Abstürze und Notlandungen: Wie die Bundeswehr 17 Drohnen verlor

Die Bundeswehr will ihre Drohnenflotte massiv ausbauen, doch die Risiken der unbemannten Flugmaschinen sind enorm. 17 deutsche High-Tech-Geräte sind in den vergangenen fünf Jahren zerstört worden - bei Abstürzen, Notlandungen oder Unfällen am Boden.

Deutsche Aufklärungsdrohne (Archivbild): Immer wieder werden Abstürze gemeldet Zur Großansicht
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Deutsche Aufklärungsdrohne (Archivbild): Immer wieder werden Abstürze gemeldet

Berlin - Die Bundesregierung schwärmt von der "Vielfältigkeit der möglichen Verwendungsmöglichkeiten". Die Rede ist von Drohnen, also unbemannten, mit Kameras ausgestatteten Aufklärungsfliegern. Die Bundeswehr will ihre Drohnenflotte denn auch rasant ausbauen. Doch unproblematisch ist der Umgang mit den High-Tech-Fliegern nicht: In den vergangenen fünf Jahren sind 17 Bundeswehr-Drohnen in Deutschland und Afghanistan zerstört worden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Schäden bei Dritten seien durch die Unfälle nicht entstanden. Interessant sind aber die Details über die Unfallumstände, die der Antwort der Regierung zu entnehmen sind. So musste in Afghanistan eine mittelgroße Drohne vom Typ "Heron 1" nach einer Notlandung wegen eines Triebwerkschadens vernichtet werden, nachdem ein Bergungsversuch fehlschlug. Eine weitere "Heron 1" stieß in Afghanistan am Boden mit einer parkenden Transall-Transportmaschine zusammen und beschädigte diese leicht. Das unbemannte Flugobjekt wurde bei dem Crash zerstört.

Insgesamt verfügt die Bundeswehr über 331 "fliegende Kameras" mit einem Gewicht zwischen 1,3 und 168 Kilogramm und einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern. 2010 lieh die Bundeswehr zudem drei "Heron"-Drohnen in der Größe eines Segelflugzeugs für den Afghanistan-Einsatz aus. Am Hindukusch sind 70 Drohnen im Einsatz, in Deutschland fliegen die Drohnen ausschließlich über Truppenübungsplätzen.

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Drohnen: Hightech-Spione auf dem Vormarsch
Nun soll die Drohnenflotte rasch ausgebaut werden. So will sich die Bundeswehr laut Bundesregierung 16 sogenannte Hubschrauber-Drohnen vom Typ SAATEG VTOL anschaffen. Bekannt war bereits, dass auch fünf Aufklärungsdrohnen des Typs "Euro Hawk" gekauft werden sollen, jenem aus Karbon gefertigten Riesenvogel, der bis zu 25.000 Kilometer zurücklegen und aus einer Höhe von bis zu 20.000 Metern Signale am Boden orten, Radio- und Fernsehsendungen mitschneiden, Funksprüche und Telefonate abhören oder SMS mitlesen kann.

Die Bundespolizei beschaffte den Regierungsangaben zufolge zwischen 2006 und 2009 vier Drohnen. Über die Zahl der Überwachungsflugzeuge bei den Landespolizeien wurden keine Angaben gemacht. Die Drohnen könnten unter anderem zur Fahndung, Verkehrsüberwachung sowie zum Objektschutz und der Überwachung von Bahnstrecken eingesetzt werden.

Die Linke fordert nun eine stärkere Kontrolle des Einsatzes von Drohnen. Fliegende Kameras könnten zwar beispielsweise für Feuerwehr und Katastrophenschutz hilfreich sein, erklärten die Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko und Ulla Jelpke. "Dem Aufbau einer Spionageflotte für Polizei und Militär erteilen wir jedoch eine klare Absage."

