27. April 2008, 20:59 Uhr

Fall Lea-Sophie

Schweriner Oberbürgermeister Claussen abgewählt

Eine Entgleisung mit Folgen: Als das Behördenversagen im Fall der 5-jährigen verhungerten Lea-Sophie bekannt wurde, kommentierte der Schweriner Oberbürgermeister Claussen dies mit den Worten "Pech gehabt". Dafür gab es nun die politische Quittung.

Schwerin - Schwerins Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) ist abgewählt.

In einem Bürgerentscheid, der nach dem Hungertod der kleinen Lea-Sophie im November 2007 initiiert wurde, votierten am Sonntag 29 194 Wähler gegen ihn. Für eine Abwahl waren 26 772 Stimmen nötig. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Verwaltung bei 44,2 Prozent.

Damit muss Claussen die Konsequenzen für die Zustände im städtischen Jugendamt tragen. Dort hatte sich niemand von Amts wegen um das Kind gekümmert, was bundesweit für Empörung gesorgt hatte. Mit der Äußerung, Schwerin habe mit dem Vorfall "Pech gehabt", für die er sich später entschuldigte, hatte Claussen für zusätzliche Verärgerung gesorgt.

Das Schweriner Stadtparlament hatte am 31. März - gegen die Stimmen der CDU - mit Zweidrittelmehrheit den für Mecklenburg-Vorpommern bislang einmaligen Vorgang eines Bürgerentscheids zur Abwahl eines Stadtoberhauptes beschlossen.

Claussen sah im Fall Lea-Sophie zunächst keine Mitverantwortung des Amtes und deckte die Verwaltung. Ein Untersuchungsausschuss der Stadtvertretung kam zu dem Schluss, dass bei korrektem Handeln der Behörden Lea-Sophies Tod hätte verhindert werden können.

pad/dpa/AP


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