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09.09.2010
 

Rückzug aus Parteivorstand

Steinbach will CDU-Spitze verlassen

Vertriebenenpräsidentin Steinbach: "Nur noch eine Alibifunktion"Zur Großansicht
Getty Images

Vertriebenenpräsidentin Steinbach: "Nur noch eine Alibifunktion"

Erika Steinbach kehrt der Unionsspitze den Rücken: Die umstrittene Präsidentin des Bundes der Vertriebenen hat in einem Interview angekündigt, sich aus der CDU-Führung zurückzuziehen. Sie übe dort nur noch eine "Alibifunktion" aus und fühle sich im konservativen Flügel alleingelassen.

Berlin - Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, zieht sich aus der CDU-Führung zurück. "Ich werde nicht mehr erneut für den Parteivorstand kandidieren", kündigte Steinbach im Gespräch mit der "Welt" an. "Ich habe dort nur noch eine Alibifunktion, die ich nicht mehr wahrnehmen möchte. Ich stehe dort für das Konservative, aber ich stehe immer mehr allein", sagte sie der Zeitung.

Steinbach betont die historischen Verdienste ihrer Partei im Zusammenhang mit der Vertriebenenfrage: "Die CDU hat sich als einzige politische Kraft der Vertriebenen angenommen." Die Debatte um die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" habe sie jedoch "desillusioniert". "Der Weg zu dieser Stiftung war extrem hart", sagte sie. Ihre Absage an weitere Führungsämter kombinierte Steinbach mit einer Warnung an die Partei: "Meine CDU ist nicht auf einem guten Weg. Denn mit Anpassung zieht man keine Wähler an."

Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem nicht nur innerhalb der CDU heftig über neue Bemerkungen Steinbachs gestritten wird. Sie hatte für erheblichen Unmut gesorgt, weil sie Äußerungen von zwei BdV-Funktionären zum Zweiten Weltkrieg verteidigte. Steinbach hatte von einer polnischen Mobilmachung vor dem deutschen Angriff 1939 gesprochen. Sie hatte bei der Fraktionsklausur der Union gesagt, sie könne es "leider nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hat".

Umstrittene Äußerung zur polnischen "Mobilmachung"

Die Äußerung fiel im Zusammenhang mit einer Aussprache über die umstrittene Entsendung der CDU-Politiker Arnold Tölg und Hartmut Saenger in den Beirat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung". Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zitierte nach Angaben der "Welt" aus einem von Saenger verfassten Artikel in der "Pommerschen Zeitung", der aus seiner Sicht die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs relativierte. Daraufhin habe Steinbach ihre Verbandsmitglieder in Schutz genommen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder bestätigte, dass Steinbachs umstrittener Satz während der Klausurtagung fiel. Er sei aber sofort eingeschritten und habe klargestellt, dass in der Union niemand die Schuld der Nationalsozialisten für den Kriegsausbruch bestreite. Kanzlerin Angela Merkel habe sich seinen Worten angeschlossen, sagte Kauder. Auch Steinbach habe "in keinster Weise" relativiert, dass die Nazis den Krieg begonnen haben. Für weitergehende Schritte gebe es "keine Notwendigkeit", sagte Kauder. Er gehe davon aus, dass Steinbach ihre bisherige "hervorragende Arbeit" als Menschenrechtsbeauftragte der Fraktion weiterführe und bei den Wahlen Ende September wieder antrete. Auch CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich hatte Steinbach verteidigt. Wer sie kenne, wisse, dass sie nicht die Kriegsschuld Deutschlands relativiere.

Dennoch hat die Unionsfraktion nach Angaben der "Welt" beschlossen, Steinbach vorerst nicht mehr im Bundestag reden zu lassen. Steinbach sei für eine am Mittwoch geplante Plenardebatte von der Rednerliste gestrichen worden.

