Ägypten Kauder auf christlicher Mission

Deutschland verstärkt seine Bemühungen zum Schutz der koptischen Christen in Ägypten. Unions-Fraktionschef Volker Kauder will jetzt zu Gesprächen nach Kairo reisen - der CDU-Politiker setzt damit deutlich andere Akzente als Außenminister Westerwelle.

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Unions-Fraktionschef Volker Kauder: Eigene Akzente in der Außenpolitik
dpa

Unions-Fraktionschef Volker Kauder: Eigene Akzente in der Außenpolitik


Berlin - Der Unions-Fraktionschef wurde deutlich: Bloße Appelle an die Adresse Ägyptens reichten nicht aus, sagte Volker Kauder wenige Tage nach dem Anschlag auf eine Kirche der koptischen Christen in Alexandria. In einem Radiointerview zündete der CDU-Politiker gleich eine ganze Reihe von Ideen, wie man dem Thema Christenverfolgung in der internationalen Diplomatie mehr Aufmerksamkeit verschaffen könnte. Eine stärkere Zusammenarbeit bei der Entwicklungshilfe, mehr Gewicht für Religionsfragen innerhalb der EU-Politik und sogar eine Debatte bei den Vereinten Nationen forderte Kauder, um die Probleme verfolgter christlicher Minderheiten auf die Tagesordnung zu setzen.

An diesem Wochenende will Kauder nun selbst dafür sorgen, dass das Schicksal der christlichen Kopten und die 21 Toten des Anschlags vom Silvestertag nicht in Vergessenheit geraten. In Kairo will er Vertreter der ägyptischen Regierung, der renommierten Al-Azhar-Universität und von Religionsgemeinschaften treffen. Geplant ist unter anderem ein Gespräch mit Religionsminister Mahmud Zaqzouq. Mit seinem Wunsch, auch Staatschef Hosni Mubarak zu treffen, blitzte Kauder bislang jedoch ab.

Kauder hat sich in der Vergangenheit immer wieder für die Unterstützung verfolgter christlicher Minderheiten stark gemacht. Mit seiner Reise setzt er erneut deutlich andere Akzente in der Außenpolitik als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Beide hatten es nach dem Anschlag in der Neujahrsnacht bei mahnenden Worten belassen. Mubarak müsse für die Verfolgung der Täter und die Sicherheit der Kopten sorgen. Oppositionspolitiker wie der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck hatten so viel diplomatische Zurückhaltung scharf kritisiert. "Eine Verurteilung solcher Anschläge ist zu wenig", sagte Beck. Außenpolitische Rücksichtnahme verhindere, dass Mubarak in die Schranken gewiesen werde.

Ägyptens Christen beklagen seit langem, sie würden von Polizei und Justiz diskriminiert und von der Politik als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt. Die Minderheit macht etwa zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner Ägyptens aus.

Um Flagge zu zeigen, nimmt Kauder Verstimmungen mit Westerwelle auch bei grundsätzlichen Fragen in Kauf. Der 61-jährige Protestant will christliche Werte stärker in der Außenpolitik verankern. "Die deutsche Außenpolitik muss mehr als bisher die Religionsausübung weltweit verteidigen", schrieb er vor gut einem Jahr in der "Bild am Sonntag". Als der Bundestag kurz vor Weihnachten über Religionsfreiheit diskutierte, begründete Kauder diese Haltung. "So wie es sich im Irak, in afrikanischen Ländern und jetzt in Ägypten darstellt, darf es nicht weiter gehen", sagte Kauder. "Es kann nicht unser Ziel sein, dass an Orten christenfreie Zonen entstehen, wo schon seit Jahrhunderten Christen leben."

Vor allem hat Kauder den Irak im Blick, aber auch die Situation in der Türkei. Er ist notfalls bereit, abermals irakische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen - ein Vorhaben, das nicht bei jedem Konservativen in der Union auf Begeisterung stößt. Zudem fordert er, dem Thema Religionsfreiheit bei den EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei größere Bedeutung beizumessen. Im vergangenen Sommer hatte Kauder sich zudem in Indonesien und Malaysia mit Angehörigen christlicher Minderheiten getroffen.

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Seite 1
Hiro22453 07.01.2011
1. Kultur oder Religion?
Zitat von sysopDeutschland verstärkt seine Bemühungen zum Schutz der koptischen Christen in Ägypten. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will Unions-Fraktionschef Volker Kauder jetzt zu Gesprächen nach Kairo*reisen - der CDU-Politiker setzt*damit deutlich andere Akzente*als Außenminister Westerwelle. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,738244,00.html
Ist doch toll, wenn man mit Steuergeldern seine persönlichen Anliegen fördern kann, nicht wahr Herr Kauder? Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, Deutschland lässt sich hier in eine Falle locken. Wir verraten unseren säkulären Staat, indem wir es zulassen, dass der Kulturkonflikt auf die religiöse Ebene gezogen wird.
stupp 07.01.2011
2. Solidarität mit Glaubensgenossen
Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich Herr Kauder ausgerechnet für die Kopten einsetzt. Ich wünsche nicht, dass Herr Kauder aus religiöser Solidarität mit seinen Glaubensgenossen und auf Kosten des deutschen Steuerzahlers womöglich die Beziehungen mit Ägypten belastet. Aber was soll man von einer C-Partei auch anderes erwarten?
Shlumpf! 07.01.2011
3. Naja
Eigentlich ist es ja immer nobel, wenn man sich für den Schutz verfolgter Menschen einsetzt und ich will das jetzt auch nicht schlecht reden. Aber sind wir jetzt der Schirmherr aller Christen weltweit geworden? Wenn andere Minderheiten verfolgt werden, schreiten wir ja auch nicht ein. Als mehr oder weniger säkulärer Staat kann es doch nicht sein, dass wir bei der Verfolgung von Christen hochspringen und es und bei anderen Minderheiten egal ist.
Roßtäuscher 07.01.2011
4. Der arme Guido Westerwelle
Zitat von sysopDeutschland verstärkt seine Bemühungen zum Schutz der koptischen Christen in Ägypten. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will Unions-Fraktionschef Volker Kauder jetzt zu Gesprächen nach Kairo*reisen - der CDU-Politiker setzt*damit deutlich andere Akzente*als Außenminister Westerwelle. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,738244,00.html
Zuerst fischt und drischt zu Guttenberg ihm im Auswärtigen Ressort die Themen weg. Jetzt legt Volker Kauder bei der Kopten-Verfolgung in Ägypten nach. Da kann man mal sehen, wieviel die Union dem Westerwelle noch zutraut, nach seiner Selbstbeweihräucherung und Brandrede vom Dreikönigstreffen. Vor allem, wieviel die Solidaritätsbekundungen von Mutti Merkel wert sind.
MarkH, 07.01.2011
5. ooo
Zitat von sysopDeutschland verstärkt seine Bemühungen zum Schutz der koptischen Christen in Ägypten. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will Unions-Fraktionschef Volker Kauder jetzt zu Gesprächen nach Kairo*reisen - der CDU-Politiker setzt*damit deutlich andere Akzente*als Außenminister Westerwelle. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,738244,00.html
Schon seltsam .. ich scheibe seit knapp 2 Jahren über orthodoxe Christen, und nun ist es überall Thema
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