Bilanz zum 1. Mai Gewalt und Proteste in mehreren Städten Europas

Ein Todesopfer in Istanbul, Krawalle in Paris, Steinwürfe in Hamburg und Berlin: Bei den traditionellen Mai-Demonstrationen ist es in zahlreichen europäischen Städten zu Ausschreitungen gekommen. Der Überblick.

AFP

In ganz Europa sind Menschen am 1. Mai auf die Straßen gegangen - und mehrfach kam es am Rande der Kundgebungen zu Gewalt. Am heftigsten war der Zusammenprall zwischen Demonstranten und Polizei in der Türkei. Beamte in Istanbul setzten Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein, die trotz eines Verbots versuchten, zum abgeriegelten Taksim-Platz vorzudringen.

Ein 57-jähriger Passant wurde von einem Wasserwerfer überfahren und tödlich verletzt, als er am Rande der Auseinandersetzungen eine Straße überqueren wollte. 207 Demonstranten wurden nach Behördenangaben festgenommen. Fast 25.000 Polizisten waren im Einsatz.

In der Hauptstadt Ankara nahm die Polizei vier mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) fest, die Anschläge auf die Feiern zum 1. Mai geplant haben sollen. Mehrere Kundgebungen wurden deswegen abgesagt.

Mit Flaschen und Steinen gegen die Polizei

Auch in Deutschland kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, die befürchteten großen Krawalle blieben allerdings aus. In Berlin-Kreuzberg hatten sich nach Angaben der Polizei 13.000 Menschen einer Kundgebung von Linksautonomen angeschlossen. Die Veranstalter sprachen von 20.000 Teilnehmern.

Zahlreiche Demonstranten waren zunächst über den Platz des "MyFests" gelaufen. Nach dem Ende der Aktion attackierten einige der Teilnehmer Polizisten mit Steinen und Flaschen. Die Polizei beendete die Angriffe rasch, mehrere Personen wurden festgenommen.

Der Berliner Polizeisprecher Stefan Redlich zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Verlauf des Einsatzes. Jahrelang sei Berlin am 1. Mai das Synonym für Gewalt gewesen - gemessen daran sei die Bilanz positiv. Innensenator Frank Henkel lobte das Vorgehen der Einsatzkräfte in Kreuzberg. "Kein Verständnis habe ich für das Verhalten einzelner Gewalttäter nach Ende der Demo."

In Hamburg löste die Polizei am Sonntagabend eine Kundgebung der sogenannten "Revolutionären Linken" auf, nachdem aus dem Demonstrationszug mehrfach Feuerwerkskörper, Böller und Flaschen geworfen worden waren. Der Demonstration hatten sich nach Schätzung der Polizei rund 1900 Teilnehmer angeschlossen.

Insgesamt waren laut Polizei 1650 Beamte im Einsatz, sie nutzten unter anderem Wasserwerfer, um die Kundgebung zu stoppen. Einer ersten Zwischenbilanz der Hamburger Polizei zufolge wurden 20 Menschen unter anderem wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vorläufig festgenommen und 21 in Gewahrsam genommen. Mehrere Beamte wurden demnach leicht verletzt. Die genaue Anzahl - und ob auch Demonstranten verletzt wurden - sei noch unklar. Polizeisprecher Timo Zill sprach von einer "sehr aggressiven Demonstration".

In Zwickau haben rechte Demonstranten einen Auftritt von Bundesjustizminister Heiko Maas gestört: Sie hielten Plakate hoch, auf denen etwa das Verbot von Moscheen gefordert wurde. Die Rednerbühne musste von der Polizei geschützt werden, Maas bezeichnete das als erschreckend: "Wer freie Reden stört, hat nichts verstanden."

