Spekulationen über Guttenberg Union diskutiert die KT-Frage

Läuft sich Karl-Theodor zu Guttenberg als Kanzlerkandidat warm? In der Union wird spekuliert, dass der Verteidigungsminister Angela Merkel beerben könnte, sollte sie über eine Wahlschlappe in Baden-Württemberg stürzen. SPIEGEL ONLINE analysiert, wie groß die Chancen des Polit-Stars wirklich sind.

Kanzlerin Merkel, Minister Guttenberg: Spekulationen über die K-Frage
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Kanzlerin Merkel, Minister Guttenberg: Spekulationen über die K-Frage

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Berlin - Es ist nicht so, als sei Karl-Theodor zu Guttenberg die öffentliche Bewunderung unangenehm. Vor ein paar Tagen, am Vorabend der großen Einheitsfeierlichkeiten, sprach der Verteidigungsminister im Berliner Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale der CDU. Eingeladen hatte die Junge Union, zum Einmarsch schallte AC/DC aus den Boxen: "A rolling thunder, a pouring rain, I'm coming down like a Hurricane."



JU-Chef Philipp Mißfelder begrüßte den stürmischen CSU-Kollegen als "Germany's Top Gun" und verwahrte sich gegen "Verschwörungstheorien" im Zusammenhang mit dem Gastredner. Guttenberg seinerseits erklärte, dass mancher ihn vor dem Auftritt gewarnt habe: "Falscher Ort, falsche Zeit." Die anwesenden Journalisten hatte er auch durchschaut. Die würden natürlich mitzählen, wie oft er Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer erwähnen würde.



Bei so viel Koketterie kam man fast nicht umhin, die Darbietung tatsächlich als Angriff gegen die Genannten zu verstehen. Der rhetorisch gewandte Star der Union sonnt sich im Glanz des historischen Datums, während die Vorsitzenden der Schwesterparteien das Feld zur Einheitsfeier dem Bundespräsidenten überlassen.



Mit anderen Worten: Da läuft sich einer warm.



Das bemerkte seinerzeit mit leicht spöttelndem Unterton auch die konservative "Frankfurter Allgemeine Zeitung". An diesem Mittwoch nun legt das Blatt kräftig nach. Fast eine ganze Seite im Feuilleton hat man freigeräumt, um eine "zweite Rede zur deutschen Einheit" von Guttenberg abzudrucken.



Damit nicht genug: Als Begleitmusik berichtet die Zeitung ganz vorn über unionsinterne Spekulationen, in denen der Verteidigungsminister als möglicher Nachfolger der Kanzlerin in Stellung gebracht wird - vorausgesetzt die CDU geht bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg nach fast sechs Jahrzehnten an der Macht unter. Am 27. März ist der Tag der Entscheidung.



Der adelige Guttenberg feilt derweil weiter am Image als moderner Konservativer. Er kommt sowohl bei der Stammwählerschaft als auch bei Jüngeren und den Frauen an. Zusammen mit seiner Frau Stephanie lässt er keinen Empfang aus, man gibt das Duracell-Paar der deutschen Politik. Das wurde auch in Merkels Umfeld längst registriert.



Klar ist: Eine Schlappe für die CDU ist den Umfragen zufolge in Baden-Württemberg dank Stuttgart 21 nicht unmöglich. Ebenfalls klar: Der Machtverlust im bürgerlich-konservativen Ländle wäre nicht nur für Ministerpräsident Stefan Mappus eine Katastrophe, auch die Bundes-CDU und ihre Vorsitzende wären erschüttert. So schwer, dass Angela Merkel fallen könnte? Und die Union stattdessen Polit-Star "KTG" ins Rennen schickt?



SPIEGEL ONLINE analysiert, wie groß die Wahrscheinlichkeit des Merkel-Falls ist - und welche Chancen Karl-Theodor zu Guttenberg hat, nach ihr ins Kanzleramt einzuziehen.



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