Berlin - Laut "Bild am Sonntag" hat sich bereits eine Front unionsregierter Bundesländer gegen das Korrekturgesetz zu Hartz IV gebildet. Wie die Zeitung unter Berufung auf die Unionsführung berichtet, wollen Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und das Saarland das Gesetz im Bundesrat ablehnen. Union und SPD hatten am Donnerstag im Bundestag unter anderem beschlossen, dass hartnäckigen Arbeitsverweigerern die Unterstützung gestrichen werden kann. Den Unions-Länderchefs reichen die Änderungen angesichts der steigenden Kosten für Hartz IV aber nicht aus.
Milbradt und Stoiber: Gegen Blockade
Edmund Stoiber (CSU) kündigte jedoch in Widerspruch zu dem Bericht an, dass sich Bayern in der Länderkammer hinter das Gesetz stellen wird. Auch Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte vor einer Blockade im Bundesrat. Beide Unions-Politiker plädierten am Sonntag zugleich für einen zweiten Korrekturschritt im Herbst.
Stoiber bekräftigte, dass das von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) vorgelegte Gesetz ein "erster Schritt in die richtige Richtung gegen den Missbrauch von 'Hartz IV'" sei. Deshalb würden die CSU und Bayern dieses Gesetz unterstützen.
Der Münchner Regierungschef machte zudem deutlich, dass Bayern gemeinsam mit weiteren Unions-regierten Ländern und der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an Vorschlägen für eine generelle Überarbeitung von "Hartz IV" in einem zweiten Schritt arbeite.
Heil: "Nicht in den Rücken fallen"
Ergebnisse sollten bis zum Herbst vorliegen und dann mit der SPD besprochen werden. "Ziel ist es, das Prinzip Fordern und Fördern in der Praxis durchzusetzen und den Grundsatz einzuhalten: Wer arbeitet, muss mehr in der Tasche haben als derjenige, der nicht arbeitet", betonte Stoiber. Er zeigte sich zuversichtlich, hier mit dem Koalitionspartner SPD eine "gute Gesprächsbasis" zu haben.
Milbradt unterstrich, auch er halte noch weitere Änderungen für notwendig. Zunächst sollten jedoch Erfahrungen mit den Neuregelungen ausgewertet werden. Erst in einem zweiten Schritt im Herbst sollten dann weitere Regelungen beschlossen werden.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte im ZDF, nach den Sommerferien werde es eine Debatte über eine "grundlegende Veränderung der 'Hartz IV'-Gesetze" geben. Dies sei auch notwendig, damit "die Menschen das Gesetz überhaupt wieder verstehen".
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil verlangte in der "Bild am Sonntag" von den Ministerpräsidenten der Union, der großen Koalition nicht in den Rücken zu fallen. "Ich appelliere an die gemeinsame Verantwortung von CDU, CSU und SPD", sagte Heil. Die Koalition sei "ein Bündnis aus drei Parteien, nicht nur aus zwei Bundestagsfraktionen".
Helmut Stoltenberg, ddp (mit Material von dpa)
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