Abrechnungsbuch Möllemanns vernebelter Klartext

Mit seinem nun vorgestellten Buch verabschiedet sich Jürgen W. Möllemann endgültig von der seriösen Politik. Vollgestopft mit unbelegten Anekdoten und oft gehörten Vorstellungen einer neuen Politik macht der ehemalige Spitzenpolitiker sicherlich Auflage. Den angekündigten "Klartext" aber wird der Leser vermissen.

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Möllemann und sein Werk: Schreiben für Deutschland
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Möllemann und sein Werk: Schreiben für Deutschland

München - Die Manager von Random House sind gut gelaunt. Schließlich kommt es nicht allzu oft vor, dass der Verlag gleich am ersten Tag die gesamte Auflage von 80.000 Buch-Exemplaren an die Händler absetzt. Da drängen sich Vergleiche mit dem Disco-Barden Dieter Bohlen auf, dessen Memoiren wochenlang die Bestseller-Listen anführten.

Den Autor des kommenden Papier-Blockbusters wird die Parallele nicht abschrecken. Schließlich ist Jürgen W. Möllemann wie Bohlen weder ein Kind von Traurigkeit noch medienscheu, wie er selbst immer wieder gern betont. Und wie Bohlen kennt auch er keine Peinlichkeitsgrenze.

Nach langen Spekulationen und Beschreibungen aus den ach so brisanten Erinnerungen des abgehalfterten FDP-Spitzenpolitikers liegt sein 18-Euro-Werk nun auf dem Tisch des "Vier Jahreszeiten"-Hotels in München. Dahinter huscht TV-Muse Uschi Glas sonnenbebrillt durchs Foyer und verdrückt sich zu Cartier. Ein angemessener Rahmen also für eine Buchpräsentation mit Mölli Superstar.

Mister Größenwahn im Spiegelsalon

Einen Laudator hat das kleine Stehaufmännchen mit dem akkurat gefönten Scheitel und dem schwarzen Pullover nicht dabei. Keiner kann besser über Möllemann sprechen als Möllemann selbst. Sein Buch, sagt er, habe er für Deutschland geschrieben.

Es wurde eine klassische Möllemann-Inszenierung. Wie immer begrüßte der Münsteraner die rund 80 Journalisten im verspiegelten Salon Diana mehr als freundlich. Doch auch als Optimist musste der Gastgeber beim Blick in die Runde erkennen, dass das Interesse an ihm abgenommen hat. Lokalreporter aus München waren da, aber nur wenige von überregionalen Medien. Kein Wunder, die wenigen saftigen Bissen aus dem Buch waren schon vorab durch die "FAZ" und den "Stern" - im ersten Falle durch Recherche, im zweiten durch die Zahlung eines Honorars - veröffentlicht worden.

Manche begrüßen Möllemann mit diesem Buch, mit dem er "die Vergangenheit endgültig abschließen" will, wieder zurück auf der politischen Bühne. Lange war er abgetaucht seit den kritischen Tagen vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Mal weilte er in seinem Haus auf Gran Canaria oder im Nahen Osten und kommunizierte nur über lancierte Interviews. Mit den jetzt vorgelegten 47 Kapiteln auf 256 Seiten soll die Zeit des Schweigens vorbei sein. Aufräumen, um den "Blick nach vorn" zu ermöglichen, nannte er selbst als Motto für sein Werk. Fast logisch erscheint es da, dass sich eine Hälfte des Buches mit der zurückliegenden Zeit, die andere mit der Politik der Zukunft beschäftigt.

Möllemanns Abschied von der seriösen Politik
AP

Möllemanns Abschied von der seriösen Politik

Wer das Buch gelesen hat, wird bitter enttäuscht. Neben den erwartbaren Hasstiraden auf seine ehemaligen Mitstreiter wie Wolfgang Gerhardt oder Klaus Kinkel erfährt der Leser kaum Neues. Für Kenner der Partei gibt es zwar reichlich Anekdoten, die aber weder belegt, wenig plausibel und vor allem nichts sagend sind. Wer außerhalb der FDP will schon wissen, wie welche Entscheidung genau zustande kam? Wer wird nicht an Möllemanns Lieblingsgeschichte zweifeln, er höchstpersönlich habe für Jassir Arafat den Friedensnobelpreis "besorgt"?

Abgerutscht ins Schmuddelige

Peinlich wird das Buch jedoch erst später, wenn es um Möllemanns Absturz geht. Wenig subtil schreibt der Gedemütigte von einer angeblichen Erpressung Guido Westerwelles durch den israelischen Mossad. Der Geheimdienst habe FDP-Chef Guido Westerwelle bei seiner Israel-Reise mit der Veröffentlichung von angeblich pikanten Details aus seinem Privatleben gedroht, wenn er Möllemann nicht absäge. "Sie glauben gar nicht, welchen Druck die auf mich gemacht haben", soll Westerwelle nach der Reise Möllemann selbst erzählt haben.

Erst mal hört sich das spannend an. Leider hat aber keiner der Mitreisenden die vermeintliche Mossad-Drohung bemerkt. Außerdem traut man einem der besten Geheimdienste der Welt etwas geschicktere Methoden zu, als dem "nichtverheirateten Westerwelle" mit Details aus seinem öffentlich "weitgehend bekannten" Privatleben zu drohen, wie die "FAZ" am Donnerstag sehr treffend schreibt. Die Geschichte ist schlicht absurd und sie wird dadurch nicht besser, dass sich Möllemann als Quelle auf Westerwelle selbst beruft.

Der Verlag reagierte am Donnerstag gelassen auf solche Vorwürfe. Mit einem Lächeln war sich der Hausjurist des Verlages sicher, dass niemand rechtlich gegen das Buch vorgehen werde. Zwar habe auch er Möllemann als alleinige Quelle, sagte Rainer Dresen, doch keiner der FDP-Granden wolle wohl das helle Scheinwerferlicht einer öffentlichen Gerichtsverhandlung. Das Buch, fügte er hinzu, habe ihm große Freude gemacht. "Es war mal was anderes", so der Jurist.

Alte Theorien neu verpackt

Auch wenn Möllemann nicht mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen hat, krankt sein Buch an einem Punkt: dem Inhalt über die von ihm als Neuheit verkauften Polit-Thesen. Über fast zwei dutzend Kapitel präsentiert er seine Theorie von einer besseren Politik. Wer Möllemann schon ein bisschen kennt, kann diese Kapitel schnell überblättern. Seine Parolen sind nicht neu: Weniger Staatsapparat, eine Ende der Postenverschiebung durch Parteien, bessere Schulen oder direkte Wahlen und Volksentscheide - all das fordert Möllemann seit langem und wird es wohl auch weiter tun.

Die letzte Frage um Jürgen W. Möllemann blieb am Donnerstag offen. Was er in Zukunft machen will, ob er eine eigene Partei gründen will oder als ungeliebter Liberaler weiter unter gelber Fahne segelt, wollte er partout nicht sagen. Bis Ende März sollen diese Fragen entschieden werden. Nur eine Absicht gab er preis: Vielleicht wolle er schon bald ein zweites Werk verfassen. Das erste habe ihm so großen Spaß gemacht. Bei diesen Worten wollte das Grinsen auf dem Gesicht des Verlagschefs gar nicht mehr weichen.



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