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Absage: Steinbrück will nicht EZB-Präsident werden

Die Absage kam schnell: Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück lehnt eine Kandidatur für das Präsidentenamt der Europäischen Zentralbank ab. Er ist verwundert darüber, dass SPD-Fraktionschef Steinmeier ihn für den Posten vorgeschlagen hat.

Peer Steinbrück (SPD): Ähnliche Positionen wie Axel Weber Zur Großansicht
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Peer Steinbrück (SPD): Ähnliche Positionen wie Axel Weber

Berlin - Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will nicht neuer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. "Ich stehe für diesen Posten nicht zur Verfügung", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Zur Begründung erklärte der Sozialdemokrat, er halte es für falsch, wenn ein einst aktiver Finanzminister in eine Kontrollinstanz wie die EZB wechsele.

Außerdem vertrete er in inhaltlichen Fragen ähnliche Positionen wie der bisherige deutsche EZB-Kandidat, Bundesbankpräsident Axel Weber. "Damit wäre auch ich automatisch in einer Minderheit", sagte Steinbrück.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hatte Steinbrück im Interview mit SPIEGEL ONLINE am Samtstag für den Präsidentenposten der EZB vorgeschlagen. Steinbrück zeigte sich nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" irritiert über die Art und Weise, wie SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ihn ins Spiel gebracht hatte. "Ich bin bekümmert über dieses Verfahren. Das entspricht nicht meiner Vorstellung, wie Personalfragen gerade dieser Bedeutung gelöst werden können."

Steinmeier hatte nach Informationen der Zeitung zuvor mit Steinbrück darüber gesprochen, ob man ihn als wünschenswerten Kandidaten nennen könnte. Steinbrück soll zu größter Zurückhaltung gemahnt haben.

boj/dpa

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1. warum sollte er auch?
KMag 13.02.2011
Zitat von sysopDie Absage kam schnell: Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück lehnt eine Kandidatur für das Präsidentenamt der Europäischen Zentralbank ab. Er ist*verwundert darüber,*dass SPD-Fraktionschef Steinmeier ihn*für den Posten vorgeschlagen hat. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745294,00.html
Klar. Wär ja auch blöd. Der schiebt ne ruhige Kugel als Hinterbänkler. Fette Marie für nix.
2. Jetzt ist die Katze aus dem Sack ...
deppvomdienst 13.02.2011
Der Kampf um eine EZB in der Tradition der Deutschen Bundesbank ist verloren, die Entscheidung ist gefallen. Da helfen alle Lippenbekenntnisse nicht mehr, sie sind völlig hohl: Die EZB unterwirft sich einem Primat der Politik, die Geldwertstabilität im geeinten Europa ist kein eigenständiger Wert mehr. Ob das gut oder schlecht ist, wird die Zukunft weisen müssen. Vielleicht ist es schon ein Erfolg, dass der Hickhack endlich vorbei ist. Was das alleine an Lügereien seitens der Politiker spart ... Und in Frage "Verteilungsgerechtigkeit" ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn die Geldvermögen ein Stück "weginflationiert" werden. Die Reichen behalten zwar ihr Geld, aber es ist weniger wert. Es wird nur darauf ankommen, dass sich die arbeitende Bevökerung ihr Stück vom Kuchen abschneidet - jetzt wird es Zeit für hemmungslose Lohnforderungen ...
3. Die Zeit und Gelegenheit für "GUT" war mit dem Bruch
si_tacuisses 13.02.2011
Zitat von deppvomdienstDer Kampf um eine EZB in der Tradition der Deutschen Bundesbank ist verloren, die Entscheidung ist gefallen. Da helfen alle Lippenbekenntnisse nicht mehr, sie sind völlig hohl: Die EZB unterwirft sich einem Primat der Politik, die Geldwertstabilität im geeinten Europa ist kein eigenständiger Wert mehr. Ob das gut oder schlecht ist, wird die Zukunft weisen müssen. Vielleicht ist es schon ein Erfolg, dass der Hickhack endlich vorbei ist. Was das alleine an Lügereien seitens der Politiker spart ... Und in Frage "Verteilungsgerechtigkeit" ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn die Geldvermögen ein Stück "weginflationiert" werden. Die Reichen behalten zwar ihr Geld, aber es ist weniger wert. Es wird nur darauf ankommen, dass sich die arbeitende Bevökerung ihr Stück vom Kuchen abschneidet - jetzt wird es Zeit für hemmungslose Lohnforderungen ...
des Maastrichter Vertrages vorbei. Sie glauben allen Ernstes dass "die Reichen" ihr Vermögen in bunten Papierchen angelegt haben ? Wie kann man so naiv sein ( ich wollte höflich bleiben ) Da rechtswidriges bailout zur Normalität mutierte, stellt sich die Frage garnicht mehr. Gut ist, was einigen wenigen dienlich ist. Hurra !! Immerhin leben wir noch.
4. EZBank
Babilynier 13.02.2011
War Herr Peer Steibrueck, der "gesagt hat", dass die deutsche Banken gar nicht mit der Krise damals; Herr Mueller hat das auch vergessen zu erwaehnen..... War er nicht ,der Milliarden an die "d" Banken "gezahlt hat"... Noch von Herrn Peer Steibrueck-CV als Finanz Minister....... Gott sei Dank! Er "will" nicht, aber ich "glaube" ihm nicht.
5. Gute Abstimmung innherhalb der SPD
sir_henry 13.02.2011
Es ist wieder einmal eine SPD - typische Luftnummer. Der mediengeile Fraktionsvorsitzende, der selbst die Nierenspende an seine Frau medienwirksam vermarkten liess, benutzt seine SPD - Mitglieder, in diesem Fall Peer Steinbrueck, um selbst im Gespraech zu bleiben, ohne sich vorher mit diesem zum Thema abzustimmmen. Da kann man nur sagen : Duemmer gehts nimmer.
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Kurzporträts der SPD-Spitze
Parteivorsitzender: Sigmar Gabriel
REUTERS
Mit 51 Jahren ist Gabriel jüngster Parteichef seit Willy Brandt. In der Großen Koalition war er bis Herbst 2009 Umweltminister und profilierte sich im Wahlkampf mit Attacken gegen die Atomkraft. Nach dem Wahldesaster der Sozialdemokraten griff er entschlossen nach dem Parteivorsitz. Gabriel gilt als politisches Naturtalent, geschickter Verkäufer und Selbstvermarkter.

