Abrechnung mit Ex-Wunschpartner: Wowereit hält Grüne für völlig verbohrt

Kurz nachdem sich Klaus Wowereit mit der CDU in Berlin auf eine Koalition geeinigt hat, rechnet er mit seinem einstigen Wunschpartner ab: Bei den Grünen herrschten "katastrophale Verhältnisse", sagte der Regierende Bürgermeister dem SPIEGEL. Die Kritik an der Union nahm er nun zurück.

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Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit: "Nicht beherrschbares Abenteuer"

Berlin - An den Berliner Grünen lässt SPD-Mann Klaus Wowereit kein gutes Haar mehr: "Hier in Berlin haben sie sich völlig verbohrt gezeigt", sagte der Regierende Bürgermeister dem SPIEGEL. In deren Fraktion herrschten katastrophale Verhältnisse. Eine Koalition mit den Grünen "wäre zum Abenteuer geworden, das nicht beherrschbar gewesen wäre", fügte er hinzu.

Wowereit erklärt sich den Zustand der Partei mit den Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima und den Streit um Stuttgart 21. In Folge dessen seien die Grünen "berauscht von einem temporären Hype" gewesen, so dass sie sich schon im Roten Rathaus oder im Kanzleramt sahen, sagte der SPD-Mann weiter. "Das hat sie wohl überfordert."

Den Laufpass gegeben

Anfang Oktober hatte er die Koalitionsgespräche mit den Grünen nach der ersten Runde überraschend platzen lassen. Begründung der SPD: Eine tragfähige Grundlage für eine Zusammenarbeit sei nicht in Sicht gewesen. Es gebe Zweifel an der Zuverlässigkeit der Grünen. Dabei waren diese zunächst Wowereits Wunschpartner.

Als Grund für das Scheitern wurden damals unüberbrückbare Differenzen zur umstrittenen Verlängerung der Stadtautobahn A100 angegeben. Die SPD ist dafür, die Grünen sind dagegen. Wowereit begann Koalitionsverhandlungen mit der CDU.

Neuauflage von CDU-SPD-Bündnis

Diese wurden nach vier Wochen vor einigen Tagen abgeschlossen. Die beiden Regierungspartner erhalten jeweils vier Senatorenposten. Am 24. November soll Wowereit im Abgeordnetenhaus erneut zum Regierenden Bürgermeister gewählt werden. Vier Tage später wollen Wowereit und CDU-Landeschef Frank Henkel die Senatoren benennen. Im Abgeordnetenhaus verfügen SPD (47) und CDU (39) über eine deutliche Mehrheit von 86 der 149 Mandate.

2001 war ein CDU-SPD-Bündnis in Berlin an der Parteispenden- und Bankenaffäre der Union zerbrochen. Im Wahlkampf hatte Wowereit noch die Berliner Christdemokraten massiv kritisiert. Er hatte gesagt, dass er sich eine innovative und fortschrittliche Politik mit der Union nicht vorstellen könne. Das nahm er nun zurück: "Ganz klar, da muss ich mich jetzt korrigieren."

heb

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insgesamt 97 Beiträge
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1. Berliner Wähler schwer zu verstehen
L_P 20.11.2011
Nach einem Berlin-Besuch muß ich sagen, daß ich die Berliner Wähler nur schwer verstehen kann. Wenn ich in so einem Gammel leben müsste, würde ich den regierenden Bürgermeister nicht bestätigen.
2. Grüne
siegfriedderdrachentöter 20.11.2011
Diesen Eindruck habe ich auch und würde mich dieser Auffassung anschließen. Die Grünen wollen immer auf Augenhöhe verhandeln, begreifen aber nicht, dass die anderen Parteien fast immer mehr Stimmen haben. Diese Partei ist absolut kompromisslos und möchte 100% grün durchsetzen, was als kleiner Partner nicht geht. Aber die Damen und Herren der Grünen Partei begreifen es nicht!
3. .
cs001 20.11.2011
Ein bischen erstaunt mich seine 180-Grad-Wende schon. Die Berliner CDU ist ein derart desolater Haufen, dass selbst CDU-Mitglieder in Berlin sich überlegen, ob sie die wählen. (Meist tun sie es dann doch, aus aler Gewohnheit und wider besseren Wissens) Dass die mit einmal zukunfstfähige Politik machen sollen, ist selbst mir als CDU-nahem Menschen eher suspekt. Dass die Grünen sich sehr verbohrt zeigen können, ist nun wirklich nichts neues. Das wußte er doch vorher. Da versucht jemand, aus einer Kröte die er schlucken muss, einen Prinzen herbeizureden.
4. Perfide und opportunistisch!
Laurant 20.11.2011
Verbohrt ist Wowi als wären die Konservativen besser für Berlin. Ich hoffe das die SPD die Quittung bei der nächsten Wahl bekommt. Das war sowieso nur perfide Wahlkampftaktik.Wowi wollte von Anfang an mit der CDU koalieren.Das erfolgreiche Scheitern dieser Koalition ist damit vorprogrammiert.
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ArnoNym 20.11.2011
Zitat von siegfriedderdrachentöterDiesen Eindruck habe ich auch und würde mich dieser Auffassung anschließen. Die Grünen wollen immer auf Augenhöhe verhandeln, begreifen aber nicht, dass die anderen Parteien fast immer mehr Stimmen haben. Diese Partei ist absolut kompromisslos und möchte 100% grün durchsetzen, was als kleiner Partner nicht geht. Aber die Damen und Herren der Grünen Partei begreifen es nicht!
Das ist aber noch lange nicht alles: Ich habe oft den Eindruck, als ob sie gern auch physikalische Grundgesetze verhandeln möchten, damit sie besser ins grüne Parteiprogramm passen (z.B. Thema Energie).
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