Berlin/Hamburg - Durchsucht worden war die Wohnung Kowtuns, im Hamburger Stadtteil Ottensen sowie eine weitere Wohnung im gleichen Haus. In dieser Wohnung wurde nach Worten von Polizeisprecherin Ulrike Sweden die Strahlung festgestellt. Allerdings sei keine Strahlenquelle entdeckt worden. Es sei nicht auszuschließen, dass entweder eine Person oder ein Gegenstand gestrahlt hätten. Jetzt müsse man die weiteren Untersuchungen abwarten.
Durchsuchung in Hamburg: Polizeibeamte sichern den Eingang zu einem Wohnhaus im Stadtteil Ottensen
Es sei nicht auszuschließen, dass der Londoner Gift-Anschlag auf den Ex-Spion Alexander Litwinenko in der Hansestadt vorbereitet wurde, berichtet "Welt.de" unter Berufung auf Polizeikreise. Zuvor hatte die Hamburger Polizeisprecherin Ulrike Sweden erklärt, es lägen bislang keine Hinweise vor, dass Kowtun in die Vergiftung verwickelt sei. Alles andere sei reine Spekulation. "Wir sind rein im Gefahrenabwehrbereich tätig. Wir wollen ausschließen, dass sich Polonium im Haus befindet", erklärte sie. Laut Polizei würden weitere Aufenthaltsorte und mögliche Kontaktpersonen Kowtuns ermittelt.
Bis vor einigen Wochen soll Kowtun seine Räume in Hamburgs Westen noch bewohnt haben. Die Wohnung befindet sich in einem Mehrfamilienhaus mit etwa 30 Mietern. Für sie bestehe jedoch keine Gefahr, teilte die Polizeisprecherin mit.
Die Polizei rief dennoch alle Personen, die Kontakt zu Kowtun hatten, auf, sich zu melden. Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass es sich bei Polonium 210 um eine schwach strahlende Substanz handele, die nur in einem geringen Umkreis Wirkung entfalte. Eine Gefahr ergebe sich lediglich bei Einnahme oder Kontakt mit offenen Wunden.
Bisher war im Fall Litwinenko lediglich in so weit eine Verbindung nach Deutschland klar gewesen, als dass Litwinenkos Kontaktmann Kowtun am 31. Oktober von Hamburg aus nach London geflogen war. Dort hatte er einen Tag später gemeinsam mit Andrej Lugowoi in einem Londoner Hotel Litwinenko getroffen - alle drei Männer waren früher für den russischen Geheimdienst aktiv. Der 1. November war der Tag, an dem Litwinenko vergiftet wurde. Inzwischen liegen auch Kowtun und Lugowoi im Krankenhaus. Beide sind den Berichten der Moskauer Ärzte zufolge ebenfalls verstrahlt.
Kowtun wurde in Moskau von britischen und russischen Ermittlern vernommen. Ein Anwalt wies am Freitag noch einmal eine Meldung der russischen Nachrichtenagentur Interfax zurück, wonach Kowtun nach seiner Befragung ins Koma gefallen sei. Er sei im selben Zustand wie vor der Befragung, sagte der Anwalt Andrej Romaschow.
Die Polizei machte gestern Abend keine weiteren Angaben, berief sich auf eine vorläufige Nachrichtensperre. Der Führungsstab der Polizei Hamburg trat umgehend zusammen, heißt es in dem "welt.de"-Bericht weiter. Für die diensthabenden Polizisten in dem Bezirk wurde eine Ausgangssperre verhängt.
reh/ler/rüd/dpa/ddp/AP
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