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1. Mai: Polizei löst linke Demo in Hamburg auf

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Demos und Partys am 1. Mai: Friedlicher Tag, Zusammenstöße am Abend Fotos
DPA

Es gab Randale in Hamburg und Berlin. Aber nicht so viel wie bei "Revolutionären Mai-Demos" früherer Jahre. In der Hansestadt setzte die Polizei Wasserwerfer ein und löste den Protestzug auf. In Berlin erreichten die Demonstranten ihr Ziel.

Bei sogenannten Revolutionären 1.-Mai-Demonstrationen ist es am Donnerstagabend in Berlin und Hamburg zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und radikalen Linken gekommen. In beiden Städten wurden Polizisten mit Flaschen, Steinen und Feuerwerksböllern beworfen. In Hamburg setzte die Polizei Wasserwerfer und Schlagstöcke ein und leitete den Protestzug um.

Weit kommen die Demonstranten in der Hansestadt nicht: Nach 500 Metern ist erst mal Schluss, die Polizei stoppt den Protestzug, kurz nachdem die "Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration" gestartet ist. Es knallen Böller, aus den Lautsprechern schallen Durchsagen: Die Demonstranten dürften nur weiterziehen, wenn keine Gegenstände mehr geworfen würden.

Plötzlich fliegen Steine und Flaschen. "Wir können sie so nicht über die Reeperbahn lassen", sagt ein Polizeisprecher. Jetzt soll die Route geändert werden, ein Wasserwerfer schießt kurz, dann dürfen die Demonstranten weiter. Sie wollen zum linken Kulturzentrum "Rote Flora".

Die Rufe einiger Demonstranten lassen darauf schließen, dass sie nicht unbedingt auf Deeskalation setzen: "1. Mai, Straße frei, nieder mit der Polizei", skandieren sie in Hamburg. Als Bengalos auf ein Geschäft fliegen, setzt die Polizei Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Um 20.15 Uhr löst die Polizei die Demonstration auf, Teilnehmer flüchten in Seitenstraßen.

Beamte seien in der Hansestadt "massiv angegriffen" worden, sagte eine Polizeisprecherin. Im Laufe des Abends habe es 13 Festnahmen gegeben, ergänzte später ein Polizeisprecher. Bei den Ausschreitungen wurden den Angaben zufolge 18 Polizisten leicht verletzt, sie wurden ambulant behandelt. Über die Zahl verletzter Demonstranten konnte die Polizei keine Auskunft geben. Ein Sanitäter sprach von insgesamt mehr als 50 Verletzten.

Auch eine leerstehende Grundschule im Karolinen-Viertel hatten Hamburger Demonstranten vorübergehend besetzt. Schaulustige und zahlreiche Lampedusa-Flüchtlinge kamen ins Gebäude. Um 18 Uhr luden die Aktivisten zum sogenannten Refugee-Welcome-Camp.

Im Hof versammelten sich etwa hundert Aktivisten, sie wollten auf das Leid der Flüchtlinge aufmerksam machen. "We are here to stay", stimmten die Flüchtlinge immer wieder an. "Leider ist ja von Senatsseite aus keine politische Lösung absehbar", sagte ein Stadtaktivist. "Wir wollen hier einfach noch einmal deutlich machen: Lampedusa gibt es noch."

Gegen 21 Uhr endete die Aktion in der Schule. "Aber wir sagen klar: Wir kommen wieder", sagt der Stadtaktivist.

Die traditionelle Demonstration der linken Szene in Berlin hatte die Zentrale der Bundes-SPD als Ziel. Vor dem mit Gittern und Polizeiwagen gesicherten Willy-Brand-Haus beendeten sie den Zug mit einer Kundgebung. "Es war relativ friedlich. Wir sind sehr zufrieden", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich in der RBB-"Abendschau". Nach Angaben der Polizei waren 19.000 Teilnehmer im Zug mitgelaufen, die Veranstalter sprachen von 25.000. Einige Demonstranten hatten vorab mit der Polizei gerangelt, einige von ihnen Flaschen geworfen.

So feierte Deutschland den 1. Mai

Tagsüber und in der Walpurgisnacht war es ziemlich friedlich geblieben. Kleinere Zusammenstöße gab es bei im sächsischen Plauen: Bei einer Demonstration gegen Aufmärsche von Rechtsextremisten und NPD-Anhängern sollen Autonome Mülltonnen angezündet haben.

