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Absturz vor Reichstag: Politiker wollen Raketen gegen Amokflieger

Der Absturz eines Suizid-Piloten vor dem Reichstag ruft die Politik auf den Plan. CDU-Chefin Merkel, Bayerns Innenminister Beckstein und SPD-Innenexperte Wiefelspütz fordern einen verstärkten Einsatz der Bundeswehr bei der inneren Sicherheit. Die Bundeswehr dagegen warnt vor einer Dramatisierung des Absturzes in Berlin.

Beckstein: "Technische Verbesserungen erforderlich"
DPA

Beckstein: "Technische Verbesserungen erforderlich"

Berlin - "Geprüft werden muss der Einsatz von Luftabwehrraketen und Kampfhubschraubern. Wir müssen die Fähigkeit haben, mit jedem Flugobjekt fertig zu werden", sagte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) der "Berliner Morgenpost". Die Bundeswehr müsse in die Lage versetzt werden, Flugverbote vollständig überwachen zu können. Dafür seien technische Verbesserungen erforderlich, da die herkömmliche Radartechnik erst ab 300 Meter Flughöhe greife.

CDU-Chefin Angela Merkel hatte bereits gestern angesichts der jüngsten Terroranschläge in London und Ägypten eine neue Debatte über Bundeswehreinsätze im Innern eröffnet. "Wenn es die Gefahrenlage erfordert, dann darf es kein Tabu geben, darüber nachzudenken, ob die Bundeswehr nicht auch neue Aufgaben übernehmen kann", sagte Merkel in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern). Als Beispiel nannte sie den Schutz gefährdeter Gebäude durch Soldaten.

Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte eine schärfere militärische Sicherung des Berliner Regierungsviertels. "Wegen der besonderen Belange der Hauptstadt muss der Luftraum verstärkt militärisch geschützt werden. Nötig ist eine Flugbereitschaft der Bundeswehr mit Kampfhubschraubern in Berlin", sagte er der "Berliner Morgenpost". Bei Kleinflugzeugen sei die Bundeswehr mit ihren viel zu schnellen Abfangjägern "überfordert".

Zudem seien technische Verbesserungen etwa bei der Radarüberwachung nötig, um niedrig fliegende Flugzeuge besser orten zu können, verlangte auch Wiefelspütz. Ferner müsse das Fliegen von Privatflugzeugen "im gesamten Berliner Stadtgebiet verboten werden. Dies ist ein relativ geringer Eingriff in die Freiheit des Fliegens."

Ein Bundeswehr-Experte warnte indes davor, den Absturz vor dem Reichstag nun zu dramatisieren. Zwar könnten Leichtflugzeuge vom Radar der Luftwaffe nicht erfasst werden, ihre zerstörerische Wirkung sei aber nicht zu vergleichen mit der großer Verkehrsmaschinen, sagte Hans-Joachim Schubert, Kommandeur der Nato-Luftverteidigungszentrale in Kalkar, der "Welt am Sonntag". Für Angriffe wie am 11. September 2001 in den USA sei die Bundeswehr dagegen gut gerüstet.

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