jok/dpa

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1. Normaler Verschleiss
Spiegelwahr 22.02.2012
Das ist ganz normaler Verschleiss und gegenüber dem Verlust eines Flugzeuges sogar kostengünstig. Natürlich möchte ich, dass keine Hubschrauberdrohne mit ihren Rotorblätter auf meinen Kopf abstürzt. Beobachtungsdrohnen, die im Inneren eingesetzt werden, müssen absolut sicher sein, denn Absturzschäden sind nicht tolerierbar und jeder Einsatz muss exact dokumentiert werden, damit Missbrauch unterbunden wird. Es kann nicht sein, dass flächendeckend Demonstranten gefilmt werden, weil das Gesinnungschüffelei ist.
2. Wer verantwortet diese...
hello07 22.02.2012
Zitat von sysopDPADie Bundeswehr will ihre Drohnenflotte massiv ausbauen, doch die Risiken der unbemannten Flugmaschinen sind enorm. 17 deutsche High-Tech-Geräte sind in den vergangenen fünf Jahren zerstört worden - bei Abstürzen, Notlandungen oder Unfällen am Boden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816959,00.html
...Steuergeldverschwendung eigentlich? Ich bin klar gegen Spionageflugzeuge in Deutschland. Unser Land entwickelt sich mehr und mehr zum totalen Überwachungs- und Schnüffelstaat. Es wird Zeit diesen Umständen ein Ende zu bereiten!
3. Es ist eine alte und bewährte Methode:
rudisander 22.02.2012
Wer Zugang zur Regierungsmacht hat und sich gut verkaufen kann, sich und seine sogenannten (technischen) Ideen, die meist das weite Feld der (prophilaktischen) Rüstung betreffen, der ist in der Lage, den meist in der Sache "blinden" Staatsdienern seine Pläne schmackhaft zu machen, der sitzt potentiell schon an den Fleischtöpfen oder an den Geldquellen: Für den Budenzauber der sich selber etwas vorgaukelnden Staatssicherheit lässt sich jeder Staat - vertreten durch sein beeinflussbares Personal - schon etwas Kosten. Klartext: Drohnenhersteller melken den in sich selbst unsicheren Staat. Hier regiert die sich aufgeklärt gebende Dummheit im Mantel der Frechheit.
4. Die Linke wieder
Stelzi 22.02.2012
"Dem Aufbau einer Spionageflotte für Polizei und Militär erteilen wir jedoch eine klare Absage." Natürlich lehnt das die linke ab. Passt nämlich nicht in ihre Konzeption die Überwachung durch die Stasi Nachfolgeorganisation abwickeln zu lassen, wenn man erst das Ruder in die Hand genommen und DDR 2 geschaffen hat. Klingt absurd? Nicht absurder als zwei von drei Kommentaren, die offensichtlich ohne den Artikel zu lesen, gleich wieder vom Überwachungsstaat fabulieren, obwohl doch klar und in deutscher Sprache geschrieben stand, dass die Flugkörper in Deutschland a) nur über Übungsplätzen fliegen weil b) dort die Handhabung geübt wird damit man sie c) dort einsetzen kann, wo die Bundeswehr im Einsatz ist. Die Kommentare zu gewissen Themen sind so vorhersehbar geworden, es ist einfach nur noch beschämend.
5. Es geht doch nichts über...
will-shakespeare 22.02.2012
Zitat von Stelzi"Dem Aufbau einer Spionageflotte für Polizei und Militär erteilen wir jedoch eine klare Absage." Natürlich lehnt das die linke ab. Passt nämlich nicht in ihre Konzeption die Überwachung durch die Stasi Nachfolgeorganisation abwickeln zu lassen, wenn man erst das Ruder in die Hand genommen und DDR 2 geschaffen hat. Klingt absurd? Nicht absurder als zwei von drei Kommentaren, die offensichtlich ohne den Artikel zu lesen, gleich wieder vom Überwachungsstaat fabulieren, obwohl doch klar und in deutscher Sprache geschrieben stand, dass die Flugkörper in Deutschland a) nur über Übungsplätzen fliegen weil b) dort die Handhabung geübt wird damit man sie c) dort einsetzen kann, wo die Bundeswehr im Einsatz ist. Die Kommentare zu gewissen Themen sind so vorhersehbar geworden, es ist einfach nur noch beschämend.
ein einfaches Feinbild, oder? Na, da hat der Tag doch Struktur! Sie hätten gern noch ein paar mehr Ihrer vorgefertigten Textbausteine einsetzen können. Aha. Und testen wird man die Dinger demnach sicher nur, um sie danach nie einzusetzen, gell? Und von den Menschen, die in den Einsatzgebieten unserer Truppe leben, wo angeblich unsere Freiheit oder wahlweise unser Rohölpreis verteidigt wird, scheinen Sie wohl auch nicht allzu viel zu halten. Oder haben Sie die mal gefragt, ob sie den Dauereinsatz dieser Hitech-Modellflieger über ihren Köpfen wünschen? Na dann lesen Sie sie doch einfach nicht, wenn es Ihr Weltbild ankratzt. Sie haben doch Ihre Meinung schon in Beton gegossen, wozu dann noch andere Meinungen lesen?
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