Tag der Arbeit Warum gibt es am 1. Mai so oft Krawalle?

Am 1. Mai kommt es vor allem in Berlin immer wieder zu Ausschreitungen. Warum eigentlich?

Mai 1987 in Berlin: Demonstranten gegen die geplante Volkszählung
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Mai 1987 in Berlin: Demonstranten gegen die geplante Volkszählung

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1987 lieferten sich Autonome und Polizei erstmals am Maifeiertag schwere Straßenschlachten in Berlin-Kreuzberg. Im Vorfeld der Krawalle hatte die Polizei ein Büro von Volkszählungsgegnern durchsucht.

Die Volkszählung 1987 war in der linken Szene sehr umstritten, genauso wie die vom bürgerlichen Senat geplanten 750-Jahr-Feiern zum Berliner Stadtjubiläum. In dieser angespannten Atmosphäre begann ein Straßenfest zum 1. Mai am Lausitzer Platz zunächst friedlich, bis Unbekannte einen leeren Streifenwagen umstürzten. Als die Polizei daraufhin versuchte, das Straßenfest aufzulösen, entlud sich die Spannung: Steine flogen, brennende Barrikaden wurden errichtet, Geschäfte geplündert.

Fast die ganze Nacht hindurch gab es Auseinandersetzungen in Kreuzberg, das zeitweise unter Kontrolle der Autonomen war. Die Bilanz der Krawallnacht: Hunderte Verletzte, rund 50 Festnahmen, Sachschäden in Millionenhöhe. Danach fanden regelmäßig "Revolutionäre 1.-Mai-Demonstrationen" in Berlin statt. Auch in Hamburg, vor allem im Schanzenviertel, sorgen Autonome auf Demos zum 1. Mai seit Jahren für Randale.

Und warum feiert man den 1. Mai als Tag der Arbeit?

Der 1. Mai wird von der Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung traditionell als "Tag der Arbeit" gefeiert. Seine Ursprünge hat der Tag im 19. Jahrhundert: Im Mai 1886 streikten Tausende amerikanische Arbeiter landesweit für die Einführung des Acht-Stunden-Tags.

Nachdem es am Rande von Demonstrationen in Chicago zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen war, wurden mehrere Arbeiterführer hingerichtet. Die Sozialistische Internationale in Paris rief daraufhin den 1. Mai 1890 zum "Kampftag der Arbeiterbewegung" aus. Seither demonstrierten auch die deutschen Arbeiter am 1. Mai für bessere Arbeitsbedingungen und -zeiten. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten das Datum und erhoben den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag, der auch nach Kriegsende beibehalten wurde.

In der DDR organisierte der Staat große Demonstrationen und Paraden, während in der Bundesrepublik die Gewerkschaften auf Großdemos bis in die Achtzigerjahre Hunderttausende Arbeiter mobilisierten. Heute hat der 1. Mai jedoch in seiner eigentlichen Tradition als Arbeiterfest an Bedeutung verloren.