Die Äußerungen Steinbachs waren in der Koalition und der Opposition auf scharfe Kritik gestoßen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte am Rande der Klausurtagung der FDP-Fraktion in Bergisch-Gladbach, zweideutige Äußerungen, die die schwere Verantwortung Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Frage stellten, seien nicht akzeptabel. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann bezeichnete Steinbachs Äußerungen als "unerträglich". Auch die Grünen und die Linkspartei forderten Konsequenzen von der Union.

ffr/dapd/Reuters/AFP

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12.09.2010 von sysop: .

Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie über die Äußerungen von Frau Steinbach und deren Folgen in unserem neuen Heft-Forum 'Schadet die Vertriebenenfunktionärin Erika Steinbach dem Ansehen Deutschlands?' unter der URL [...] mehr...

12.09.2010 von EineStimme: Es war trotzdem Flucht

Frau Steinbachs Familie hatte in Rahmel ihren Wohnsitz und wurde daher vertrieben. In Übrigen tat die Mutter auch als Frau gut daran, vor den Russen zu fliehen, da diese sich ja durch Massenvergewaltigungen sehr hervorgetan [...] mehr...

12.09.2010 von Juro vom Koselbruch: Faktenlage klar

Das ist kein mieser Debattenstil, sondern eine Darstellung der Faktenlage. Frau Steinbach war nie Vertriebene, auch wenn sie es selber so empfunden hat. Sie war Tochter eines Besatzungsoldaten, der im Rahmen eines [...] mehr...

12.09.2010 von Caiman: Es ist also mieser Stil...

... wenn man dieser Dame mal ihre Vita vor Augen führt? Haben die Polen die Eltern dieser Dame eingeladen, als Besatzer nach Polen zu kommen? Ist es demzufolge unrecht, wenn jemand seine Besatzer loswerden möchte? Wieso gibt es [...] mehr...

12.09.2010 von Eliza: Mies

Wo auch immer sie geboren sein mag, wer auch immer ihre Eltern sein mögen, ihre inkriminierte Aussage war dennoch zutreffend. Halten Sie diese Attacke ad personam Steinbach für ein sachliches Argument? Das ist ein äußerst [...] mehr...

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Ostgebiete und Vertriebene

Vorgeschichte

DPA
Auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 einigten sich die Mächte der Anti-Hitler-Koalition auf das Potsdamer Abkommen . Die Gebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße wurden der Verwaltung Polens, das nördliche Ostpreußen der UdSSR unterstellt. Die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus Polen (einschließlich der bisherigen deutschen Ostgebiete), der Tschechoslowakei und Ungarn sollte "in humaner Weise" erfolgen. Über zehn Millionen Menschen waren aus ihrer Heimat geflüchtet oder wurden vertrieben. 473.000 Todesfälle bei Flucht oder Vertreibung sind belegt. Die DDR erkannte 1950 die Oder-Neiße-Linie im Görlitzer Vertrag als ihre Grenze zu Polen an. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag war eine Voraussetzung und machte den Weg frei für die Wiedervereinigung . 1990 gab die Bundesrepublik im Rahmen des Deutsch-Polnischen Grenzvertrags jegliche Gebietsansprüche auf die ehemaligen Ostgebiete auf.

Flucht und Vertreibung

Bund der Vertriebenen

Ostpreußen

(Ost-)Pommern

Ostbrandenburg (Neumark)

Schlesien

Sudetenland


Das Zentrum gegen Vertreibungen

Die Idee

DPA
Seit neun Jahren wird über die Errichtung eines Dokumentationszentrums zu den Vertreibungen im Europa des 20. Jahrhunderts diskutiert. Im September 2000 gründeten Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach (CDU) und der inzwischen verstorbene SPD-Politiker Peter Glotz die Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" mit dem Ziel, eine solche Gedenkstätte in Berlin zu schaffen.

Die Kritik

Unterstützung von der Union

Die Zusammensetzung der Stiftung

Der Streit um Erika Steinbach

Der Streit um Vertriebenen-Vertreter

Die Ausstellung

Die Kosten






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