Von Severin Weiland und Veit Medick
Berlin - Norbert Lammert kommt aus Nordrhein-Westfalen, Bonn war ihm ans Herz gewachsen. Als vor 20 Jahren die Debatte begann, ob Legislative und Exekutive vom Rhein an die Spree verlagert werden sollte, gehörte er zu den entschiedenen Gegnern.
"Ich teilte die Sorge, dass Berlin als Hauptstadt im Ausland ein historisches Bild deutscher Großmachtträume bedienen könnte", sagt Bundestagspräsident Lammert heute im Rückblick.
Am 31. August 1990 war Berlin im Einheitsvertrag als Hauptstadt des vereinten Deutschland bestimmt worden. Der Satz in Artikel 2 allerdings barg politischen Sprengstoff für die nahe Zukunft: "Die Frage des Sitzes von Parlament und Regierung wird nach der Herstellung der Einheit Deutschlands entschieden."
Heftig wurde in den darauffolgenden Monaten gerungen. Es war ein Mix aus höchst unterschiedlichen Motiven, das die Berlin-Gegner antrieb.
Sehr knapper Sieg der Berlin-Fans - dank der PDS
Quer durch die Parteien gingen die Fronten. Am 20. Juni 1991 fasste der Bundestag in Bonn einen historischen Beschluss: Das Parlament, das Kanzleramt und der weitaus größte Teil der Ministerien sollten nach Berlin umziehen. Vorangegangen war eine zehnstündige turbulente Debatte.
Die Ironie der Geschichte wollte es, dass am Ende die Abgeordneten der damaligen PDS, der SED-Nachfolgerin, den Ausschlag gaben - sie stimmten fast geschlossen für Berlin und sicherten so die knappe Mehrheit von 338 zu 320 Stimmen. Wäre es nach der Mehrheit der westdeutschen Abgeordneten gegangen - Berlin wäre nur Hauptstadt, ohne Regierung, ohne Parlament, eine funktionslose Hülle. Als Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth das Ergebnis zur Nachtstunde damals verkündete, ging es im Jubel fast unter.
Die Nerven vieler waren angespannt, es flossen Tränen - auf beiden Seiten.
"Vollendung der Einheit Deutschlands" - so lautete der Titel des siegreichen Antrags. Eigentlich aber war er ein klassischer Kompromiss. Denn vollendet wurde nur ein Teil - bis heute arbeiten noch immer mehr Bundesbeamte in Bonn als in Berlin, 9000 gegenüber 8000. Die Stadt am Rhein erhielt erhebliche Kompensationen für den Bedeutungsverlust. Berlin dagegen laboriert - trotz Tourismus-Booms und vielversprechender Entwicklungen - noch immer an den Folgen der dramatischen Deindustrialisierung nach der Einheit.
Forderungen nach endgültiger Verlagerung
Im 20. Jahr der Einheit wäre es Zeit für eine neue Debatte über den Unsinn der Zweiteilung. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat es diese Woche im SPIEGEL-Interview klar ausgedrückt: "Es ist doch ein Aberwitz, wie viel da bis heute gependelt wird. Damit muss nun Schluss sein. Wir müssen den Rest der Regierung endlich nach Berlin holen."
Selbst einstige Gegner des Umzugs haben sich mit der neuen Hauptstadt versöhnt, wie eine Umfrage von SPIEGEL ONLINE unter Abgeordneten des Bundestags ergab, die einst 1991 gegen Berlin und für den Verbleib in Bonn votierten. "Berlin ist eine faszinierende Metropole, die nicht nur mich, sondern auch die zahlreichen Besuchergruppen aus meinem Wahlkreis in ihren Bann zieht", sagt der frühere Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU).
Offen bekennt auch Sozialdemokrat Klose, er habe einst die "falsche Entscheidung getroffen". Er sei heute ein "richtiger Berlin-Fan". Joachim Poß, nach der Nierenspende von Frank-Walter Steinmeier derzeit Fraktionschef der SPD, bekennt offenherzig, er sei "im Nachhinein froh darüber", dass er überstimmt worden sei. Und auch der FDP-Fraktiongeschäftsführer Jörg van Essen sagt: "Ich würde heute keine Sekunde zögern, für Berlin zu stimmen."
Auch wenn die Sympathien für die neue Hauptstadt mit den Jahren gewachsen sind, am Bonn-Berlin-Gesetz von 1994 will so mancher nicht rütteln. Bundestagspräsident Lammert meint: Das Gesetz habe eine faire Aufgabenteilung beider Städte geschaffen - "und alle Beteiligten haben nun Anspruch auf Verlässlichkeit bei einmal getroffenen Entscheidungen".
Das sieht der CSU-Politiker Hinsken anders: Die endgültige Aufteilung zwischen Bonn und Berlin warte immer noch auf eine Klärung - "damit das Hin- und Herpendeln der zahlreichen Beamten entfällt".
Die Vollendung der Einheit, sie steht immer noch aus.
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Aber nicht unsinniger als die Behauptung, Berlinfreunde würden das immer machen. Der Status der Stadt wird dann in Frage gestellt, wenn sie in einem Bereich, in dem sie tatsächlich absolute Spitze ist, nicht als solche anerkannt [...] mehr...
Verzeihen Sie mir, aber Schlemmerinfo.de ist in etwa so aussagekräftig wie das Prommi Dinner auf Vox ;-) Sicherlich hat Berlin eine wunderbar vielfälltige Gastro-Szene, die ursprüngliche Aussage, auf die ich mich bezogen habe, [...] mehr...
Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins. Marie von Ebner-Eschenbach Sie haben durchaus Recht und ich beobachte es auch oft an mir. Aber das liegt an meinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, dass ich [...] mehr...
Ich habe nur was von 2008 auf die schnelle gefunden, da waren es 7,91 Millionen Hotelgäste mit 17,77 Millionen Übernachtungen. Tendenz 2009 rasant steigend.... 2006 war aber sicher auch ein sehr starkes Jahr, Dank dem [...] mehr...
Na aber nicht dieses Wochenende, da werden die Mainzer Jungs mal bissl Karneval in Hamburgs Abwehr veranstalten ;-) Aber ist natürlich traurig, als Hauptstadt keinen Club in der 1. Liga der zu haben....leider hat bei Hertha [...] mehr...
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