Feierstunde zum Frauenwahlrecht Schäuble ermahnt Männer zu mehr Hausarbeit

Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen. Bei einer Feierstunde im Parlament kritisierte Bundestagspräsident Schäuble Missstände bei der Gleichberechtigung.

Wolfgang Schäuble (CDU)
DPA

Wolfgang Schäuble (CDU)


"Erst wenn Frauen und Männer wirklich frei entscheiden können, wo sie die Prioritäten in ihrem Leben setzen wollen, ohne auf Beruf oder Familie oder gesellschaftliches Engagement zu verzichten, ist das Ziel erreicht": Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat während einer Feierstunde des Parlaments zu 100 Jahren Frauenwahlrecht eine gerechtere Verteilung der Familienarbeit zwischen den Geschlechtern gefordert.

Es sei eine wohl unumgängliche Erkenntnis, "dass wir die für unsere Gesellschaft unverzichtbaren Tätigkeiten, die auch heute noch ganz überwiegend Frauen unbezahlt verrichten, anders aufteilen müssen: Kindererziehung, Hausarbeit, Pflege", sagte Schäuble. Die Männer müssten an diesen Umstand "gelegentlich mit Nachdruck erinnert werden".

Erste Wahl am 19. Januar 1919

Schäuble zeigte sich zugleich unzufrieden mit der politischen Partizipation von Frauen in Deutschland. Es gebe bei der Gleichstellung noch einiges zu tun - "nicht zuletzt in Politik und Parlament". Schäuble verwies auf den zuletzt gesunkenen Anteil von Frauen im Bundestag, "ihre unterdurchschnittliche Beteiligung in allen Parteien, die viel zu geringe Zahl von Bürgermeisterinnen und Landrätinnen". Zwar gebe es eine Bundeskanzlerin und weitere Frauen in Spitzenpositionen, aber: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer."

"Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist ein unaufgebbarer Grundsatz unserer Verfassung", mahnte Schäuble. Dies müssten alle akzeptieren, "die Teil dieser Gesellschaft sein wollen" - auch diejenigen, denen dieser Anspruch "aus kulturellen oder religiösen Gründen fremd ist".

Das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Deutschland war am 12. November 1918 verkündet worden. Die erste Wahl, bei der Frauen stimmberechtigt und wählbar waren, war die zur Weimarer Nationalversammlung am 19. Januar 1919.



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mho/AFP



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