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Empörung über ADAC-Betrug: Ein schrecklich ehrenwerter Club

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ADAC-Zentrale in München: Wie groß ist der Vertrauensverlust?

Kaum eine Institution genoss bisher so viel Vertrauen bei den Deutschen wie der ADAC - nach der jüngsten Betrugsaffäre dürfte sich das dramatisch ändern. Von allen Seiten prasselt Kritik auf den größten Automobilclub des Landes ein. Der Skandal könnte sich noch ausweiten.

Berlin/München - Es geht um Macht. Und um die Frage, was passiert, wenn sich eine Institution zu mächtig fühlt. Wenn sie Dinge tut, die nicht in Ordnung sind. Wird das öffentlich, dann kann von einem Tag auf den anderen eine ganze Menge verloren gehen. Vor allem Vertrauen.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V., abgekürzt ADAC, steckt in einer tiefen Krise. Was kann man dem bislang so ehrenwert erscheinenden Club noch glauben?

Von allen Seiten hagelt es Kritik, nachdem der ADAC eingestanden hat, dass bei der aktuellen Vergabe seines Preises "Gelber Engel" manipuliert worden ist. Darüber dürfen die Clubmitglieder seit 2005 abstimmen und ihre Lieblingsautos wählen. "Der ADAC hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Karten auf den Tisch gelegt werden", sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt von der CSU. Deutlicher wird Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter: "Einen solchen Betrug" dürfe der ADAC sich nicht leisten. "Der ADAC muss diesen Fall lückenlos aufklären", sagte Hofreiter SPIEGEL ONLINE.

Er ist sich dabei einig mit den großen deutschen Automobilkonzernen VW und BMW, deren Chefs ebenfalls Aufklärung fordern. Für die Wolfsburger ist die Sache besonders ärgerlich, weil es bei dem bisher eingeräumten Manipulationsfall um die Wahl des VW Golf zum "Lieblingsauto der Deutschen 2014" geht: Statt der angeblich 34.299 ADAC-Mitglieder stimmten offenbar nur 3409 für den Golf.

Der ADAC punktete bisher mit seinem Image

19 Millionen Deutsche sind in dem Club, seine Zeitschrift "Motorwelt" lesen 16 Millionen, einen der zahllosen ADAC-Pannenhelfer haben die meisten deutschen Autofahrer schon einmal lieben gelernt. "Der ADAC ist Deutschland" schrieb kürzlich die "Süddeutsche Zeitung", die den Skandal aufgedeckt hat. Der Club ist zudem Versicherer, Reiseveranstalter, Autovermieter. Und punktete bisher mit seinem Image. Regelmäßig landete der ADAC an der Spitze deutscher Organisationen, wenn Demoskopen nach Vertrauenswürdigkeit fragten. Aber jetzt?

Es ist wie immer im Leben: Wer einmal schwindelt, dem glaubt man nicht. Oder um es mit den Worten des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen zu sagen: "Wenn sie beim 'Gelben Engel' lügen, kann man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen." Die Pannen- und Tunnelstatistik und weitere Tests des ADAC müsse man jetzt ebenfalls untersuchen, fordert Dudenhöffer.

Die Glaubwürdigkeit des Automobilclubs ist auch deshalb so angeknackst, weil der ADAC die Betrugsvorwürfe zunächst aufs entschiedenste zurückgewiesen hatte und die "Gelben Engel" am Donnerstagabend in gewohnt pompöser Weise in Münchens ehemaliger königlicher Residenz verlieh: Von "komplettem Unsinn" sprach Geschäftsführer Karl Obermair, Clubpräsident Peter Meyer nannte die Berichte einen "Skandal für den Journalismus". Zum Wochenende dann die Wende: Der ADAC räumte die Manipulation ein, der für den Preis zuständige Kommunikationschef und "Motorwelt"-Verantwortliche Michael Ramstetter trat von allen Funktionen zurück.

Präsident und Geschäftsführer wollen von nichts gewusst haben

Präsident Meyer und Geschäftsführer Obermair schieben nun alles auf den umtriebigen Ramstetter: Sie hätten nie etwas mit den Zahlen zu tun gehabt. Peinlicher geht es kaum. Schon soll es die ersten Austritte beim ADAC geben, im Internet ergießt sich Hohn und Spott über den Automobilclub.

Und wer weiß, ob der Manipulationsskandal sich nicht noch ausweitet? Wenn Oberkommunikator Ramstetter die aktuellen Zahlen frisierte, könnte er das ja auch schon zuvor getan haben. ADAC-Präsident Meyer kündigte bereits an, die Vergabe der "Gelben Engel" bis zur Premiere vor neun Jahren zu überprüfen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete von früheren Manipulationen.

