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Wiedergutmachung für Israel: Was Adenauer verschwieg

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Adenauers Widersprüche: Kabinettsprotokolle unter Verschluss Fotos
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1952 unterzeichnete Kanzler Adenauer ein milliardenschweres Entschädigungsabkommen mit Israel - aus einer "zwingenden moralischen Verpflichtung" heraus, wie er erklärte. Doch lange zurückgehaltene Kabinettsprotokolle belegen, dass er auch andere Motive hatte.

Konrad Adenauer war nicht nur der erste Kanzler der Bundesrepublik und begeisterter Boccia-Spieler. Er war auch Bestseller-Autor. Seine vierbändigen "Erinnerungen" wurden zum Kassenschlager. Allein der 1965 veröffentlichte erste Band erreichte innerhalb eines Jahres eine Auflage von 250.000 Exemplaren, was dem prominenten Autor an die 1,5 Millionen Mark einbrachte.

In seinen Memoiren gab sich der Alte aus Rhöndorf ganz unbescheiden. Er rühmte seine politischen Erfolge: Gründung der Bundesrepublik 1949, Wiederherstellung deutscher Souveränität 1954, seine legendäre Reise nach Moskau 1955 und nicht zuletzt die "Ordnung unseres Verhältnisses zu den Juden".

Am 10. September 1952 hatte Adenauer Israel im Luxemburger Abkommen Entschädigungszahlungen in Höhe von drei Milliarden Mark zugesichert. Dem Vertrag waren zähe Verhandlungen im Kabinett vorausgegangen. Der damalige Bundesjustizminister Thomas Dehler (FDP) kritisierte den eingeschlagenen Weg der Wiedergutmachung, Finanzminister Fritz Schäffer (CSU) hielt die israelischen Forderungen für überzogen.

Auch die westdeutsche Bevölkerung verfolgte Adenauers Vorhaben skeptisch. Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach erachteten 44 Prozent der Bundesbürger Wiedergutmachungszahlungen an Israel für gänzlich "überflüssig".

Protokolle unter Verschluss

Der Kanzler aber betrieb das Entschädigungsprojekt mit Entschlossenheit. In seinen Memoiren nannte er denn auch die Gründe für das entschiedene Vorgehen: Das Abkommen mit Israel habe "auf einer zwingenden moralischen Verpflichtung" beruht, schrieb er, und sei daher "etwas anderes als ein üblicher Vertrag zwischen zwei Staaten" gewesen: "Es gibt Höheres als gute Geschäfte."

Doch als die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) die Kabinettsprotokolle Adenauers nach Ablauf der Sperrfrist 1982 veröffentlichen wollte, kam sie zu einem anderen Urteil. Das zeigen Akten, die das Auswärtige Amt nun veröffentlicht hat. Es stellte sich heraus, dass die Dokumente "in gewissem Widerspruch" zu den Erinnerungen des Altkanzlers stünden, wie ein hoher Beamter des Auswärtigen Amts (AA) am 17. Dezember 1982 notierte: Adenauer sei offenbar nur "aufgrund des Drucks der USA zu den Wiedergutmachungsverhandlungen bereit" gewesen.

So hatte Adenauer in der Kabinettsitzung am 17. Juni 1952 auf das Verhältnis Westdeutschlands zu den USA verwiesen und gesagt, der "ergebnislose Abbruch von Verhandlungen mit Israel würde die schwersten politischen und wirtschaftspolitischen Gefahren für die Bundesrepublik heraufbeschwören".

Wegen Passagen wie dieser befürchtete der Bonner AA-Beamte nun, die Freigabe der Kabinettsprotokolle könne "dazu führen, dass unsere Leistungen an Israel und das jüdische Volk in der Öffentlichkeit erneut problematisiert würden". Dies hätte "eine Belastung unserer Beziehungen zu Israel" zur Folge, "die wir zu 'normalisieren' suchen". Der Beamte empfahl, die Papiere weiter geheim zu halten.

Die Bedenken des Beamten waren durchaus berechtigt. Anfang der achtziger Jahre hatte eine lang anhaltende Kontroverse zwischen Kohls Vorgänger Helmut Schmidt (SPD) und dem israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin das Verhältnis zu Tel Aviv nachhaltig beeinträchtigt. 1979 war ein Zitat Schmidts durch die deutsche Presse gegangen, er wolle nicht als "wandelnde Aktion Sühnezeichen" nach Israel reisen. Begin hatte gekontert, einem deutschen Kriegsteilnehmer gebe er nicht die Hand.

