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Familienmonitor 2012: 89 Prozent der Deutschen wollen flexiblere Arbeitszeiten

Junge Familien zu fördern, ist den Deutschen wichtiger als der Atomausstieg oder die Gesundheitsreform. Dazu gehören laut dem Familienmonitor 2012 flexible Arbeitszeiten, mehr Krippenplätze und Betriebskindergärten. Zu Hause herrschen derweil zumeist noch alte Rollenmuster vor.

Mutter, Baby, Laptop: 51 Prozent der berufstätigen Frauen stemmen Erziehung und Hausarbeit allein Zur Großansicht
Corbis

Mutter, Baby, Laptop: 51 Prozent der berufstätigen Frauen stemmen Erziehung und Hausarbeit allein

Berlin - Für jeden zweiten Deutschen gehört die stärkere Unterstützung von Familien zu den entscheidenden Aufgaben des Staates. Das geht aus dem neuen Familienmonitor 2012 des Allensbach-Instituts hervor, den Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in Berlin vorstellte. Die Förderung junger Familien ist vielen Bundesbürgern demnach wichtiger als die Gesundheitsreform oder die Umsetzung des Atomausstiegs. Danach befragt, wo die Schwerpunkte der Familienpolitik liegen sollen, plädieren mit 74 Prozent die meisten für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Laut der Umfrage wünschen sich 89 Prozent der Bundesbürger von ihren Arbeitgebern flexiblere Arbeitszeiten, um den Bedürfnissen der Familie besser gerecht zu werden. Knapp zwei Drittel fordern mehr Sonderurlaub für den Fall, dass das eigene Kind krank wird. 61 Prozent treten zudem für den Ausbau von mehr Betriebskindergärten ein. Familienministerin Schröder forderte die Unternehmen daraufhin auf, verstärkt firmeneigene Betreuungsmöglichkeiten anzubieten. Das Familienministerium werde ab Oktober ein Förderprogramm starten, um Firmen, insbesondere aus dem Mittelstand, bei der Einrichtung betrieblicher Betreuungsplätze zu helfen.

55 Prozent fordern zudem, das Angebot an Krippen auszubauen. Knapp 60 Prozent der Deutschen zweifeln allerdings daran, dass der Ausbau der Kita-Betreuung schnell genug voran geht. Ab August 2013 sollen alle Eltern von ein- bis dreijährigen Kindern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter erhalten.

50 Prozent der Väter würden gern weniger arbeiten

Viele Arbeitnehmer wollen laut Studie generell mehr Zeit für ihre Familie - Drei Viertel der Eltern von Kindern unter 16 Jahren äußerten diesen Wunsch. Während die Hälfte der Väter gerne weniger arbeiten würden, wünschen sich Mütter vor allem Entlastung im Familienalltag. 32 Prozent der Mütter hätten gern eine bezahlte Haushaltshilfe beziehungsweise eine stärkere Unterstützung des Partners in Haushalt und Erziehung (30 Prozent).

In vielen deutschen Familien werden der Umfrage zufolge im Familienalltag noch immer die alten Rollenbilder von Mann und Frau gelebt. 90 Prozent der Männer behaupten, sie könnten weder Wäsche waschen noch bügeln. Zugleich sagten 51 Prozent der vollerwerbstätigen Frauen aus, dass sie Kindererziehung und Hausarbeit in ihren Familien völlig allein neben dem Job schultern müssten. Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher sagte, die Arbeitsbelastungen in den Familien seien noch immer ungleich zu Lasten der Frau verteilt.

