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05.09.2010
 

SMS-Indiskretion

Merkel und Gabriel beenden Funkstille

SPD-Chef Gabriel, Kanzlerin Merkel (Archiv): "Danke für die Info"Zur Großansicht
DDP

SPD-Chef Gabriel, Kanzlerin Merkel (Archiv): "Danke für die Info"

Der Ärger der Kanzlerin war riesig: Nachdem ihre SMS an Sigmar Gabriel im SPIEGEL abgedruckt worden war, sprach Angela Merkel fast drei Monate nicht mehr mit dem SPD-Parteichef. Nun ist die Funkstille beendet - gerade rechtzeitig vor dem Rededuell im Bundestag.

Berlin - Die Angelegenheit hatte für nachhaltige Verstimmung im Kanzleramt gesorgt - und scheint nun endlich bereinigt: Nach fast dreimonatiger Funkstille wegen einer SMS-Indiskretion reden Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Sigmar Gabriel wieder miteinander. "Sie hat sich auch nach meiner Knieoperation erkundigt", berichtete Gabriel am Sonntag bei einer Veranstaltung im Theater Berliner Ensemble.

Merkel hatte Anfang Juni den Kontakt abgebrochen. Der Grund: Im SPIEGEL war ein SMS-Wechsel zwischen der Kanzlerin und Gabriel zu lesen. Der SPD-Chef hatte Merkel in einer Kurznachricht Joachim Gauck als überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Merkel antwortete ebenfalls per SMS: "Danke für die info und herzliche Grüße am."

Der Ärger über die Indiskretion war bei Merkel so groß, dass sie Gabriels Entschuldigungsversuch via SMS unbeantwortet ließ.

Gabriel versicherte am Sonntag erneut, er habe die SMS damals nicht öffentlich gemacht: "Ich gebe so etwas prinzipiell nicht weiter." Der SPD-Chef verwies darauf, dass es schließlich auch noch andere Empfänger der SMS gegeben habe. Nicht klar dazu äußern wollte sich Gabriel, ob er inzwischen mit Merkel auch wieder Kurznachrichten austauscht.

Am 15. September stehen sich beide im Bundestag zum Rededuell gegenüber. Eigentlich wäre Frank-Walter Steinmeier an der Reihe gewesen, doch der SPD-Fraktionschef fällt wegen seiner Nierenoperation aus.

hut/dpa

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Kurzporträts der SPD-Spitze

Parteivorsitzender: Sigmar Gabriel

REUTERS
Mit 51 Jahren ist Gabriel jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Gabriel gilt als politisches Naturtalent, geschickter Verkäufer und Selbstvermarkter.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist liiert mit einer Zahnärztin.

Parteivize: Manuela Schwesig

Parteivize: Hannelore Kraft

Parteivize: Klaus Wowereit

Parteivize: Olaf Scholz

Generalsekretärin: Andrea Nahles

Bundesgeschäftsführerin: Astrid Klug

Schwarz-gelbe Baustellen

Sparpaket

dpa
Bis 2014 wollen Union und FDP im Bundeshaushalt 81,6 Milliarden Euro einsparen, vor allem bei Arbeitslosen, Familien und im Öffentlichen Dienst. Auch die Wirtschaft soll zur Kasse gebeten werden. Aus der Union gibt es aber Forderungen, Spitzenverdiener stärker zu belasten, weil das Paket zu unsozial sei.

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