Von Severin Weiland
Berlin - Es gibt das Ampelmännchen. In Rot und Grün. Weiterhin an Ampeln im Osten, zum Teil sogar im Westen. Und als Verkaufsschlager in Berlin, ein wieder aufgelegtes Relikt aus DDR-Zeiten. Und es gibt den grünen Pfeil, der rechts abbiegen möglich macht, selbst wenn die Ampel rot steht.
Es sind sympathische Dinge, die von der DDR übrigblieben.
Matthias Platzeck wollte mehr. "Wir wollten keinen Beitritt, wir wollten ein gleichberechtigtes Zusammengehen mit neuer Verfassung und neuer Hymne, wir wollten Symbole für einen echten Neuanfang. Durchgesetzt haben sich andere", sagte der brandenburgische Ministerpräsident und Sozialdemokrat diese Woche im Interview mit dem SPIEGEL.
Es ist eine Debatte, die im 20. Jahr der Einheit nicht aufhören will. Jörg Schönbohm, der mit Platzeck bis vor zwei Jahren noch eine Große Koalition führte, kann die Aussagen des prominenten ostdeutschen Sozialdemokraten nicht verstehen. "Rückwärtsgewandt und rechthaberisch" seien sie, sagt der CDU-Politiker, einst als General der Bundeswehr in den Osten gegangen, um die Nationale Volksarmee erfolgreich aufzulösen und Teile in die Bundeswehr zu integrieren.
Merkel schlägt den Bogen in die Gegenwart
Im Kronprinzenpalais, wo am Dienstag die Bundesregierung mit einem Festakt die Unterzeichnung des Einigungsvertrags am 31. August 1990 feierte, stand der Erfolg der Einheit im Vordergrund. Bundeskanzlerin Angela Merkel, in Hamburg geboren, in der DDR aufgewachsen, hob die Rolle der Ostdeutschen hervor. "Der Mut war damals viel größer als wir uns das heute vorstellen", sagte sie. Sie lobte die Verdienste der Bürgerrechtler und jener, die aus der DDR geflüchtet waren. Damals habe "die Demokratie in einem unglaublichen Maße gesiegt".
Und sie schlug den Bogen in die Gegenwart: Die Deutschen müssten international für das kämpfen, was ihnen selber gelungen sei. "Wenn wir darin erlahmen, werden wir auch in unserem Wohlstand und Erfolg erlahmen", so die CDU-Politikerin, die vor 20 Jahren als Pressesprecherin der ersten und letzten frei gewählten DDR-Regierung ihre ersten praktischen politischen Erfahrungen machte.
Nicht bei Merkel, sondern in der Rede des westdeutschen Bundesinnenministers Thomas de Maizière klang etwas von dem an, woran der Ostdeutsche Platzeck dieser Tage erinnerte. Die Bundesrepublik Deutschland hätte von der DDR "ruhig ein bisschen mehr übernehmen können als das Ampelmännchen oder den grünen Pfeil", so der CDU-Politiker. Grundsätzlich sei der Vertrag aber ein Meisterwerk von Politik und Verwaltung.
Das Vertragswerk war am 31. August am selben Ort vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und dem DDR-Unterhändler Günther Krause unterzeichnet worden - worauf eine Schautafel im Palais hinwies. De Maizière hatte die Einheit hautnah erlebt: Der westdeutsche Christdemokrat arbeitete im turbulenten Jahr 1990 für seinen Cousin, den ersten und letzten frei gewählten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière. Später ging er mit seiner Familie in den Osten, sein jüngster Sohn wurde in Schwerin geboren.
Unumwunden räumte er Fehler ein: Bei der Entscheidung, das gesamte westdeutsche Rechtssystem sofort auf das "Beitrittsgebiet" zu übertragen, sei eine Chance für Erneuerung verpasst worden. Auch dass die Bildungsabschlüsse der DDR nicht in ganz Deutschland anerkannt worden seien, "missachtete die Lebensleistung vieler DDR-Bürger". Solche Mängel schmälerten jedoch die Bedeutung und den Wert des Einigungsvertrages nicht.
Nur ein Viertel der Ostdeutschen fühlen sich als richtige Bundesbürger
Dass die Spaltung in den Köpfen anhält, legte am selben Tag eine Erhebung nahe, die im Auftrag des einstigen DDR-Sozialverbandes "Volkssolidarität" - heute einer der größten Wohlfahrtsorganisationen im Osten des Landes - erstellt wurde: In den neuen Bundesländern fühlen sich lediglich 25 Prozent der Ostdeutschen "als richtige Bundesbürger".
Im Kronprinzenpalais ließen Hauptprotagonisten in einer Talkrunde noch einmal jene dramatischen Tage Revue passieren - der einstige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der SPD-Politiker Rolf Schwanitz und der Bürgerrechtler Konrad Weiß.
Es war der Jurist Lothar de Maizière, der kühl anmerkte, dass nach 40 Jahren unterschiedlicher Rechtsordnung manches einfach nicht vereinbar gewesen sei. Immerhin, am Ende gab es doch noch mehr als grünen Pfeil und Ampelmännchen, so der Christdemokrat: So hätten die Ostdeutschen das volle Erbrecht für Kinder in die Einheit mit eingebracht, die außerhalb der Ehe geboren wurden.
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[QUOTE=wahrheitsfreund;6144121]Die Wiedervereinigung war eine gute Sache, aber WIE sie vonstatten gegangen ist, war mehr als schlecht. Der einzige Verdienst Helmut Kohls zur Wiedervereinigung war übrigens der, dass er gerade [...] mehr...
ein geigespielender übergangs-hanswurst gibt zu, das ser nicht manns genug war, kohl und konsorten paroli zu bieten. 20 jahr später. na toll. als persönlichkeit mehr als anerkennungswert, schade dass er nicht weiter gekommen [...] mehr...
Wenn dies das Verständnis für Wirtschaft in der DDR darstellt, dann wundert es, dass es 40 Jahre bis zur Pleite gedauert hat. Es gibt auch Schulden, ohne tägliche Mahnungen im Briefkasten. mehr...
Hallo, es wurde eine weitere Sache von der DDR übernommen, die eine viel größere Tragweite hat, als Ampelmännchen und grüner Pfeil: Die unselige Fristenlösung der Abtreibung, die jedes Jahr weit über 100.000 ungeborenen Menschen [...] mehr...
Die Wiedervereinigung war eine gute Sache, aber WIE sie vonstatten gegangen ist, war mehr als schlecht. Der einzige Verdienst Helmut Kohls zur Wiedervereinigung war übrigens der, dass er gerade Bundeskanzler war, als es passiert [...] mehr...
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