Berlin - Die Nato sucht nach einer neuen Strategie für Afghanistan, Deutschland beklagt den Tod von drei Bundeswehrsoldaten bei Kunduz, und in der Bevölkerung wächst der Wunsch nach einem schnellen Abzug der deutschen Truppen.
SPD-Politiker Struck (auf dem Flug nach Afghanistan): "Wir müssen alle einbeziehen"
Im Streitgespräch mit dem Kriegskritiker Jürgen Todenhöfer plädierte Struck für eine intensivere Suche nach diplomatischen Lösungen - und für direkte Kontakte zu den aufständischen Islamisten. "Ich habe in Kunduz schon mit Taliban gesprochen", betonte Struck, "wir müssen alle einbeziehen - jedenfalls die gemäßigten Taliban. Jemanden wie Mullah Omar würde ich ausschließen. Ich habe mir seinen Lebenslauf angesehen. Das ist ein Massenmörder."
Auch Pakistan müsse eingebunden werden: "Es muss uns gelingen, die pakistanische Regierung dazu zu bringen, gemeinsam mit den Afghanen die Taliban zu bekämpfen. Angesichts der geografischen Gegebenheiten halte ich eine militärische Lösung allerdings für ausgeschlossen."
Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Todenhöfer forderte hingegen, jeder Abgeordnete, der für den Krieg stimme, solle vier Wochen mit an die Front: "Die sollten einmal in einem Schützenpanzer die Gefahr spüren, die sie unseren Soldaten und den Afghanen zumuten. Die Zahl der Kriege würde dramatisch sinken."
Todenhöfer kritisierte scharf den "Bombenterror der USA": "Für ein muslimisches Kind macht es keinen Unterschied, ob es von einem al-Qaida-Selbstmordattentäter oder von einer amerikanischen Bombe zerfetzt wird. Die Bush-Regierung hat viel mehr muslimische Zivilisten getötet als al-Qaida westliche Zivilisten."
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