Berlin - Vernachlässigung, Verletzungen, Todesfälle: Nach den jüngsten Fällen von Kindesmisshandlungen geht Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Offensive. Sie plant, stärker als bisher die Rechte von Eltern einzuschränken, wenn sie an der Erziehung scheitern.
Von der Leyen (bei Kindergartenbesuch): Eltern in die Pflicht nehmen
Konkret will von der Leyen "dafür sorgen, dass die Familiengerichte künftig schneller eingreifen können". Gerichte müssten Eltern zum Beispiel zu einem Anti-Gewalt-Training verpflichten können. "Verweigern sie sich, muss es in letzter Konsequenz möglich sein, ihnen das Sorgerecht zu entziehen."
Von der Leyen äußerte sich zu Weihnachten gleich in mehreren Interviews zu ihren Reformplänen für Familien und Kinder. Es müsse sich noch viel am "gesellschaftlichen Klima" ändern. Für einen weiteren Anstieg der Geburtenzahl im neuen Jahr sei neben dem Elterngeld und dem Ausbau der Kinderbetreuung auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Arbeitsalltag der Unternehmen wichtig. Sie plädierte erneut für eine Staffelung des Kindergelds und forderte, die Debatte über den Kinderschutz im Grundgesetz zu beenden.
Zum Kampf gegen Kinder-Vernachlässigung äußerte sich auch die Hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann. Sie forderte die Kirche auf, sich stärker als bisher engagieren: "Wir überlegen, ob man nicht so etwas wie einen Bildungsfonds auflegen muss. Jeder Versuch, im Bildungsbereich etwas für arme Kinder zu tun, lohnt sich." Trotz des Aufschwunges sei jede zehnte Familie überschuldet: "Viele haben gar nicht mehr das Gefühl, irgendwann einmal herauszukommen aus ihrer schlechten Situation."
plö/ddp
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