Hamburg - Die Sehnsucht nach der Opposition wächst in der SPD. In einer Forsa-Befragung unter 1003 repräsentativ ausgewählten SPD-Mitgliedern im Zeitraum vom 8. bis 11. Mai 2007 für das Magazin "Stern" urteilten 58 Prozent der befragten SPD-Mitglieder, in der Zusammenarbeit mit der Union habe die Partei ihre Prinzipien verraten. 52 Prozent sagten, die Arbeit in der Großen Koalition schade der SPD. Je 62 Prozent sagen Nein zur Rente mit 67 und zur geplanten Unternehmenssteuerreform. Aus Sicht von fast zwei Dritteln (63 Prozent) würde der SPD eine Zeit in der Opposition gut tun, um wieder zu sich selbst zu finden.
SPD: Die Parteiführung lässt die Basis im Regen stehen
Becks Arbeit als Parteichef bewertet nicht einmal die Hälfte der Basis als gut (43 Prozent) oder sehr gut (fünf Prozent). Und 56 Prozent der befragten Sozialdemokraten zweifeln daran, dass Beck die Partei aus der gegenwärtigen Krise führen könne. Das größte Ansehen unter den SPD-Ministern genießt bei den Parteifreunden Frank-Walter Steinmeier. 77 Prozent sagen, dass die Arbeit des Außenministers der SPD nutze; trotz der Kurnaz-Affäre glauben nur zehn Prozent, dass Steinmeier der Partei schade - der absolute Topwert. An zweiter Stelle folgt Finanzminister Peer Steinbrück (72 Prozent: nutzt; 15 Prozent: schadet). Dagegen findet die Hälfte der Genossen, dass Gesundheitsministerin Ulla Schmidt der SPD schade. Auch Vizekanzler Franz Müntefering schneidet eher bescheiden ab (53 Prozent: nutzt; 27 Prozent: schadet).
Fast ein Drittel der SPD-Mitglieder - 29 Prozent - haben laut "Stern"-Umfrage in jüngster Zeit darüber nachgedacht, ihr Parteibuch zurückzugeben, vier Prozent stehen sogar kurz vor ihrem Austritt aus der SPD. Und fast jeder zehnte Sozialdemokrat - neun Prozent - kann sich vorstellen, zur Linkspartei zu wechseln. Allerdings gaben auch 58 Prozent der Parteimitglieder an, dass sie sich momentan aktiv für die SPD im Wahlkampf engagieren würden. Und 62 Prozent glauben, dass die SPD die Bürgerschaftswahl in Hamburg Anfang nächsten Jahres gewinnen kann - anders als die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen. Dort rechnet eine Mehrheit mit einer Niederlage.
Große Mehrheit für zweite Präsidenten-Amtszeit Köhlers
Ebenfalls einer Forsa-Umfrage für den "Stern" zufolge wollen vier von fünf Bundesbürgern, dass Bundespräsident Horst Köhler für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht. 80 Prozent plädierten für eine neuerliche Kandidatur Köhlers im Mai 2009. Nur 13 Prozent lehnen eine zweite Amtszeit Köhlers ab. Bei einer Umfrage im Juli 2006 hatten 57 Prozent für eine zweite Amtszeit Köhlers plädiert.
Groß ist auch die Zufriedenheit mit der Amtsführung Köhlers, der in jüngster Zeit wegen der Frage einer Begnadigung des früheren RAF-Terroristen Christian Klar Diskussionen ausgelöst hatte. Köhler hatte eine Begnadigung abgelehnt. Insgesamt äußerten sich 79 Prozent zufrieden mit der Art, wie Köhler sein Amt ausfüllt: 33 Prozent zeigten sich "sehr zufrieden", 46 Prozent "zufrieden". Im Juli 2006 hatten sich 75 Prozent zufrieden geäußert: 23 Prozent "sehr zufrieden" und 52 Prozent "zufrieden".
asc/dpa/AFP
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