Der gelernte Lehrer aus Goslar ist seit 1977 SPD-Mitglied. Mit 40 Jahren war er jüngster deutscher Ministerpräsident in seinem Heimatland Niedersachsen (1999-2003). Nach der Abwahl wechselte Gabriel nach Berlin und gab ein Intermezzo als "Pop-Beauftragter" der Sozialdemokraten, was ihm eher Spott als Anerkennung einbrachte ("Siggi Pop"). Gabriel ist liiert mit einer Zahnärztin.

Parteivize: Manuela Schwesig
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Manuela Schwesig schaffte in nur sechs Jahren den Aufstieg von der Finanzbeamtin zur SPD-Vizechefin. Frank-Walter Steinmeier pries die 36-Jährige als "strahlenden Nordstern der SPD". Im Vorstand soll sie nun die Familienpolitik vorantreiben.

Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann nach Schwerin. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik, bevor sie im Oktober 2008 ins Schweriner Kabinett eintrat - als bundesweit jüngste Landesministerin. Sie ist Mutter eines Sohnes.

Parteivize: Hannelore Kraft
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Die 49-Jährige ist SPD-Landeschefin und Ministerpäsidentin von Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Juli 2010 führt sie eine rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf.

Die gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin sieht sich selbst als Pragmatikerin, die keinem SPD-Flügel angehört. Auch ohne den typischen Stallgeruch und die übliche Ochsentour machte sie im größten SPD-Landesverband schnell Karriere - zunächst als Europa- und dann bis Mai 2005 als Wissenschaftsministerin. Später wurde sie Fraktionschefin in Düsseldorf. Kraft ist verheiratet und hat einen Sohn.

Parteivize: Klaus Wowereit
DPA
Regierender Bürgermeister von Berlin und schon seit neun Jahren an der Spitze einer rot-roten Koalition. Gilt deshalb - für nicht wenige in der SPD irrtümlich - als Linker sowie als Wegbereiter einer bundesweiten Öffnung zur Linkspartei. Hoffnungsträger mit Ambitionen auf die nächste Kanzlerkandidatur.

Mit 56 Jahren schon der Senior innerhalb der neuen SPD-Spitze. Gelernter Jurist, passionierter Partygänger, Skat- und Golfspieler. Lebt mit einem Arzt zusammen. Bekanntester Satz, immer noch: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so."

Parteivize: Olaf Scholz
AP
Bis Herbst 2009 war der 52-Jährige Bundesarbeitsminister, aber auch jetzt ist er wieder gut beschäftigt: Als Fraktionsvize im Bundestag ist er für Innen und Recht zuständig. Zudem ist er SPD-Landesvorsitzender in Hamburg - mit knapp 97 Prozent wurde er im Juni im Amt bestätigt.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht hat in der SPD schon viele Karrierestationen hinter sich: Innensenator in Hamburg, SPD-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Scholz ist verheiratet mit einer Hamburger SPD-Politikerin.

Generalsekretärin: Andrea Nahles
AP
Die 40-Jährige ist schon lange bei der SPD aktiv. Vor ihrer Wahl zur Generalsekretärin war Nahles stellvertretende SPD-Vorsitzende. Einst war sie Chefin der Nachwuchsorganisation Jusos und für kurze Zeit schon einmal als Generalsekretärin vorgesehen: 2005, gegen den Willen von Franz Müntefering, der deshalb nicht mehr Parteichef sein wollte.

Nahles stammt aus Rheinland-Pfalz, sie ist Germanistin und bekennende Katholikin. Sieht sich nicht mehr unbedingt als Vertreterin des linken Flügels. Gilt bei vielen in der SPD als Frau für noch höhere Aufgaben. Liiert mit einem Bonner Kunsthistoriker.

Bundesgeschäftsführerin: Astrid Klug
DDP
Bevor Klug Bundesgeschäftsführerin wurde, war sie als Parlamentarische Umweltstaatssekretärin bei Sigmar Gabriel tätig. Die 42-jährige gelernte Bibliothekarin zählt sich sowohl zu den reformorientierten Netzwerkern als auch zu den SPD-Linken.

(Quelle: dpa)

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Bundesbank: Wer folgt auf Weber?

Die Europäische Zentralbank
EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken .
Europäischer Leitzins
Der von der Europäischen Zentralbank vorgegebene Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute Geld beschaffen und verleihen können.
Expansive Geldpolitik
Durch expansive Geldpolitik wird die verfügbare Geldmenge bei den Geschäftsbanken erhöht, um dadurch die Konjunktur anzukurbeln.
Geldwertstabilität
Ein Hauptziel der EZB ist die Geldwertstabilität , die vor allem mit Hilfe der Geldpolitik erreicht werden soll.

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