Berlin - Für jeden zweiten Deutschen gehört die stärkere Unterstützung von Familien zu den entscheidenden Aufgaben des Staates. Das geht aus dem neuen Familienmonitor 2012 des Allensbach-Instituts hervor, den Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in Berlin vorstellte. Die Förderung junger Familien ist vielen Bundesbürgern demnach wichtiger als die Gesundheitsreform oder die Umsetzung des Atomausstiegs. Danach befragt, wo die Schwerpunkte der Familienpolitik liegen sollen, plädieren mit 74 Prozent die meisten für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Laut der Umfrage wünschen sich 89 Prozent der Bundesbürger von ihren Arbeitgebern flexiblere Arbeitszeiten, um den Bedürfnissen der Familie besser gerecht zu werden. Knapp zwei Drittel fordern mehr Sonderurlaub für den Fall, dass das eigene Kind krank wird. 61 Prozent treten zudem für den Ausbau von mehr Betriebskindergärten ein. Familienministerin Schröder forderte die Unternehmen daraufhin auf, verstärkt firmeneigene Betreuungsmöglichkeiten anzubieten. Das Familienministerium werde ab Oktober ein Förderprogramm starten, um Firmen, insbesondere aus dem Mittelstand, bei der Einrichtung betrieblicher Betreuungsplätze zu helfen.
55 Prozent fordern zudem, das Angebot an Krippen auszubauen. Knapp 60 Prozent der Deutschen zweifeln allerdings daran, dass der Ausbau der Kita-Betreuung schnell genug voran geht. Ab August 2013 sollen alle Eltern von ein- bis dreijährigen Kindern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter erhalten.
50 Prozent der Väter würden gern weniger arbeiten
Viele Arbeitnehmer wollen laut Studie generell mehr Zeit für ihre Familie - Drei Viertel der Eltern von Kindern unter 16 Jahren äußerten diesen Wunsch. Während die Hälfte der Väter gerne weniger arbeiten würden, wünschen sich Mütter vor allem Entlastung im Familienalltag. 32 Prozent der Mütter hätten gern eine bezahlte Haushaltshilfe beziehungsweise eine stärkere Unterstützung des Partners in Haushalt und Erziehung (30 Prozent).
In vielen deutschen Familien werden der Umfrage zufolge im Familienalltag noch immer die alten Rollenbilder von Mann und Frau gelebt. 90 Prozent der Männer behaupten, sie könnten weder Wäsche waschen noch bügeln. Zugleich sagten 51 Prozent der vollerwerbstätigen Frauen aus, dass sie Kindererziehung und Hausarbeit in ihren Familien völlig allein neben dem Job schultern müssten. Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher sagte, die Arbeitsbelastungen in den Familien seien noch immer ungleich zu Lasten der Frau verteilt.
lgr/dpa/AFP/dapd
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