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09.09.2010
 

Geheimabsprache mit AKW-Betreibern

Atom-Deal enthält Schutzklausel für Regierungswechsel

Von Stefan Schultz

Anti-Atomkraft-Plakat: Massive Schutzklauseln im AtomvertragZur Großansicht
DPA / Greenpeace

Anti-Atomkraft-Plakat: Massive Schutzklauseln im Atomvertrag

Der Geheimvertrag zwischen Regierung und Energieriesen enthält mehr Schutzklauseln als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen sichern sich die Konzerne darin gegen eine höhere Brennelementesteuer und einen Regierungswechsel ab. Ausgaben für Sicherheit werden auf einen Maximalbetrag begrenzt.

Hamburg - Die Verlängerung der Atomlaufzeiten spaltet die Republik. Vorerst können sich die Energiekonzerne über zusätzliche Laufzeiten für ihre Meiler freuen. In Sicherheit wiegen können sie sich indes nicht. Was nach der nächsten Bundestagswahl passiert, weiß keiner. Was, wenn die nächste Regierung aus dem Ausstieg wieder aussteigt, den AKW also die Extra-Laufzeiten wieder streicht?

Dass dieser Fall so abwegig nicht ist, zeigt ein Geheimvertrag, den Regierung und Energiekonzerne kurz nach der entscheidenden Koalitionsrunde unterzeichnet haben. Das Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, enthält unter Paragraf 4 eine Art Schutzklausel für einen möglichen Regierungswechsel.

In dem Abkommen sichert die Regierung den Konzernen zu, dass die vereinbarten Beiträge für erneuerbare Energien, die sie im Gegenzug für die Laufzeitverlängerung zahlen müssen, sinken, wenn insgesamt oder für einzelne Atomkraftwerke die Bestimmungen zur Laufzeitverlängerung "verkürzt, verändert, unwirksam oder aufgehoben werden oder in sonstiger Weise entfallen".

Noch stärker schützt der Vertrag die Konzerne in Paragraf 4b. Dort ist geregelt, dass die Energieriesen weniger Atomabgaben leisten müssen, wenn "ab dem 6. September gestellte Nachrüstungs- oder Sicherheitsanforderungen einen Gesamtbetrag von 500 Millionen Euro für das betreffende Kraftwerk überschreiten".

Die Abgabe verringert sich außerdem, wenn die zwischen Atomkonzernen und Regierung vereinbarte Brennelementesteuer in Höhe von 145 Euro pro verwendetem Gramm Plutonium angehoben oder über den vereinbarten Zeitraum bis 2016 verlängert wird. Oder wenn "eine anderweitige Steuer, Abgabe oder sonstige Belastung eingeführt, begründet oder erhöht wird, durch die eine Zahlungspflicht im Zusammenhang mit dem Kernbrennstoffkreislauf (einschließlich Entsorgung), der Elektrizitätsversorgung aus Kernenergie, der Verteilung oder dem Handel von Elektrizität aus Kernenergie entsteht".

Im Klartext: Fast jede Steuer, die die Regierung künftig für die Atomkraft erhebt, lässt sich mit den Steuern aus dem aktuellen Atom-Deal verrechnen - auch mögliche Änderungen bei der Atommüllsteuer.

Die Opposition verurteilt die Vereinbarungen scharf. "Die Regierung hatte gute Gründe, den Vertrag geheim halten zu wollen", sagt der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell. "Hier wird die Sicherheit der Bürger den Gewinninteressen der Atomkonzerne geopfert." Der Vertrag sei schmutzig, "da die Regierung dem Diktat der Konzerne gefolgt ist".

"Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Regierung die Sicherheit der Bevölkerung so dreist verkauft", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel der Deutschen Presse-Agentur. "Der Geheimvertrag zwischen der Bundesregierung und den vier Atomkonzernen zeigt: Merkel, Westerwelle und Röttgen vertreten nicht das Gemeinwohl, sondern die Interessen der vier Energie-Monopolisten."

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insgesamt 41 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.09.2010 von Erik Mattutat: wirklich unmöglich? - jetzt wohl nicht mehr

Also, ich habe da mal einen Vertrag mit der Bundesregierung geschlossen, dass ich keine Steuern mehr zahlen muss, wenn eine anders zusammengesetzte Regierung gewählt wird. mehr...

14.09.2010 von Cleo96: .

Nun, wie weit das Demokratie-Unverständnis verbreitet ist - und wie man dies ausnutzen kann - sieht man doch täglich: Nicht nur in der "Regierung", auch bei Populisten/Rattenfängern wie Wilders und Sarrazin. Oder [...] mehr...

11.09.2010 von Tork: Die Presse steht eigentlich in der Pflicht ....

Genau das erschreckt mich auch. Anstatt der Regierung Druck zu machen, wird deren Unterhöhlung der Demokratie und der unglaubliche Verstoß gegen ihre Schutzpflicht mit Nachrichten überdeckt, welche Menschen in den Mittelpunkt [...] mehr...

11.09.2010 von olaf m.: Danke an gary diculo

[QUOTE=gary diculo;6209887] Herzlichen Dank - hätte ich Töffel auch selber drauf kommen können. Habe mir das Schriftstück eben angesehen - es klingt, als müßte man es fünfmal lesen, um mit Überlegungen zu beginnen, wie es [...] mehr...

11.09.2010 von AndyDaWiz: Verfall der Werte

Irgendwie glaubt jeder, man kann Unternehmer zum Unternehmer-Sein zwingen. Wenn sich was nicht lohnt, wird es eingestellt. Wenn der Proll also was will (Strom), muss er dafuer sorgen, dass sich das fuer den lohnt, der es [...] mehr...

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