20.000 Zuhörer in Köln Erdogan ruft Türken zur Integration auf

Mit Bussen wurden die Zuhörer aus ganz Deutschland nach Köln gefahren. Vor 20.000 Zuhörern hat Ministerpräsident Erdogan den vollen EU-Beitritt der Türkei gefordert. Seine Landsleute rief er zu mehr Integration auf.


Köln - 20.000 überwiegend türkische Zuhörer wollten die Rede von Recep Tayyip Erdogan in der Kölnarena verfolgen. Der Ministerpräsident mahnte bei seinen Landsleuten verstärkte Integrationsbemühungen an. Schon im Kindesalter müssten sie Deutsch lernen. Nur dadurch könnten sie die Möglichkeiten einer Ausbildung "maximal ausnutzen", sagte der Regierungschef auf der Großveranstaltung.

"Wir dürfen uns nicht als Fremde betrachten, sondern müssen uns als wesentliches Element dieses Landes sehen", sagte Erdogan. Integration dürfe allerdings nicht mit Assimilation gleichgesetzt werden, warnte er: "Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." Dies könne niemand von den im Ausland lebenden Türken verlangen. Bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen forderte Erdogan eine rasche Aufklärung: Nur so könnten die Türken, aber auch die Deutschen wieder Frieden im Herzen finden.

Die Veranstaltung in der Kölnarena wurde von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) organisiert. Sie steht Erdogans Partei, der islamisch-konservativen AKP, nahe. Die Zuhörer waren mit Bussen aus ganz Deutschland sowie dem benachbarten Ausland nach Köln gebracht worden.

Erdogan drängte auch noch einmal auf eine volle EU-Mitgliedschaft der Türkei. "Es gibt einige Länder, die unseren EU-Beitritt verhindern wollen. Die Türkei hat keine Alternative zur Vollmitgliedschaft." Eine privilegierte Partnerschaft, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt einer Vollmitgliedschaft anstrebt, lehnte Erdogan ab. "Die Türkei wird ein solches Szenario nicht mitspielen", sagte er.

"Bitte verzögert diese Angelegenheit nicht mit fadenscheinigen Vorwänden." Seine Regierung werde auch Forderungen aus der Türkei nicht nachgeben, die Bemühungen um eine EU-Mitgliedschaft aufzugeben, weil sie gar nicht erstrebenswert sei. "Das werden wir nicht machen", sagte Erdogan. Im Gegensatz zu einigen EU-Mitgliedern werde die Türkei sogar die Maastricht-Kriterien für die Aufnahme in die Währungsunion erfüllen können.

als/ddp/AP/dpa/Reuters



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