Abzocke bei Pakistanern "Wir bewahren Sie vor der Abschiebung - für 2000 Euro"

Mehrere Pakistaner sind telefonisch aufgefordert worden, Tausende Euro zu zahlen - nur so könne man die Abschiebung aus Deutschland stoppen. Pikant: Die Anrufe kamen möglicherweise aus der pakistanischen Botschaft in Berlin.

Schild der pakistanischen Botschaft in Berlin
DPA

Schild der pakistanischen Botschaft in Berlin

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Ahmed I. ist überrascht, als er einen Anruf von der pakistanischen Botschaft bekommt. Der Anrufer stellt sich als Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung vor. I., der seit 1986 in Hannover lebt, hat kürzlich die Verlängerung seines pakistanischen Passes beantragt. Also wird es da wohl eine Rückfrage geben, denkt er sich. Aber der Anrufer sagt in fließendem und akzentfreiem Urdu, es drohe seine Ausweisung aus Deutschland und womöglich Gefängnis.

I. ist verunsichert. Muss er zurück nach Pakistan? Trifft es in der aufgeheizten Stimmung, wo alle über Flüchtlinge und Zuwanderer reden, ihn? Der Mann am Telefon beruhigt ihn. "Wir können Ihnen helfen, Sie vor einer Abschiebung zu bewahren", sagt er. "Das kostet allerdings Geld, und zwar 2000 Euro." Das Geld solle er aber nicht überweisen, sondern in Form von iTunes-Karten bezahlen. Er solle Karten in diesem Wert kaufen und die Codes per Telefon durchgeben.

Mahir A., der Neffe von I., erzählt, sein Onkel habe aus Angst vor einer bevorstehenden Abschiebung seine verfügbaren Ersparnisse - 1100 Euro - genommen und dafür iTunes-Karten gekauft. Mehrmals riefen Männer an, um über die drohende Entwicklung zu sprechen und das Geld einzufordern. Jedes Mal wurde die Telefonnummer der pakistanischen Botschaft in Berlin mitgeschickt. "Es waren insgesamt drei verschiedene Anrufer", sagt A.. Der Onkel gab die Codes durch. Erst später kam der Familie der Verdacht, dass es sich um einen Betrug handeln könnte.

Anrufer waren wahrscheinlich Bedienstete der Botschaft

Nach Angaben eines pakistanischen Diplomaten hat es tatsächlich mehrere Anrufe dieser Art gegeben. Wie viele genau, sei noch unklar. In manchen Fällen seien 2000 Euro, in anderen sogar 3000 Euro verlangt worden. "Wir bedauern die Angelegenheit sehr", sagt er auf Nachfrage. "Wir können noch nicht mit Gewissheit sagen, ob der Betrug von einem oder mehreren unserer Mitarbeiter ausgeht oder ob es jemand anderes war, der unser Computersystem gehackt hat." Allerdings gehe man derzeit davon aus, dass es sich "wahrscheinlich" um Bedienstete der Botschaft handele. Man habe die Polizei eingeschaltet, die in der Sache ermittle.

Auf ihrer Facebook-Seite schreibt die Botschaft von den "irreführenden Anrufen" an "Mitglieder der (pakistanischen) Gemeinde" in Deutschland, bei denen die Telefonnummer der Vertretung auf dem Telefondisplay erscheine. Man weise darauf hin, dass die Botschaft solche Anrufe nicht tätige. Sollte also jemand anrufen und vor "Deportation/legalen Problemen" warnen, möge man bitte vorsichtig sein und den Anweisungen solcher Anrufer nicht folgen.

Mitteilung der Botschaft

Mitteilung der Botschaft



insgesamt 28 Beiträge
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mantriur 16.09.2016
1.
Telefonnummern sind aehnlich wie E-Mail Adressen nicht in Stein gemeisselt. Es scheint auf den ersten Blick wesentlich wahrscheinlicher, dass jemand mit einer falschen Caller-ID durchkommt, als dass ein Mitarbeiter der Botschaft vom Diensttelefon solche "Privatgeschaefte" taetigt.
Das Pferd 16.09.2016
2.
eine falsche Rufnummer zu übertragen ist nicht schwierig. Geht mit vielen leitungsunabhängigen SIP-Providern und mit den meisten Anlagenanschüssen. So dumm aus der Botschaft zu telefonieren kann doch keiner sein, die Anrufe wären im Telefonsystem der Botschaft nachverfolgbar. Und wenn man ein paar dutzend Anrufe hat, und weiß von welcher Nebenstelle sie geführt wurden, hat man nur noch einen sehr kleinen Kreis Verdächtiger. Ich tippe auf "Clip no screening" .
mimas101 16.09.2016
3. Hmm
mit genügend Aufwand (oder mit Vitamin B zu einem größeren Telefonisten) kann man ebenfalls Telefonnummern organisieren die anderen gehören. Einfacher und eher erschwinglich: Man kauft sich einen Mitarbeiter in der Botschaft oder einem eines externen Dienstleisters der Zugang zur Botschaft hat. Die Vorgehensweise deckt sich aber mit dem Üblichen: Klicke auf den Anhang für Bildchen von xyz, Rechnung pp. Danach ist der PC verschlüsselt und nur gegen viel Lösegeld (BitCoins, Kartennummern pp) wieder zugänglich.
dino_ac 16.09.2016
4. Bemerkenswert offen....
Unabhängig von der Technik, finde ich es bemerkenswert, dass die Botschaft zur Tat Stellung bezieht, und zunächst davon ausgeht (öffentlich), dass eigene Mitarbeiter dahinter stecken, und seine Bürger warnt, da es doch schon peinlich ist. Finde ich gut!
surgeon 16.09.2016
5. Geht alles !
Auch Rufnummern fälschen !
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