Eine solche Verlängerung gilt allerdings als höchst unwahrscheinlich, vor allem, weil der Bundesrat angesichts einer fehlenden Mehrheit für Union und FDP umgangen werden soll. Das Bundesinnen- und das Justizministerium halten deshalb nur eine moderate Verlängerung für vertretbar. Als moderat gelten, je nach Interpretation, maximal zehn Jahre.

RWE-Chef Großmann verteidigt Anzeigenkampagne

RWE-Chef Jürgen Großmann verteidigte gegenüber dem SPIEGEL die umstrittene Anzeigenkampagne gegen die Bundesregierung. "Für den Appell", so der RWE-Chef, "haben wir viel Zustimmung erhalten." Inzwischen lägen Unterschriften von mehr als zehntausend Unterstützern vor, auch aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Großmann räumte ein, dass aus der Autoindustrie kein Manager unterschrieben habe. Der von ihm kontaktierte VW-Chef Martin Winterkorn habe eine Anzeige in diesem Fall nicht als geeignetes Kommunikationsinstrument empfunden.

Großmann kritisierte noch einmal scharf die Einführung einer Brennelementesteuer. Die Steuer wäre ein "Eingriff auf den geschützten Altbestand" der Atomkraftwerke. Man könne Erträge mit Abgaben belegen, aber nicht Ertragserwartungen.

Der RWE-Chef kündigte an, die Einführung einer solchen Steuer in jedem Fall juristisch prüfen zu lassen und notfalls auch dagegen zu klagen. "Das hängt vom Gesamtpaket und von der Ausgestaltung ab", sagte Großmann, Auf die Frage, ob die Stromkonzerne nach der Einführung einer Brennelementesteuer quasi im Gegenzug Investitionen in erneuerbare Energien wie Offshore-Windparks streichen könnten, sagte Großmann: "Wir sind doch keine trotzigen Jungs!" Allerdings könne man "nur investieren, wenn wir das Geld dazu haben".

flo/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 2643 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.09.2010 von LondoMollari: Leider voll daneben

QUOTE=Kindergeburtstag;6232895][QUOTE=LondoMollari;6231998] ---Zitat--- "aber am Ende ist der einzige Brocken, der Strom aus KKW's richtig teuer machen kann, die Versicherung. Und genau da gehen die Rechnungen halt weit [...] mehr...

16.09.2010 von Roller:

Aus einem Rohr kommt Wasser raus und faellt dann nach unten. Wie beim Wasserfall. mehr...

16.09.2010 von Roller:

Was die Verlustrate auf 31% anheben wuerde. Die Verlustrate gilt nur bei V1 = 5m/s. In dieser Fliessgeschwindigkeit sind alle Verluste bereits drin. h1= V1^2/(2xg)=1,25m bei einem Rohr mit 0,8m Durchmesser. Bei einem [...] mehr...

15.09.2010 von fritzihansi: Kleine Korrektur:

Sehe gerade, ich habe da die Zahlen verwechselt. Es muß natürlich heißen: Damit würde die Eingangsleistung 2,5**118**100000 =>*29,5MW* betragen. Verlust mithin *19,5/29,5**100 = _ca *66%*_. Es ist sogar noch [...] mehr...

15.09.2010 von oida_ouden_eidos: Soll heißen:

Ich kann das nämlich nicht? Da haben Sie wohl eine Null vergessen, muss heißen 5000 cm^2 Das stimmt dann natürlich auch nicht. Das ist vollkommener Quatsch, das Rohr ist doch kein Wasserfall! mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Energiewirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr dazu im SPIEGEL

Illustration DER SPIEGEL / Fotos Marc Darchinger; AFP Foto
Heft 35/2010:
Die Dagegen-Republik
Stuttgart 21, Atomkraft, Schulreform - Bürgeraufstand gegen die Politik

Inhaltsverzeichnis

Titelthema - diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier kaufen Sie das Heft

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien


Vor-/Nachteile der Energieträger

Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.

Erdöl

Erdgas

Kohle

Atomenergie

Wasser

Wind

Sonne

Biomasse

Erdwärme


Kernreaktoren

Thermischer Reaktor

DPA
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.

Brutreaktor

Uran und Plutonium in Atomwaffen


Koalitionsvertrag zur Atomenergie

Brückentechnologie

"Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden kann. Andernfalls werden wir unsere Klimaziele erträgliche Energiepreise und weniger Abhängigkeit vom Ausland nicht erreichen. Dazu sind wir bereit, die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke unter Einhaltung der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards zu verlängern. Das Neubauverbot im Atomgesetz bleibt bestehen."

Laufzeitverlängerung

Gewinnabschöpfung

Endlagerung




TOP



TOP