lgr/dpa/AFP/dapd

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1. Tja,
rainbowman1 24.09.2012
Frau Allensbach, dummerweise arbeiten Männer aber nach wie vor mehr wie Frauen (Erwerbs- Haus- und Familienarbeit zusammengezählt). Lt. Arbeitszeitbericht der Bundesregierung jeden Tag 15 Minuten mehr. Da paßt das Märchen von der ausgebeuteten Frau und Mutter überhaupt nicht rein.
2. natürlich
raptis 24.09.2012
wollen die Menschen flexiblere Arbeitszeiten, aber nicht etwa so wie der Chef es will, sondern so wie es in die persönliche Planung und Lebensgestaltung passt. Nur den Arbeitgeber, der da mitmacht, müssen Sie mir zeigen. Da fange ich morgen sofort an!
3. Arbeitgeber wollen auch
passionsblume 24.09.2012
flexiblere Arbeitszeiten, aber anders als die Arbeitnehmer es wünschen. Arbeitgeber werden in jeder Hinsicht vom Staat unterstützt. Wer das Spiel als Arbeitnehmer nicht mitmachen will, fliegt raus. Dazu schafft der Staat noch einfachere Voraussetzungen für Kündigungen. Das ganze System ist marode, und den letzten beissen die Hunde. Die letzten sind nun mal die Arbeitnehmer. Durch immer mehr und nicht abreissende Frauenförderung ist nur eins geschaffen worden. Die Männer sind beruflich kaum entlastet, die Frauen beruflich mehr belastet worden. Zeit für Beziehung und Kinder sind Zeiten geworden, in denen die Unternehmen ihre Produktivität erhöht und der Staat seine Steuereinnahmen vermehrt haben. Früher haben Unternehmen Weiterbildung selbst durchgeführt, für die Mitarbeiter Wohnungen bereit gestellt. Heute wird nur der perfekte Mitarbeiter eingestellt, der wenig kosten und am besten sein Maul halten soll. Zu Zeiten der Wiedervereinigung hätte man sich einiges von der DDR abschauen können, gab es doch dort eine der höchsten Geburtsquoten in Europa. An irgendwas muss das ja wohl auch gelegen haben, oder? Statt aber irgendwelchen positiven Akzente der DDR aufzugreifen, wurde das Land nur eingesackt und mit der doch ach so tollen kapitalischen Ideologie überschwemmt. Wen wundern denn da ernsthaft solche Ergebnisse? Das alles, wie es ist, ist letzten Endes nur immer politisch gewollt gewesen. Die Demokratie abzuschaffen und mehr Herrschaft des Staates über das Volk. Das alles wurde politisch so angestrebt und jetzt werden wieder Bösewichte gesucht, z.B. dass angeblich 90% der Männer nicht bügeln können. Wann endlich kommt der große Vorwurf, dass 100% der Männer keine Kinder kriegen können?
4. Wunsch und Wirklichkeit
undso 24.09.2012
Als PDF Foliensatz die gesamte Studie (mit Fragestellung): http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2012-09/monitor-familienleben-deutschland?commentstart=9#comments Ersteinmal ist festzuhalten, dass die Familienförderung unter der Gesamtbefölkerung, nach Arbeitslosigkeit, Renten, Wirtschaft, Energiesicherheit, Verschuldung und Eurostabilität mit 50% doch einer einen hinteren Platz der wichtigsten pol. Aufgaben betrifft. Das Gesundheitswesen dürfte hinten rangieren, da Reformen hier zum positiven kaum noch erwartet werden. Der Ausstieg dagegen scheint sich durchgesetzt zu haben in allen Parteien und dementsprechend nichtmehr wichtig zu sein. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit 74% bekommt viel Aufmerksamkeit wohingegen die Pflege von Familienangehörigen (68%) eher ein Randthema darstellt. Das sehr intensiv bearbeitete Thema (Krippenplätze) nimmt lediglich den 3. letzten Platz ein (immerhin noch 55%). Diese Regelung finden zwar die Meissten im Prinzip gut (75%) aber nur 12% glauben das es gelingt. Andere Zahlen sind ebenfalls spannend: 50% aller nicht berufstätigen Mütter haben in der Woche zu wenig Zeit für ihre Familie. Weniger als 38% aller Mütter zwischen 15 und 64 sind vollzeitig Berufstätig. Eine bezahlte Haushaltshilfe wünschen sich 32% aller Mütter. Allerdings ist dies ein Beruf, der kaum flexible Arbeitszeiten zulässt. Und für jede Haushaltshilfe muss a) einer/eine bezahlen und b) einer/eine diesen Job übernehmen (der dann allerdings von zu Hause aus arbeiten möchte 21-29%).
5. Schröder
mr_supersonic 24.09.2012
Zitat von sysopCorbisJunge Familien zu fördern ist den Deutschen wichtiger als der Atomausstieg oder die Gesundheitsreform. Dazu gehören laut dem Familienmonitor 2012 flexible Arbeitszeiten, mehr Krippenplätze und Betriebskindergärten. Zu Hause herrschen derweil zumeist noch alte Rollenmuster vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/89-prozent-der-deutschen-wollen-flexiblere-arbeitszeiten-a-857684.html
Aus dem Artikel: "Familienministerin Schröder forderte die Unternehmen daraufhin auf, verstärkt firmeneigene Betreuungsmöglichkeiten anzubieten." Und selbst möchte sie Eltern mit etwas Taschengeld abspeisen, damit die staatlichen KiTas nicht benutzt werden "brauchen" (heisst im Klartext, Kosten für die ich gerne Steuern zahle, werden gespart). Wo sind hier die Kommentare, nur wer sein Kind zuhause erzieht ist eine gute Mutter? Zumal wenn die Kinder dann von Arbeitstätigen getrennt betreut werden von denen die vielleicht Eltern haben, die in staatlichen Institutionen arbeiten, oder halt. Mit dem Elternbetreuungsgeld kann man wunderbar eine Dreiklassenbetreuung einführen. In der freien Wirtschaft tätige Eltern - Kinder>Betriebskindergarten Staatlich angestellte - Kinder>KiTa Arbeitslose-Kinder>Zuhause Hartz4-Kinder>Suppenküche oder Tafeln Jaja, hier zeigt sich mal wieder, wofür die CDU steht....
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