27. September 2009, 14:04 Uhr

Bundestagswahl

Minusrekord bei Wahlbeteiligung befürchtet

Der müde Wahlkampf zeigt Wirkung: In fast allen Bundesländern gingen bis zum frühen Nachmittag deutlich weniger Bürger an die Urnen als 2005 - zum Teil sank die Beteiligung um acht Prozentpunkte. Setzt sich der Trend fort, droht ein Rekordminus.

Berlin - Die Politiker aller Parteien haben die Bundestagswahl mal wieder zur Richtungsentscheidung erklärt - doch davon lassen sich die Bürger offenbar nicht beeindrucken. In vielen Bundesländern sind die Wahlen verhalten angelaufen:

Ob die Wahlbeteiligung auch nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr geringer als 2005 sein wird - vor vier Jahren hatten 77,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben -, ist noch nicht absehbar. Fast überall ist das Wetter heute sehr schön - gut möglich, dass viele Wähler erst auf dem Rückweg von einem Ausflug wählen gehen. Zudem war in vielen Gemeinden die Zahl der Briefwähler höher als vor vier Jahren. Setzt sich allerdings der Trend vom Vormittag fort, droht die bislang niedrigste Wahlbeteiligung bei Bundestagwahlen.

Spitzenkandidaten haben schon gewählt

Im Gegensatz zu vielen Bürgern haben die Spitzenkandidaten von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei bereits ihre Stimmen abgegeben. Die CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel ging am Mittag mit ihrem Ehemann Joachim Sauer in Berlin-Mitte an die Wahlurne. Merkel gab sich gut gelaunt und scherzte mit den anwesenden Fotografen. CSU-Chef Horst Seehofer gab seine Stimme per Briefwahl ab.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier wählte am Morgen in Berlin-Zehlendorf. Der SPD-Politiker äußerte sich erfreut über das "wunderbare Wahlwetter" und sagte, er hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung und eine Stärkung der Demokratie. Steinmeier äußerte sich zuversichtlich über den Ausgang der Wahl. Er sei sich "ganz sicher, das wird eine starke SPD", die die Regierung diesmal "von vorne" anführe.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast gab in ihrem Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg in Berlin ihre Stimme ab. Ihre Partei habe bis zuletzt Wahlkampf gemacht, sagte Künast. Nun sei sie "respektvoll gespannt" auf die Ergebnisse. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi ging am Mittag ebenfalls in Berlin ins Wahllokal. Der Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, wählte per Brief. FDP-Chef Guido Westerwelle ging in Bonn zur Urne. "Ich denke, es wird für uns alles gut gehen", sagte er bei der Stimmabgabe.

Meinungsumfragen sehen engen Wahlausgang

Die Wahllokale sind seit 8 Uhr geöffnet. Über 62 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, für die nächsten vier Jahre einen neuen Bundestag zu wählen. Es treten 27 Parteien und 3556 Kandidaten an, die um mindestens 598 Mandate kämpfen. Nur Parteien, die bundesweit die Fünfprozenthürde überwinden oder mindestens drei Direktmandate erzielen, werden im Parlament vertreten sein. Rund 3,5 Millionen junge Wähler können in den 299 Wahlkreisen zum ersten Mal ihre Stimme abgeben.

In den Meinungsumfragen ist zuletzt der Vorsprung für eine Koalition von Union und FDP geschrumpft. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz-Gelb sowie SPD, Linkspartei und Grünen ab, die allerdings nicht miteinander koalieren wollen. Damit scheint auch eine Fortsetzung der großen Koalition möglich.

böl/dpa/AP/ddp


URL:

FORUM:


ZUM THEMA AUF SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH