Hamburg - Ein besorgte Bürger erstattete am 3. September Anzeige bei der Polizei Köln: In einem Eintrag auf der Internetplattform Facebook hatte er eine Morddrohung gegen Thilo Sarrazin gelesen.
Es ist nicht sicher, ob der Vorgang in Köln weiterbearbeitet wird - Sarrazin lebt in Berlin. "Die Staatsanwaltschaft Köln prüft, ob eine Zuständigkeit für die Kölner Behörden besteht", sagte Oberstaatsanwalt Rainer Wolf SPIEGEL ONLINE. Ihm liege auch der Interneteintrag nicht vor, fügte Wolf hinzu. Derzeit sei noch unklar, ob es sich tatsächlich um eine Drohung oder möglicherweise eher um eine "Todeswünschung" handele.
Morddrohung oder Todeswünschung: Für Sarrazin dürfte es eine neue Stufe in den Anfeindungen sein, die der 65-Jährige derzeit wegen seiner umstrittenen Thesen zur Integration erlebt. Zwar erhält der Bundesbanker auch massenweise Zustimmung von vielen Bürgern, aber auch verbale Angriffe erlebte Sarrazin zuletzt.
"Sarrazin, Du Nazi-Schwein", rief am Montag in Berlin ein junger Mann aus einem an der Ampel wartenden Wagen nach einem Auftritt Sarrazins beim "dbb"-Forum. Der frühere Berliner Finanzsenator bekräftigte bei dem Auftritt seine Behauptung, dass besonders muslimische Einwanderergruppen oft zu wenig integrationsbereit seien. Aber seine Polemik wirkte gedämpft. 70 Prozent der Migranten würden "ihre Sache ganz ordentlich machen", sagte Sarrazin. Er wirkte müde. Dem SPIEGEL hatte er zuvor gesagt, dass er derzeit zu wenig schlafe und nur mühsam Ruhe finde.
Auch in den nächsten Tagen muss sich Sarrazin auf massiven Protest einstellen: Ein Bündnis linker Gruppen will lautstark demonstrieren, wenn Sarrazin am Donnerstag in Potsdam aus seinem umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab" liest. Unter dem Motto "Keine Toleranz für Rassisten" sei vor dem Veranstaltungsort in der Innenstadt eine Kundgebung mit mehr als hundert Teilnehmern angemeldet, sagte Polizeisprecher Mario Heinemann.
Ursprünglich sollte Sarrazins Lesereise in einer Buchhandlung in Hildesheim starten. Der dortige Buchhändler sagte die Veranstaltung jedoch aus Sicherheitsgründen ab.
Sarrazins Buch sorgt seit Tagen für Aufregung. Die Bundesbank will ihn wegen seiner umstrittenen Thesen aus dem Vorstand abberufen. Auch die SPD will ihn ausschließen: Nach dem Vorstand der Bundes-SPD und dem Berliner Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf stellte am Montagabend auch der Berliner Landesvorstand einen Antrag auf Parteiausschluss gegen den ehemaligen Berliner Finanzsenator. Die Entscheidung fiel nahezu einstimmig. Lediglich ein Mitglied des Landesvorstandes stimmte mit Nein, ein weiteres enthielt sich.
hen/dpa
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Wenn Ihnen mal Türken begegnen, erzählen Sie es Ihnen mal. Würden sie sich als Teile unseres Volkes betrachten, korrekterweise müsste man vielleicht sagen, der deutschen Nation, wäre das Thema abgehakt und alles paletti. Ich [...] mehr...
Je länger das Ereignis zurückliegt, desto höher wurden die Opferzahlen ;o) Gut, dass die Sowjetunion 1990 unterging, sonst würde die Zahl inzwischen bei 60 bis 70 Millionen liegen Das zeigt, dass es Sie nicht im Geringsten [...] mehr...
Tut mir leid, Sie haben mich in die völlig falsche Ecke getan ... falscher geht schon nicht mehr. Bei uns gibt es seit vielen Jahren einen christlich-islamischen Dialog, bei uns (wie gesagt einem kleinen Vorort) habe ich mich [...] mehr...
"Das Volk aufhetzen" - ach Gottchen, wie drollig. Als wäre "das Volk" völlig unmündig, sich selbst sein Urteil zu bilden. Und dann verdient der olle Sarrazin doch glatt noch, dafür gekillt zu werden. [...] mehr...
Ganz so simpel sehe ich es nicht. Und was Ihre Flüchtlingsgeschichte angeht: in meiner Familie gibt es beides: die Flüchtlinge aus Ostpreußen (väterlicherseits) und die, die immer hier in der Region lebten und zweimal [...] mehr...
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