Eine Analyse von Gerd Langguth
Angela Merkel hat sich in einer Weise vom Noch-Bundesbanker Thilo Sarrazin distanziert, die vielen ihrer Parteifreunde zu weit geht. Thilo Sarrazin ist deshalb nicht nur ein Fall für die SPD, auch wenn diese jetzt viele Briefe und E-Mails von eigenen Mitgliedern und Anhängern erreicht, ihr prominentes Mitglied nicht aus der Partei auszuschließen. Auch die CDU-Parteivorsitzende und Regierungschefin bekommt im Moment zahlreiche kritische Briefe und E-Mails.
Als Kanzlerin sah sich Merkel gezwungen, sich zu Sarrazin zu äußern, der auf Vorschlag der beiden SPD-regierten Länder Berlin und Brandenburg zur Zeit der Großen Koalition - und das gegen den Willen des Bundesbank-Präsidenten Weber - in den Vorstand der Bundesbank berufen wurde. Merkel hat Mitverantwortung für diese Berufung. Aber es heißt, schon damals habe sie diesen SPD-Vorschlag nur deshalb durchgewinkt, weil sie keinen Krach im Bündnis haben wollte.
Da Sarrazin wegen seiner hochrangigen öffentlichen Stellung im Ausland als Teil des deutschen Regierungssystems angesehen werde, sei sie verpflichtet gewesen, sich so drastisch zu äußern, dass sie sogar mehr oder minder unverhüllt den Vorstand der Bundesbank aufforderte, man möge sich von Sarrazin trennen. Ob diese Aufforderung in dieser Form der sonst immer so betonten Unabhängigkeit der Bundesbank gerecht wird, sei dahingestellt.
Was hätte Kohl getan?
Dass auch ein Parteiausschlussverfahren gar nicht so einfach ist, musste selbst die CDU im Fall Martin Hohmann erfahren: Der einstige hessische, fundamental-katholische CDU-Abgeordnete geriet wegen einiger kruder Äußerungen zum Judentum unter heftigen Beschuss, weswegen er - erstmalig in der Geschichte der Union - aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ausgeschlossen wurde.
Gegen die Entscheidung der Parteischiedsgerichte auf Landes- und auf Bundesebene, die ebenfalls seinen Ausschluss beschlossen hatten, klagte er zunächst beim Landgericht Berlin. Die nächste Instanz, das Kammergericht Berlin, wies Hohmanns Berufung ab, auch der Bundesgerichtshof befasste sich im Dezember 2007 mit diesem Fall. Ähnliches könnte jetzt der SPD mit Sarrazin passieren, wenn dieser gegen das zu erwartende Ausschlussurteil des Parteischiedsgerichts Revision einlegt.
Wie hätte Merkels einstiger Ziehvater Helmut Kohl einen Fall Sarrazin gelöst? Kohl hatte in seiner Zeit als Kanzler und Parteivorsitzender dafür gesorgt, dass seine Partei durch Flügelpersonen die Breite der Bevölkerung abdeckte. Die Zahl solch sichtbarer Repräsentanten, gerade der "konservativen" in der Jetztzeit-CDU, ist hingegen überschaubar.
Als Kanzler hätte Kohl sicher aus staatspolitischen Gründen heraus - auch wegen der Wirkung gegenüber dem Ausland - eine rhetorisch verschwurbelte Erklärung abgegeben, die einerseits eine Distanzierung gewesen wäre, die andererseits aber auch Verständnis für manche Grundanliegen Sarrazins zum Ausdruck gebracht hätte. Merkel, jetzt unter dem Druck, "Führung" zeigen zu müssen, setzte sich an die Spitze der Anti-Sarrazin-Bewegung. So hätte das ihr politischer Erfinder sicher nicht gemacht.
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Merkel wird an der Basis der CDU wegen ihrer harschen Sarrazin-Schelte heftig kritisiert. In der Wählerschaft der Union gibt es viele, die mit einigen Grundpositionen Sarrazins sympathisieren, die durch die Protestantin Angela Merkel die Werte des christlich geprägten Abendlandes nicht genügend verteidigt sehen. Noch während ihrer Zeit als Oppositionsführerin kämpfte Merkel gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union - seit sie Kanzlerin ist, hat sie diese Position weitgehend aufgegeben.
Hinzu kommt, dass der merkelsche Modernisierungskurs ihrer Partei ein entspannteres Verhältnis zu den Migranten verordnet hat. Wurde noch vor wenigen Jahren von fast allen Unionspolitikern der Begriff "Einwanderungsland" rundweg abgelehnt, wird jetzt im CDU-Grundsatzprogramm von Deutschland als einem "Integrationsland" gesprochen. Es gibt mehr und mehr türkischstämmige Parteimitglieder in der Union - und es wächst die Einsicht, dass inzwischen die Zahl der türkischstämmigen Wähler so hoch ist, dass diese bei einem knappen Wahlausgang entscheidend sein können. Immerhin besitzen von den rund vier Millionen Muslimen in Deutschland - mehr als 63 Prozent stammen aus der Türkei - etwa 45 Prozent der im Laufe der Jahre Eingewanderten die deutsche Staatsangehörigkeit.
Die Union als Hort des christlichen Abendlands gibt es nicht mehr. Das bringt zweifelsohne manche Wähler zur Verzweiflung - und auch zur Wahlenthaltung. Ein Jörg Haider oder ein Geert Wilders hätte auch in Deutschland eine politische Basis.
Wer aber vermutet, eine islamkritische Bewegung in Deutschland hätte nur Unterstützung aus den Reihen dann ehemaliger Unionswähler, der irrt. Es ist nicht das Großbürgertum oder die Mittelschicht, die sich in Deutschland in erster Linie durch Migranten bedroht fühlt, es sind eher die ökonomisch schlechtergestellten sozialen Schichten, die ja auch zu den bevorzugten Adressaten der SPD-Politik gehören.
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Denn Deutschlands Probleme hier sind (mindestens) doppelter Natur, da die Anwesenheit verschiedener Völkerschaften in einem Staat gewöhnlich zu inneren Wirren führt wie schon Aristoteles erkannte: „Zu Aufständen führt auch die [...] mehr...
Vielleicht (aber wer hat dazu Zeit? :) müssten Sie diese Aussage an der Mehrheit der Postings in diesem und anderen Threads zum Thema konkretisieren, ich habe hier kein vielstimmiges "Ausländer raus!" gehört/gelesen [...] mehr...
Es ist für mich erstaunlich, wie viele Schreiber sich die riesige Welt kleindenken: Ihre Welt besteht nur noch aus Migranten und Nicht-Migranten. Einsam und verbittert. Sie tun mir leid. mehr...
dass Sie hier nicht bestimmen dürfen wer was sagen darf. mehr...
Diese Punkte betreffen ja die drängendsten Probleme der näheren Zukunft: - Finanzsystem - Ressourcenknappheit - Klimawandel Diese Probleme beeinflussen sich gegenseitig, und sie bilden die Basis für alle weiteren Probleme. [...] mehr...
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