AfD-Abtrünnige Petry und Pretzell planen "bundesweite CSU"

Die AfD-Abtrünnigen Frauke Petry und Marcus Pretzell bereiten die Gründung einer eigenen Partei vor. Vorbild soll laut einem Zeitungsbericht die CSU sein - und Emmanuel Macron.

Frauke Petry und Marcus Pretzell
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Frauke Petry und Marcus Pretzell


Was machen Marcus Pretzell und seine Ehefrau Frauke Petry, nachdem sie die AfD verlassen haben? Beide planen nach Angaben des "Kölner Stadt-Anzeigers" die Gründung einer bundesweit vertretenen Partei nach Vorbild der bayerischen CSU.

"Man braucht die CSU bundesweit. Ein Modell auf Bundesebene erscheint mir sehr interessant", sagte der nordrhein-westfälische AfD-Landeschef der Zeitung. Dieses Modell dürfe allerdings nicht die "Schwerfälligkeit des bayerischen Tankers" haben.

Parteien seien in ihrer jetzigen Form "monetär und personell schwarze Löcher", wird Pretzell zitiert. Das gelte auch für die AfD. "Die AfD ist inzwischen eine reiche Partei. Das Geld aber wird in internen Machtkämpfen verschleudert."

Einen Namen für die neue Partei gebe es indes noch nicht. Bereits im Juli hatte Petry die Internetdomain "DieBlauen.de" angemeldet. "Blau ist eine schöne Farbe, aber kein Parteiname", sagte Pretzell dazu.

Macron als Inspiration

Pretzell hatte am Dienstag den AfD-Fraktionsvorsitz in Nordrhein-Westfalen niedergelegt und seinen Parteiaustritt angekündigt. Sein für die Rechtspopulisten errungenes Mandat im EU-Parlament will er ebenso wie sein Landtagsmandat behalten.

Noch-Parteichefin Petry kündigte ebenfalls ihren Austritt aus der AfD für die kommenden Tage an. Bereits am Montag hatte sie erklärt, sie werde als fraktionslose Einzelabgeordnete im Bundestag sitzen. Sie hatte in Sachsen ein Direktmandat gewonnen. Ihren Fraktionsvorsitz im sächsischen Landtag gab Petry am Dienstag ab, ihr Mandat als einfache Abgeordnete will sie aber behalten.

Bei ihrer Neugründung wollen sich Pretzell und die Noch-Bundesvorsitzende Petry nach eigenen Angaben an Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seiner Bewegung En Marche orientieren.

Macron habe gezeigt, wie man "nicht politisch-inhaltlich, aber strukturell innerhalb kurzer Zeit etwas Neues und Frisches in die Politik bringt", sagte Pretzell. Auch der österreichische ÖVP-Chef Sebastian Kurz sei ein Vorbild.

Macron hatte seine Bewegung En Marche im April 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Später wurde das politische Start-up in die Partei La République en Marche (Die Republik in Bewegung) umbenannt, mit der Macron im vergangenen Juni die Parlamentswahl gewann.

Inhaltlich soll es laut Pretzell allerdings keine Neuausrichtung geben. Die geplante Bewegung wolle vertraute Themen bedienen: Migration, Integration, Umgang mit dem Islam, innere Sicherheit, aber auch eine Reform der Sozial- und Steuersysteme.

als/dpa



insgesamt 73 Beiträge
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frank.huebner 27.09.2017
1. Schlaues Mädchen
Da wundere ich mich über die Petry. Sie scheint es begriffen zu haben, dass man mit den Rechtsaußen-Schreihälsen Marke Weidel, Gauland, Höcke etc keinen Machtblumentopf gewinnen kann. Allerdings hat sie früher selbst harte bis zu harte Töne angeschlagen. Jetzt auf Machtmöglichkeiten zu schielen und damit den Kurs doch merklich zu ändern, das wird schwer bis unglaubwürdig. Aber für die CDU/CSU wird es sehr hart, wenn ihr der Turn gelingt. Eine bundesweite CSU bzw ein wieder-konservativer CDU-Ersatz könnte viele Wähler, die den Merkel-Linksweg nicht folgen wollen, attraktiv machen. Spannend.
lorn order 27.09.2017
2. die Blauen brauchen wir nun wirklich nicht!!!
Um Gottes Willen! Eine weitere rechtsradikale Partei brauchen wir doch nun wirklich nicht. Okay, wenn die sich alle gegenseitig die Stimmen wegnehmen, soll´s mir recht sein. Abgesehen von der möglichen Gründung einer neuen Partei erscheint mir das Vorgehen von Frauke Petry Betrug am Wähler zu sein. Sie hat ihr Direktmandat in ihrer Funktion als Vorsitzende der AfD errungen. Sie hat sicher schon vor der Wahl entschieden, dass sie nach der Wahl aus der AfD austreten würde. Unter solchen Umständen scheint mir die Rückgabe des Bundestagsmandats die einzig legitime Entscheidung zu sein. Aber dann müsste die Familie Petry-Pretzell mit ihren fünf Kindern sehen, wo die Kohle herkommt. Frauke Petry nutzt imho ihr unter falschen Voraussetzungen errungenes Bundestagsmandat, um ihre Familie zu versorgen. Der einzige Vorteil, den ich sehe, ist die Schwächung der AfD
hello0707 27.09.2017
3. Frauke Petry und Marcus Pretzell...
...haben ihre Chance vergeben und werden auf der politischen Bühne... wie einst die Titanic versinken...!
ruzorma 27.09.2017
4. Schlaufkopf Petri
die Frau Petri gefällt mir weil sie ziemlich clever ist.
Nr43587 27.09.2017
5.
Blau ist ein Zustand, in dem die beiden offensichtlich sind. Sie werden in der Bedeutungslosigkeit versinken, wo auch schon Prof. Lucke versunken ist.
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