Von Hans Halter
Berlin – Der ehemalige Chef der DDR-Auslandsspionage und stellvertretende Minister für Staatssicherheit, Markus "Mischa" Wolf, ist am Samstagvormittag in Berlin auf dem Friedrichsfelder Zentralfriedhof, an der "Gedenkstätte der Sozialisten" beigesetzt worden. Seine pompöse Beerdigung stilisierten die überlebenden Hoheitsträger der DDR zu einem nostalgischen Staatsakt für ihre untergegangene Republik.
Begräbnis von Markus Wolf: Männer tragen die Urne zum Grab
Am Grab nahm die alte Elite der DDR Abschied von einem der ihren. Erschienen waren die ehemaligen SED/PDS-Vorsitzenden Hans Modrow, 1989/90 Vorsitzender des Ministerrats; Lothar Bisky, sein Nachfolger im Parteivorsitz; die Generalobersten Fritz Streletz (Nationale Volksarmee) und Werner Großmann (Staatssicherheitsdienst); dazu hunderte ergraute Kader aus Partei, Kunst und Kultur – denn Markus Wolf legte nach der Wende Wert darauf, als Dichter und feinsinniger Grandseigneur zu gelten.
"Geheimdienst ist ein hartes Gewerbe"
"Er wird immer in unserem Herzen weiterleben", rief Vladimir Kotenev, der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter Russlands, den deutschen Leidtragenden zu. Denn: "Deutschland hat einen seiner besten Söhne verloren, Russland einen seiner besten Freunde". Der wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung 1997 rechtskräftig zu zwei Jahren Gefängnis (auf Bewährung) verurteilte Geheimdienstchef habe sich, so Exzellenz Kotenev, im Leben durch Wärme und Weitsicht, vor allem durch Treue ausgezeichnet.
Markus Wolf: Der Geheimdienstchef der DDR wurde in Berlin beerdigt
Kein Wort über die Schandtaten der Stasi
Über die Schandtaten der Stasi, dessen stellvertretender Minister der Verstorbene drei Jahrzehnte lang war, wurde bei seiner Grablegung kein Wort verloren. Es spielte eine sentimentale Kapelle zu Herzen gehende Lieder aus den Weiten Russlands. Lieder von Liebe, Winter und Tod, einige mit jüdischen Anklängen. Treue, Ehre und Idealismus des Dunkelmanns beschwor Linkspartei-Chef Bisky, als die Urne neben Wolfs Bruder Konrad in die Erde gesenkt wurde. Wolfs Vater Friedrich, einem "Anarcho-Kommunist", wird 40 Meter entfernt im Ehrenmal der Sozialisten gedacht.
Als letztes Lebewohl, während sich die Blumen am Grab schon zu Bergen häuften, blies ein Musikant in der Ferne das "Lied vom kleinen Trompeter", gewidmet dem "lustigen Rotgardistenblut" des Markus "Mischa" Wolf, 1923-2006.
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