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bellfleurisse 30.04.2015
1. weil
es Leute gibt, die irgendeinen Anlass für Krawall und Gewalt brauchen. Ob nun beim Fußball oder am 1. Mai oder andere Gelegenheiten, um den Anlass geht es nie, nur um Randale Ich behauptte, wenn man den fragt, würde der Großteil nicht mal wissen, warum es die 1. Mai Demos gibt. Übrigens, werter Autor, Sie hätten erwähnen können, dass diese Bekloppten in einem Jahr nach Prenzlauer Berg "ausgewandert" waren. Sie fühlten sich superschlau, weil sie glaubten, die Polizei sei in Kreuzberg....Ja, nee, is klar. Flyer verteilen merkt nienand...
KurtT. 30.04.2015
2. Warum ...
... eigentlich hat der 1. Mai in seiner ursprünglichen Tradition als "Arbeiterfest" an Bedeutung verloren? Kann es sein, dass es auch DIE "Arbeiterklasse", das - analog mit den Veränderungen in der Berufs- bzw. Arbeitswelt - "klassische Proletariat" nicht mehr gibt? Und war es nicht schon der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck, der mit seinen "Sozialistengesetzen" in den (nach dem letzten von Deutschland gewonnenen Krieg 1870/71 auch mit den französischen Reparationszahlungen finanzierten) so genannten "Gründerjahren" das - mit der Gründung der aus Arbeitervereinen entstandenen SPD - wachsende Selbstbewusstsein des "Proletariats" ausbremsen, die neue gesellschaftliche "Schicht" unterhalb des "bürgerlichen" Mittelstands - ganz nach der Devise "Teilen und Herrschen" - "ruhigstellen" wollte, lange sogar konnte? Und hatte der "Wirtschaftswunder"-Minister Ludwig Erhard etwa NICHT mit seiner "sozialen Marktwirtschaft" die gleichen innenpolitischen, die "befriedenden" Intentionen wie Bismarck? Und wie haben sich - seit den Arbeitskämpfen der 60er bis in die 80er Jahre hinein - denn diesbez. die Gewerkschaften entwickelt? Die kaum oder nie was für jene immer zahlreicher werdenden Arbeiternehmer taten, die KEINE unbefristeten Arbeitsverträge haben, das so genannte Prekariat? Haben die Gewerkschaften und die - früher eindeutig die Interessen der "Arbeiterklasse" vertretende - SPD etwa nicht ebenso daran schuld, dass es Arbeiter erster und zweiter Klasse gibt; exekutierten sie damit etwa NICHT das "Teilen und Herrschen", das Macht-Instrument der angeblichen "Elite" in einem unsolidarischen "Schneeballssystem" - in dem immer skrupelloser das Ergebnis von Arbeit "von unten nach oben" verteilt wird? Und was blieb eigentlich noch übrig von Erhards "sozialer Marktwirtschaft" und deren Selbstverpflichtung, dass Eigentum auch Verantwortung für die Schwächeren bedeutet? Die zu stellende Frage ist nur, wie lange es noch dauert, bis sich die Mehrheit der in diesem System Benachteiligten das noch gefallen lässt, bis wieder sowas wie "Klassenbewusstsein" entsteht - und bis dahin werden am 1. Mai eben vor allem jene mehr oder weniger Radikalen ihren Frust ausleben, die überhaupt nichts mehr zu verlieren haben, ob in Berlin oder im Hamburger "Schanzenviertel" > und die Profiteure dieses neoliberalistischen Systems, also jene, für die der Wert "sozialer Frieden" unwichtig zu sein scheint, werden sich daran gewöhnen müssen, dass dabei "der Rasen betreten" wird! * * Zu bedauern sind aber die verletzten "Ordnungshüter an vorderster Front" - und jene unschuldigen Bürger/innen, deren hart erarbeitetes Eigentum dabei beschädigt wird, also Autos und dergleichen ...
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 01.05.2015
3. guter Beitrag
Zitat von KurtT.... eigentlich hat der 1. Mai in seiner ursprünglichen Tradition als "Arbeiterfest" an Bedeutung verloren? Kann es sein, dass es auch DIE "Arbeiterklasse", das - analog mit den Veränderungen in der Berufs- bzw. Arbeitswelt - "klassische Proletariat" nicht mehr gibt? Und war es nicht schon der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck, der mit seinen "Sozialistengesetzen" in den (nach dem letzten von Deutschland gewonnenen Krieg 1870/71 auch mit den französischen Reparationszahlungen finanzierten) so genannten "Gründerjahren" das - mit der Gründung der aus Arbeitervereinen entstandenen SPD - wachsende Selbstbewusstsein des "Proletariats" ausbremsen, die neue gesellschaftliche "Schicht" unterhalb des "bürgerlichen" Mittelstands - ganz nach der Devise "Teilen und Herrschen" - "ruhigstellen" wollte, lange sogar konnte? Und hatte der "Wirtschaftswunder"-Minister Ludwig Erhard etwa NICHT mit seiner "sozialen Marktwirtschaft" die gleichen innenpolitischen, die "befriedenden" Intentionen wie Bismarck? Und wie haben sich - seit den Arbeitskämpfen der 60er bis in die 80er Jahre hinein - denn diesbez. die Gewerkschaften entwickelt? Die kaum oder nie was für jene immer zahlreicher werdenden Arbeiternehmer taten, die KEINE unbefristeten Arbeitsverträge haben, das so genannte Prekariat? Haben die Gewerkschaften und die - früher eindeutig die Interessen der "Arbeiterklasse" vertretende - SPD etwa nicht ebenso daran schuld, dass es Arbeiter erster und zweiter Klasse gibt; exekutierten sie damit etwa NICHT das "Teilen und Herrschen", das Macht-Instrument der angeblichen "Elite" in einem unsolidarischen "Schneeballssystem" - in dem immer skrupelloser das Ergebnis von Arbeit "von unten nach oben" verteilt wird? Und was blieb eigentlich noch übrig von Erhards "sozialer Marktwirtschaft" und deren Selbstverpflichtung, dass Eigentum auch Verantwortung für die Schwächeren bedeutet? Die zu stellende Frage ist nur, wie lange es noch dauert, bis sich die Mehrheit der in diesem System Benachteiligten das noch gefallen lässt, bis wieder sowas wie "Klassenbewusstsein" entsteht - und bis dahin werden am 1. Mai eben vor allem jene mehr oder weniger Radikalen ihren Frust ausleben, die überhaupt nichts mehr zu verlieren haben, ob in Berlin oder im Hamburger "Schanzenviertel" > und die Profiteure dieses neoliberalistischen Systems, also jene, für die der Wert "sozialer Frieden" unwichtig zu sein scheint, werden sich daran gewöhnen müssen, dass dabei "der Rasen betreten" wird! * * Zu bedauern sind aber die verletzten "Ordnungshüter an vorderster Front" - und jene unschuldigen Bürger/innen, deren hart erarbeitetes Eigentum dabei beschädigt wird, also Autos und dergleichen ...
Aber das Klassenbewusstsein wird nicht kommen. Es wird doch schon lange wieder an einer Neuauflage des guten alten Rassenbewusstseins gedoktort, und auch Arbeiter gehen dem wieder auf den Leim (AfD, Pegida, Front National, etc.) Vom völlig verblödeten, sich selbst verleugnenden Mittelstand mal ganz zu schweigen.
managerbraut 01.05.2015
4. Am 1. Mai Tag der Arbeit
gibt es heute häufig Krawalle, weil das der Tag der Arbeiter, des Volkes ist an dem das Volk seinen Unmut - Ärger - Wut öffentlich macht. In den 50 - 60 Jahren waren die 1, Mai Feiertag als Tag der Arbeit ein friedlicher Feiertag der Gewerkschaften. Die sind heute abgetaucht, selber zu kommerziell in Unternnehmer Vorständen involviert als für Veranstaltungen der Arbeiter noch groß zu investieren. Das Volk der Arbeiter muß sich seine eigene Bühne schaffen und das tut es!
korbburg 01.05.2015
5. Weil.....
die Behörden an diesem Tag auch geschlossen haben und die Randalierer, die oft auch Empfänger von Transferleistungen sind, an diesem Tag nicht zum Sozialamt gehen können. Da bleibt mehr Zeit zu randieren und das Eigentum derer zu zerstören, die die Transferleistungen mit ihren Steuern finanzieren.
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