Karlspreis-Trägerin Grybauskaite: Macht eure Hausaufgaben!

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Dalia Grybauskaite: "Ich möchte diesen Preis den Menschen in Litauen widmen"

"Eine außergewöhnliche Europäerin und herausragende Politikerin": Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite ist in Aachen mit dem Karlspreis geehrt worden. Der Preis gehe auch an das litauische Volk, heißt es in der Laudatio - dessen unerschütterliches Vertrauen in die Europäische Union sei beispielhaft.

Aachen - Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite hat in Aachen den Internationalen Karlspreis erhalten. Das Direktorium zeichnete die 57-Jährige am Donnerstag aus - "in Würdigung ihrer bedeutenden Verdienste um die Europäische Union und die integrative Entwicklung im Ostseeraum", wie es auf der Urkunde steht.

Mit einem rigiden Sparprogramm habe die frühere Haushaltskommissarin Litauen aus der Wirtschaftskrise geführt, hieß es in der Begründung. Jetzt strebe sie mit ihrem Land trotz aller Verunsicherung durch die Schuldenkrise die Aufnahme in die Euro-Zone an.

Grybauskaite rief bei der Preisverleihung die Europäer auf, Zukunftsängste zu überwinden und Verantwortung zu übernehmen. Europa brauche mehr denn je den politischen Willen zu verantwortungsbewussten Entscheidungen, auch wenn sie hart und schmerzlich seien. Das bedeute nicht, dass Brüssel den Mitgliedstaaten die Hausaufgaben abnehme. Diese müssten die Mitgliedstaaten in eigener Verantwortung machen.

Die Preisträgerin nannte die Führungsrolle Deutschlands zur Sicherung der europäischen Stabilität "ein wirkliches Beispiel für verantwortungsbewusste Politik". Deutschland habe bei der Suche nach Entscheidungen die Führung übernommen. "Das ist eine historische Rolle", sagte Grybauskaite. Deutschland ernte wegen seines strikten Kurses zwar Kritik, verdiene aber "größten" Respekt.

"Wir müssen schon heute investieren, damit Enttäuschung nicht zum Leitprinzip für Europa wird", sagte Grybauskaite. Eine ganze Generation habe Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden. Sozial- und Beschäftigungspolitik, Strukturreformen und Konjunkturpakete müssten Hand in Hand gehen, sagte die Wirtschaftsexpertin.

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, bezeichnete Grybauskaite in seiner Laudatio als "eine außergewöhnliche Europäerin und eine herausragende Politikerin". Sie diene ihrem Volk und habe sich um Europa verdient gemacht. Der Preis ehre auch das litauische Volk, "das erhobenen Hauptes unter vielen Entbehrungen eine Wirtschaftskrise bewältigt hat". Mit seinem unerschütterlichen Vertrauen in die EU seien die Menschen in Litauen ein Beispiel, sagte Schulz. Er wandte sich auch an die anderen baltischen EU-Mitgliedsländer Estland und Lettland: Die jungen Demokratien hätten auf dem Weg in die EU Beeindruckendes geleistet, auch bei der Überwindung der Schuldenkrise.

Grybauskaite ist die 55. Trägerin des Karlspreises

Der Internationale Karlspreis zu Aachen zeichnet besondere Verdienste um die europäische Einigung aus, er wird traditionell an Christi Himmelfahrt übergeben. Grybauskaite ist die 55. Trägerin des Preises. Die promovierte Ökonomin wurde im Mai 2009 zur Staatspräsidentin Litauens gewählt. Zuvor war sie - nach dem EU-Beitritt des Landes im Mai 2004 - Mitglied der Europäischen Kommission, zuständig zunächst für Bildung und Kultur, später für Haushalt und Finanzen. In ihrer Rede bei der Preisverleihung plädierte Grybauskaite für eine "verantwortungsvolle Finanzpolitik" innerhalb der EU, die mit einer wirksamen Sozial- und Beschäftigungspolitik Hand in Hand gehen müsse.

Zum ersten Mal bekam den Karlspreis im Jahr 1950 der Begründer der Paneuropa-Idee Richard Graf von Coudenhove-Kalergi. Später folgten unter anderem der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954), der damalige US-Präsident Bill Clinton (2000), der Euro als Währung (2002) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008). Im vergangenen Jahr erhielt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Preis.

Die Auszeichnung ist nach dem Frankenherrscher Karl dem Großen (748-814) benannt, der Symbolfigur Europas. Durch seine Eroberungsfeldzüge begründete er ein europäisches Großreich. Er prägte die politische, kirchliche und kulturelle Entwicklung - Aachen wurde seine Lieblings-Pfalz.

fln/dpa/APF

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