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Transportflugzeug A400M: Airbus muss Bundeswehr Millionen-Entschädigung zahlen

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Airbus A400M (in Sevilla): Bestellt sind 53 Stück Zur Großansicht
REUTERS

Airbus A400M (in Sevilla): Bestellt sind 53 Stück

Zu spät, zu teuer, mangelhaft: Die Auslieferung des Militärfliegers A400M an die Bundeswehr ist von Pannen überschattet. Jetzt muss Airbus nach Informationen von SPIEGEL ONLINE erstmals empfindliche Strafen zahlen.

Der Flugzeugbauer Airbus muss die Bundeswehr wegen der massiven Probleme bei der Lieferung des neuen Truppentransporters A400M entschädigen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelte Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder in den letzten Wochen mit Airbus aus, dass die Bundeswehr dieses Jahr zunächst 13 Millionen Euro als Ausgleich erhält. Anlass ist die massive Verspätung bei der eigentlich vereinbarten Lieferung von zwei Transportflugzeugen.

Die Geschichte des A400M ist eine Abfolge von Pannen. Bis heute hat die Bundeswehr erst einen flugfähigen A400M in der Erprobung. Ursprünglich waren 53 Stück bestellt worden, um die altersschwache Transportflotte der Luftwaffe zu modernisieren. Die Umsetzung aber verzögerte sich immer wieder. Statt mehrerer Modelle wird die Bundeswehr dieses Jahr wohl nur noch einen oder maximal zwei weitere Flieger bekommen. Ob sie technisch abgenommen werden können, ist noch offen.

Die Einigung mit Airbus, über die das Ministerium am Freitag ausgewählte Bundestagsabgeordnete unterrichtete, sieht weitere Zugeständnisse des Herstellers vor. So muss Airbus die vielen Mängel an den dieses Jahr fertiggestellten A400M kostenfrei beheben, quasi als Druckmittel behält die Bundeswehr deswegen für jedes noch auszuliefernde Flugzeug 17 Prozent des Kaufpreises ein. Zudem erhält die Bundeswehr pro Maschine eine Gutschrift von 2,2 Millionen Euro.

Kostenfreie Modernisierung

Teil des Deals ist auch, dass Airbus die Transporter kostenfrei modernisieren muss. Denn derzeit liefert der Hersteller nur eine abgespeckte Version des A400M aus - sogenannte nicht-spezifikationskonforme Flugzeuge. Suder handelte deswegen mit Airbus ein kostenloses Upgrade auf den vertraglich vereinbarten Zustand aus. Ministerin Ursula von der Leyen hatte die Staatssekretärin als resolute Aufräumerin im chaotischen Rüstungsbereich der Bundeswehr engagiert.

Für das Ministerium sind die Zahlungen ein Anfangserfolg. Mit den harten Verhandlungen wollte man vor allem beweisen, dass man sich vom Rüstungs-Riesen Airbus nicht mehr alles gefallen lässt. Die erste Millionen-Entschädigung ist da ein Etappensieg. Insgesamt allerdings, so schätzen Insider, ist der Bundeswehr durch die A400M-Lieferprobleme bereits ein Schaden von mehr als 300 Millionen Euro entstanden. Im Vergleich dazu wirkt die jetzige Einigung noch recht bescheiden.

Das Ministerium wollte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu dem aktuellen Deal mit Airbus äußern, da man Stillschweigen über die bilateralen Verhandlungen vereinbart hatte.

Außer Deutschland wollen noch weitere EU-Staaten ihre Luftstreitkräfte mit dem Riesenflieger modernisieren. Wegen der massiven Verzögerungen hat die Luftwaffe bereits beschlossen, die reichlich altersschwachen "Transall"-Transportfliegerlänger länger im Einsatz zu halten - zumal die Auslieferung der gegen Raketenangriffe geschützten A400M-Modelle noch mehrere Jahre auf sich warten lässt.

Die Bundeswehr will nun hart mit Airbus über weiteren Schadensersatz verhandeln. Dies ist aber erst möglich, wenn der Hersteller einen halbwegs verlässlichen Lieferplan vorlegt. Dies soll im ersten Quartal 2016 geschehen.

In den Verhandlungen werden auch neu aufgetauchte Probleme eine Rolle spielen, die die Software zur Missionsplanung beim A400M betreffen. Die gelieferte Software ist so kompliziert, dass die Planung eines Fluges bis zu 50 Stunden in Anspruch nimmt, für die Militärs erscheint dies völlig unrealistisch. Bisher aber weigert sich Airbus, den Mangel zu beseitigen.

Die Opposition forderte das Wehrressort auf, weiter hart mit Airbus zu verhandeln. "Airbus ist für viele milliardenschwere Rüstungsprojekte verantwortlich, die zu teuer sind, viel zu spät kommen und dann nicht das können, was sie sollten", sagte die Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger. Bevor neue Aufträge mit dem Rüstungs-Riesen geschlossen würden, müssten deswegen "auch jenseits vom A400M für alle Problem-Projekte Entschädigungen vereinbart werden".

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insgesamt 40 Beiträge
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1.
quark2@mailinator.com 13.11.2015
Eigentlich sind doch die Milliarden die neuen Millionen ... aber natürlich nur, wenn der Steuerzahler zahlt und nicht umgekehrt.
2. Interessant..
romanpg 13.11.2015
Airbus verlangt also keinen Aufschlag dafür, die Flugzeuge in den bestellten Zustand zu versetzten [/IRONIE]. Aber immerhin schonmal ein Achtungserfolg, dass EADS/Airbus hier endlich einmal Grenzen aufgezeigt werden
3. Kostenfreie Modernisierung ?
Konfus/zius 13.11.2015
[Zitat: ...Teil des Deals ist auch, dass Airbus die Transporter kostenfrei modernisieren muss. Denn derzeit liefert der Hersteller nur eine abgespeckte Version des A400M aus - sogenannte nicht-spezifikationskonforme Flugzeuge. Suder handelte deswegen mit Airbus ein kostenloses Upgrade auf den vertraglich vereinbarten Zustand aus.] Aha... Frau Suder hat hart verhandelt, damit die schon viel zu spät gelieferten Flugzeue irgendwann mal auf den Stand gebracht werden, auf dem sie schon vor ein paar Jahren hätten geliefert werden sollen? Wow... ich bin beeindruckt. Und nachdem der Staat mehrere Milliarden Euro auf den ursprünglich verhandelten Verkaufspreis zugezahlt hat, muss Airbus nun 13 Mio. Strafe zahlen... Das kann man mal sehen was so eine knallharte Verhandlerin von McKinsey alles kann. Was für ein Glück, dass wir von solch fähigen Leuten regiert und geführt werden.
4. ohne Worte
judson90 13.11.2015
Ein kostenloses Upgrade auf den vertraglich vereinbarten Zustand. Bei diesem Satz alleine sträubt sich mir alles.
5. Viel zu naiv
braversteuerzahler 13.11.2015
und gutmütig war man die letzten Jahrzehnte in die Vehandlungen gegangen. Vertrag ist Vertrag. Wenn Airbus den nicht erfüllen kann, ist es doch selbstverständlich, dass Schadensersatzansprüche gestellt werden. Man stelle sich vor, man bestellt einen Mercedes S-Klasse, bekommt das Auto aber nicht nach ein paar Wochen sondern nach 10 Jahren, stellt dann fest, dass es eine C-Klasse ist mit Kasettenrekorder zum Preis eines Maybachs. Welcher Kunde würde sich so etwas bieten lassen? Fazit: nächstes mal bei Boeing oder Antonow bestellen und dies auch als Drohgebärde nutzen!
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