Leipzig/Berlin - "Ich bin der Meinung, dass, wenn wir Gäste bekommen, wir sie auch gastfreundlich empfangen müssen, unabhängig, ob es politische Unterschiede gibt. Wenn man Gastgeber eines solchen internationalen Ereignisses ist, kann man nicht differenzieren zwischen den Gästen", sagte der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) der "Leipziger Volkszeitung" als er auf einen möglichen Besuch Ahmadinedschads angesprochen wurde.
Ganz so gastfreundlich wie Milbradt wollen sich andere Politiker nicht geben. Parteiübergreifend hatten etwa Grünen-Chefin Claudia Roth und Bayerns CSU-Innenminister Günther Beckstein anlässlich der ersten WM-Begegnung des iranischen Teams deutlich gemacht: Ahmadindschad ist im Gastgeberland der WM unerwünscht. Beckstein nannte Ahmadinedschad einen "Verbrecher", der in Deutschland nicht willkommen sei. Eine Verhöhnung der Opfer des Holocausts, warf ihm Roth vor.
Beide äußerten sich bei einer Kundgebung in Nürnberg, wo die iranische Mannschaft zu ihrem ersten WM-Spiel antrat, in der Partie gegen Mexiko. Zu der von der Jüdischen Gemeinde organisierten Demonstration hatten sich mehr als 1000 Menschen in der Innenstadt versammelt. Die neue Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, verlangte bei der Veranstaltung, ein Einreiseverbot gegen Ahmadinedschad zu verhängen.
Weitere Proteste in Leipzig geplant
Weitere Protest-Aktionen gegen einen möglichen WM-Besuch des iranischen Präsidenten, der vor allem mit antisemitischen und Isreal-feindlichen Parolen von sich reden macht, dürften folgen, etwa wenn die iranischen Fußballer am 21. Juni in Leipzig gegen Angola antreten. Das Bündnis gegen Antisemitismus in Leipzig plant eine Demonstration gegen die iranische Regierung, und die wird auch vom Oberbürgermeister der Stadt unterstützt. Er werde sich an dem Protest vor dem Bundesverwaltungsgericht beteiligen, kündigte Burkhard Jung am Sonntag in Leipzig an.
"Auch solche Dinge gehören bei einer Fußballweltmeisterschaft dazu", sagte der SPD-Politiker. Er unterstrich, dass sich der Protest nicht gegen das iranische Volk oder die iranische Mannschaft richte, die an diesem Tag ihre Partie gegen Angola in Leipzig bestreitet. Aus der Geschichte heraus gebe es eine spezifische Verantwortung Deutschlands, für den Schutz des Staates Israel einzutreten.
Der Fraktionsvize der CDU/CSU im Bundestag, Wolfgang Bosbach, sagte dem "Tagesspiegel", es sei sehr schwer, Ahmadinedschad als Staatsoberhaupt eine eventuelle Einreise zu verwehren. Bosbach verwies unter anderem auf Verträge mit dem Fußball-Weltverband FIFA, die es erschwerten, eine Einreise des umstrittenen iranischen Staatschefs zu verhindern.
Möglicherweise steht das Problem in konkreter Form aber gar nicht an. Ahmadinedschad hat einen WM-Besuch zwar nicht ausgeschlossen, in Teheran hieß es am Sonntag aber, ein Besuch bei der Fußball-WM sei eher unwahrscheinlich. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid-Resa Assefi, sagte, das mögliche Erreichen des Achtelfinales der iranischen Nationalelef sei "zu wenig" für eine Reise des Präsidenten nach Deutschland.
fok/AP/dpa
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