Erst mit der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler im Oktober 1982 verbesserten sich die Beziehungen beider Länder allmählich wieder. Die zwei Monate später zutage tretenden Widersprüche Adenauers kamen der Bundesregierung daher ungelegen. Doch die Bundesregierung fand eine Lösung für das Problem - und verzögerte die Freigabe der betreffenden Kabinettsprotokolle aus der Ära des Altkanzlers. Sie wurden erst Jahre später veröffentlicht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 64 Beiträge
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1. Wie gehabt
werimmer 18.03.2013
Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach erachteten 44 Prozent der Bundesbürger Wiedergutmachungszahlungen an Israel für gänzlich "überflüssig"." Auf den deutschen Michel ist immer noch Verlass.
2. Das wird meinen Politiklehrer beruhigen :o)
mr_supersonic 18.03.2013
Zitat von sysopAP1952 unterzeichnete Kanzler Adenauer ein milliardenschweres Entschädigungsabkommen mit Israel - aus einer "zwingenden moralischen Verpflichtung" heraus, wie er erklärte. Doch lange zurückgehaltene Kabinettsprotokolle belegen, dass er auch andere Motive hatte. Adenauers Wiedergutmachung für Israel: - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/adenauers-wiedergutmachung-fuer-israel-a-888997.html)
Der hatte damals schon gemutmaßt dass Adenauers zugehen auf Israel recht pragmatische Gründe hatte. Er fand diesen Pragmatismus sogar gut, konnte als Alt-68er jedoch niemals verstehen dass er Adenauer und die CDU loben musste. Nun hat er die Antwort. Und an alle von der "ist doch schon so lange her" - Fraktion: Jetzt beginnt wirklich langsam die Aufarbeitung....
3.
flaschenöffner 18.03.2013
Ich verstehe nicht, warum diese vermeintliche Sensationsmeldung eine neue Diskussion vom Zaun brechen sollte. Ist doch völlig normal, dass Beweggründe verschwiegen werden, die dann bei einer diplomatisch formulierten öffentlichen Erklärung "verschwiegen" werden. Die Meldung ist so unbedeutend, dass der Spiegel sie nicht hätte bringen bruachen. Der Spiegel könnte aber mal wieder ein neues Kapitel in der Vergangenheitsbewältigung seiner eigenen ex-NS-Mitarbeiter-Geschichte aufmachen. Wäre interessanter als als eine derart unbedeutende Adenauer-Akte.
4. Ein Schnäppchen
Lupo1977 18.03.2013
Wenn man sich die wirtschaftliche Entwicklung der BRD nach 45 anschaut waren 1,5 Milliarden Euro auf lange Sicht ein echter Schnapper - 1,5 Milliarden €, damit lässt sich Heute ja nicht mal ne Sparkasse retten :-)
5. Ich glaube, das ist nur die halbe..
lynx2 18.03.2013
Zitat von sysopAP1952 unterzeichnete Kanzler Adenauer ein milliardenschweres Entschädigungsabkommen mit Israel - aus einer "zwingenden moralischen Verpflichtung" heraus, wie er erklärte. Doch lange zurückgehaltene Kabinettsprotokolle belegen, dass er auch andere Motive hatte. Adenauers Wiedergutmachung für Israel: - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/adenauers-wiedergutmachung-fuer-israel-a-888997.html)
... Wahrheit. Deutschland lieferte Geld und Waffen und im Gegenzug verzichteteten die Israeli darauf, spektakuläre Jagden wie die auf Eichmann zu starten. Deutsche Nazis konnten darauf hin ziemlich unbehelligt in D und in Südamerika leben. In D gehörten Sie zu den wesentlichen Apparatschiks im BND und anderen Behörden, mit Adenauers Billigung. Ein Eichmann-Prozess fand dann in dieser Form nicht mehr statt. Den Israelis war's auch recht, brauchten sie doch Geld und Waffen, um Krieg gegen die Araber zu führen und Palästina zu unterdrücken. Zwar hat Simon Wiesenthal weiter Nazi-Verbrecher gejagt, aber ich kann mich nicht entsinnen, daß welche in Israel hängen mußten. In D passierte ihnen erst recht nichts.
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