Auch in Rostock gingen mehrere hundert Menschen gegen eine Demonstration von rund 300 NPD-Anhängern auf die Straße. Gegendemonstranten gelang es, eine weitere Veranstaltung der Rechtsextremisten in einem anderen Teil der Hansestadt zu verhindern. In Duisburg protestierten circa 400 Demonstranten gegen eine Veranstaltung von hundert Rechtsextremisten. Bei einer Schlägerei zwischen Anhängern beider Gruppen wurden dort zwei Menschen verletzt und vier Beteiligte festgenommen.

Ansonsten feierten viele friedlich, überall in Deutschland. Da waren die üblichen Kundgebungen der Gewerkschaften, unter anderem in Bremen und Berlin. Sie forderten einen Mindestlohn ohne Ausnahmen, die Rente mit 63 sowie ein sozialeres Steuersystem. 400.000 sind dafür am "Tag der Arbeit" auf die Straße gegangen.

In Berlin feierten am Nachmittag Zehntausende, in Parks und beim "MyFest" in Kreuzberg. Entspannt beobachten auch viele Polizisten die Menschenmenge am Mai-Feiertag. Allerdings könnte die Stimmung am Abend kippen. Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren Randale gegeben.

Wer sich dem Fest näherte, konnte auf einem Banner lesen: "Überall ist Widerstand". Doch die Stimmung war alles andere als aggressiv. Luftballons flattern, viele Besucher saßen auf dem Bürgersteig, vor einigen Bühnen tanzten die Menschen. Wegen Überfüllung mussten einige Zugänge zum Fest dann am Nachmittag dichtgemacht werden.

Auch am Oranienplatz, wo noch vor wenigen Wochen ein umstrittenes Flüchtlingscamp aufgebaut war, zogen viele Neugierige vorbei.

Mit Material von dpa und AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
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1.
betaknight 01.05.2014
Zitat von sysopDPAIn Berlin und Hamburg sind die "Revolutionären Mai-Demos" unterwegs, es gab erste Zusammenstöße mit der Polizei. Doch zu ernsten Krawallen kam es bislang nicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/1-mai-tausende-bei-revolutionaeren-demos-in-berlin-und-hamburg-a-967159.html
Irgendwie hat ein Wasserwerfer der Polizei der gegen Leute mit dem Plakat 'Gegen Ausbeutung und Unterdrückung' verwendet wird, doch etwas bedenkliches.
2. Die Bilder
Lankoron 01.05.2014
sind bezeichnend...demonstrierende Nazis und von der Polizei umstellte Gewerkschafter. Nichtgekennzeichnete Polizisten, eine Demo, die gestoppt wird, BEVOR etwas vorfällt, damit man dann die Atmosphäre richtig aufheizen kann.
3. Nicht zu vergessen
studibaas 01.05.2014
Die friedliche Harburg Demo in Hamburg. Ich frage mich, warum SPON ausschließlich jedes Jahr zum 01.05 über die aggressive Schanzendemo berichtet, aber nie über die absolout gewaltfrei Harburg Demo, die schon seit ewigen Zeiten friedlich und parallel zur Schanzendemo verläuft.
4. So so...
kurdo#hashtag# 01.05.2014
Es ist schon Interessant wie verhamlost wird. Wasserwerfer, Knaller und Böller! Die Polizeigewalt wird hier Zweitrangig und Nebensächlich und Verhamlost dargestellt. Im gegenteil werden die Demonstranten als die Bösen dargestellt. Aber in anderen Ländern werden die Demontranten als Helden gefeiert. Regierungen werden als Diktatoren dargestellt.
5. nicht so viel Randale wie früher?
hartwurzelholz 01.05.2014
"Beamte seien in der Hansestadt "massiv angegriffen" worden" und 50 Verletzte klingt für mich leider immer noch nicht nach Entspannung und friedlicher Kundgebung. Sorry, mir wird immer leicht schlecht, wenn ich die vermummten Randalierer sehe. Sind ja nur eine traurige Minderheit, aber die bestimmen halt wieder die Schlagzeilen, nicht das Thema der Demo.
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