Verletzte gab es in der sächsischen Kleinstadt Plauen. Dort waren Tausende Rechte aufgezogen, ihnen standen ebenso viele linke Demonstranten gegenüber. Die Polizei sprach von einem "massiven Gewaltausbruch". Sehen Sie hier ein Video zu den Mai-Krawallen in Plauen:

In Frankreich gingen landesweit 84.000 Menschen auf die Straßen, in Paris waren es nach Angaben der Behörden 17.000. Dort war es aus Wut über eine geplante Arbeitsmarktreform der sozialistischen Regierung schon in den vergangenen Tagen mehrfach zu teils gewaltsamen Protesten gekommen.

Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen mehrere Vermummte vor, die auf die Sicherheitskräfte losgehen wollten. Am Abend kam es auf der Place de la Nation zu Ausschreitungen. Aus einer Gruppe von mehreren Hundert vermummten Demonstranten wurden Einsatzkräfte beworfen, wie die Polizei mitteilte. Ein Polizist und ein Demonstrant seien leicht verletzt worden, es habe 18 Festnahmen gegeben.

In Wien wurde Kanzler Werner Faymann ausgebuht, als er vor 80.000 Menschen seine Asylpolitik verteidigte. In Madrid verlangten Tausende Menschen ein Ende der Sparpolitik und einen Abbruch der Verhandlungen mit den USA über ein Freihandelsabkommen.

Auf dem Roten Platz in Moskau zählten die Behörden 100.000 Menschen, viele schwenkten bei der sorgsam choreografierten Feier russische Flaggen. Auch auf dem Revolutionsplatz in Havanna versammelten sich zahlreiche Menschen, um den Tag der Arbeiterbewegung zu feiern.

asa/aar/dpa/AFP

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boje6 02.05.2016
1. Bei so vielen Gründen...
...kämpft sich´s doch viel besser, wenn gerade NICHT der 1. Mai ist und alle Staatsmächte der kapital-kontrollierten Welt auf Randale vorbereitet sind. Ist schon irgendwie irrational, das mit den Traditionen.
hansriedl 02.05.2016
2. Langsam
werden die Bürger wach, das Zusammenspiel derEliten mit Bänkern u. Konzernen, die Ihre Steuern in Oasen verschieben muss beendet werden.Lohndumping, das immer weiter fortschreitet,so das Menschen trotzt voll Zeit Job ums überlebenkämpfen müssen. Sie bergreifen, das sie im Alter,bei solchen Löhnen keine Rente zu erwarten haben. Jedoch den Eliten bleibt dieses Schicksal erspart.Nichts ist sicherer als ihre Pension, u. das obwohl siekeinen Cent dafür einbezahlt haben.Wie lange wohl wird Draghi mit seinen Druckmaschinendieses Lügengebäude noch aufrecht erhalten können. Mein Gott, was alles wurde während Merkels Regentschaft zerstört. Die Zukunft unserer Kinder, ihre Träume Von Familiengründungen ohne Sicherheit keine Rede. Danke Angie Tolle Leistung
schuetze12 02.05.2016
3. Unverständlich
Warum nur immer Gewalt ? Ich hätte nie gedacht,dass Menschen so aggressiv auf Polizisten losgehen.... Gewalt ist die Null-Lösung !
newsfreak 02.05.2016
4. Kontrollierte Sparmassnahmen
sind in den U.S.A derzeit sehr wilkommen! Was das Gegengewicht zu der moeglichen Molochstellung der Transeurasichschen Vorhaben betrifft, ist man doch betucht, hat das Volk hierzulande mittlerweile genauso wenig zu melden wie in Europa, obwohl allerlei Waffengewalt zugange ist und man sich mit dem "Schuldenabbau" beschaeftigt, leider gilt das auch fuer den blinden Hass! Wie man hier die Rassenkarte zu spielen weiss ist gar nicht mehr witzig, sauer ist man obendrein, weil es nicht klappt, am liebsten waere es man koennte es institutionalisieren und verstaatlichen! Denn Russen koennte man ja derzeit direkt in die Haende spielen, mit all den Super manoevern im Osten Europas. Deutschland sollte sich dabei raus halten und Neutralitaet wahren.
peter-k 02.05.2016
5. Am 1. Mai
werden Steuergelder fuer diese sinnlose Gewalt verplempert.
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