Der Vertrauensverlust ist das eine, seine ökonomischen Folgen das andere: Der ADAC ist mit seinen zig Millionen Mitgliedern und all den Geschäftsfeldern ein gigantisches Unternehmen geworden, über eine Milliarde Euro soll das Clubvermögen betragen. Nun werden durch den Betrugsfall ganz allgemeine Fragen aufgeworfen: Ist der ADAC für diese Aufgaben richtig aufgestellt? Wer kontrolliert eigentlich die Entscheidungsträger?

Und mancher in der Politik, in der öffentlichen Verwaltung oder der Automobilindustrie dürfte mit Blick auf die jüngsten ADAC-Entwicklungen insgeheim auch ein bisschen schadenfroh sein. Wie hat man sich bei Deutschlands größtem Automobilclub doch immer gebrüstet, welchen Einfluss man in der Republik habe. Der ADAC ist eine mächtige Lobbyorganisation, im vermeintlichen Namen der deutschen Autofahrer melden sich die Clubvertreter gerne zu Wort. Anders herum wollte sich in der Vergangenheit kaum einer mit dem ADAC anlegen. Nun sagt Verkehrsminister Dobrindt, die Vorgänge zeigten, dass "großen Verbänden manchmal etwas mehr Bescheidenheit im Auftreten gut täte".

Ihn dürfte besonders geärgert haben, wie massiv der Automobilclub zuletzt gegen die von ihm geplante Pkw-Maut protestierte.

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insgesamt 77 Beiträge
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1. Ekelhaft an der Sache,
JoeZob 19.01.2014
zum sowieso schon großen Beschiss, ist doch, dass die sich bei ihrer Protzverstaltung letzte Woche noch hingestellt und auf unschuldig gemacht haben-alles entrüstet von sich gewiesen und der Journalismus ist ja so böse. Das ist ist widerlich, und alle Beteiligten, vorallem auch Club Präsident und Geschäftsführer, müssen abtreten. Ich erwäge sehr ernsthaft einen Austritt.
2. Betrug beim ADAC
JKStiller 19.01.2014
oder zumindest arglistige Täuschung gibt es auch in der Mitgliederwerbung. Ein Freund von mir aus Sri Lanka, der noch im Deutsch-Integrationskurs ist und gerade versucht, seinen Führerschein zu machen, bekam in der Fahrschule gleich mal einen Vertrag vorgelegt, den er prompt unterschrieb. Weil, so sagte er, "das alle gemacht haben". Er hatte keine Ahnung, was der ADAC eigentlich ist. Nachdem ich ihn aufgeklärt hatte, ging ich zwei Tage später mit ihm zur Zentrale des Ladens in unserer Stadt und fragte einen Mitarbeiter, was das soll? Antwort: Das erste Jahr ist ja beitragsfrei. Dass mein Freund weder Führerschein noch Auto hat, interessierte gar nicht. Immerhin wurde die Mitgliedschaft anstandslos storniert.
3. niemand hat etwas gewusst oder nur geahnt
liberalliberal 19.01.2014
wie bei größeren organisationen üblich, hat wieder mal NIEMAND etwas von den unregelmäßigkeiten gewußt-bis auch dies scheibchenweise widerlegt wird. dass der ADAC bzgl. rechnungslegung und publizität als verein den gleichen anforderungen wie ein kleintierzüchterverein unterworfen ist und auch nicht viel mehr freiwillig preisgibt, ist seit jahrzehnten bekannt und wurde immer wieder halbherzig kritisiert. mal sehen, was da demnächst noch unter der decke hervorkriechen oder hervorgezogen werden wird.
4. Nichts gewusst???
pbiermann 19.01.2014
Präsident und Geschäftsführer haben ´angeblich´nichts gewusst?? Das sieht nach "Rette sich wer kann" aus. Ein Rücktritt und ein präzises Aufräumen beim ADAC sind mehr als überfällig. Eine unabhängige Person oder Prüfungsgesellschaft sollte hier eingeschaltet werden. Bis hierher haben alle bisher veröffentlichen Tests den Geruch der Manipulation an sich.
5. Normales
lunja001 19.01.2014
Ablenkungsmanöver, damit sich der Bürger wieder aufregt und vergisst oder nicht merkt was die GroKo für Grausamkeiten gegen uns ausheckt! Der ADAC ist ein eingetragener Verein, genau wie jeder Tennisclub an der Ecke und da gibt es immer Unregelmäßigkeiten, weil Neid und Missgunst den Menschen regieren! Aber jetzt hat der Deutsche was über das er sich richtig aufregen kann! Und die in der Berlin lachen sich über unsere Dummheit kaputt und machen so weiter! Und wer schon mal öfter mit seinem Motorrad oder Wagen liegen geblieben ist, ist froh das es den Verein gibt!
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